DBSV: Politik bei frühzeitigen Augenchecks gefragt

Frau beim Sehcheck am Phoropter
Bild: Getty Images/Unsplash

Sehverlust gezielt auf politische Agenda setzen

Aufgrund der alternden Gesellschaft steigt in Deutschland die Zahl der von Augenkrankheiten Betroffenen kontinuierlich an. Dass es bislang nur vereinzelte Früherkennungsprogramme in dem Bereich gibt, kritisiert nun ein Experte des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes (DBSV).

Die häufigsten Augenerkrankungen, die mit zunehmendem Lebensalter fast jeden betreffen, sind die Altersweitsichtigkeit (Presbyopie) und der Graue Star (Katarakt). Beide Erkrankungen führen nicht zu Sehbehinderung oder Blindheit, weil sie mit einer Brille korrigiert beziehungsweise chirurgisch „geheilt“ werden können. Nichtsdestotrotz habe jeder fünfte Mensch in Deutschland trotz Brille oder Kontaktlinsen Probleme mit dem Sehen und gutes Sehen sei entscheidend, nicht nur für die Wahrnehmung der Umwelt und für die volle gesellschaftliche Teilhabe, sondern beispielsweise auch zur Vermeidung von Stürzen.

Frühe Diagnose kann Sehverlust verhindern

Für die drei Volkskrankheiten der Augen, die altersabhängige Makula-Degeneration (AMD), Grüner Star (Glaukom) und Netzhauterkrankungen als Folge von Diabetes, gibt es keine Heilung. „Eine rechtzeitige Diagnose und frühe Behandlung können jedoch zur Vermeidung des drohenden Sehverlusts beitragen oder einen solchen zumindest deutlich hinauszögern“, sagt Professor Dr. med. Robert P. Finger, Direktor der Universitäts-Augenklinik Mannheim. „Doch die dringend notwendigen Früherkennungsprogramme gibt es bislang nur für diabetische Augenerkrankungen – und auch diese werden nur von rund 65% der Menschen mit Diabetes wie empfohlen mindestens alle zwei Jahre genutzt.“

Für Glaukom und AMD gibt es überhaupt keine Früherkennungsprogramme. „Dabei wissen wir, dass Menschen mit bereits erkrankten Verwandten ein erhöhtes Risiko haben, ebenfalls daran zu erkranken. Eine Kontrolle speziell in dieser Risikogruppe wäre absolut sinnvoll, da beide Erkrankungen in Frühstadien keine Symptome verursachen und deshalb meist unbemerkt bleiben“, so Finger.

Kombination von Aufklärung, Früherkennung und Forschung gefordert

Eine Weiterentwicklung der Präventionsmaßnahmen sei nötig. „Beispielsweise sind die wissenschaftlichen Grundlagen für Methoden zur Früherkennung von AMD gut erforscht und alle notwendigen Verfahren bereits verfügbar“, erklärt der Experte. Von einer altersabhängigen Makula-Degeneration sind rund 25% der über 60-Jährigen betroffen. „Allerdings gibt es noch nicht genug Studien und Daten darüber, wie eine Früherkennung in der Praxis funktioniert und wie wirksam sie für die gesamte Bevölkerung und besonders gefährdete Gruppen ist.“ Insbesondere die Frage, ob der Nutzen den Aufwand rechtfertige, sei noch zu klären.

Wichtig ist ihm auch, dass nicht nur diese Grundlagen weiter erforscht werden. Vielmehr müssten all diese Programme mit Aufklärungskampagnen unterstützt werden. „Denn das beste Früherkennungsprogramm nutzt nichts, wenn die Bevölkerungsgruppen, die angesprochen werden sollen, über die Maßnahmen nicht informiert sind und sie folglich auch nicht in Anspruch nehmen“, so Finger abschließend.

Ähnliche Beiträge

  • Wetzlich: Gutes Sehen beugt Verkehrsrisiken vor

    Der dritte Samstag im Juni gehörte wie jedes Jahr dem Tag der Verkehrssicherheit, der seit 2005 vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat initiiert wird. In dem Zusammenhang hat sich auch der Brillenglashersteller Wetzlich eindeutig zum Thema Prävention im Straßenverkehr geäußert.

  • Nickelallergie

    Die Brille bei Kindern ist oft verbogen, die Nasenpads verstellt – das fördert den Hautkontakt bei Metallbrillen. Wird durch den Hautschweiß die Schutzschicht des Metalls aufgelöst, kann es zu Kontaktallergien wie der Nickelallergie kommen. Sie ist eine der häufigsten Kontaktallergien, von der Menschen weltweit betroffen sind.

  • Forever Young

    Multifokale Kontaktlinsen sind keine Nischenprodukte, sondern eine zeitgemäße Lösung für eine wachsende Kundengruppe. Wer Kommunikation, Fachwissen und Empathie kombiniert, kann Kunden ab Anfang/Mitte 40 den Weg in eine neue Lebensqualität und Leichtigkeit ebnen und sich gleichzeitig ein wirtschaftlich starkes Segment sichern.

  • Forschung: Wenn Schlanksein einmal kein Vorteil ist

    Wer einige Pfunde zu viel mit sich herumträgt, für den halten die Nachrichten aus Wissenschaft und Forschung selten etwas Gutes bereit. Über eine bemerkenswerte Ausnahme von dieser Regel berichten nun gleich zwei Studien, die Forschende aus Australien und den USA veröffentlichten. Wie sie zeigen, ist ein leicht erhöhter Body-Mass-Index (BMI) offenbar mit einem geringeren Risiko verbunden, an einem Glaukom zu erkranken.

  • Fielmann Akademie: Online-Kolloquium zum Trockenen Auge

    Zum Thema „Trockenes Auge und Ocular Surface Disease (OSD)“ findet am 21. Januar das 68. Kolloquium der Fielmann Akademie Schloss Plön statt. Experten wie Dr. Stefan Bandlitz und Dr. Sylvia Wulf werden dann Ursachen, Diagnostik und Therapieansätze diskutieren.

  • BVA: Tageslicht schützt Kinder vor Myopie

    Ob ein Mensch kurzsichtig wird, entscheidet sich vor allem in der Kindheit. Das einfachste Mittel, um eine Myopie zu verhindern oder ihr Fortschreiten zumindest zu bremsen, ist der Aufenthalt bei Tageslicht im Freien, rät auch der Berufsverband der Augenärzte Deutschlands (BVA).