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Zielgruppe 50+: Spezialistentum in Zukunft gefragt

Foto: Getty Images/Unsplash

Demographie und Veränderung

Vor über zwanzig Jahren hat die Fachpresse angefangen, sich mit der Zielgruppe 50plus zu beschäftigen. Also ein Thema mit einem langen Bart? Die Best Ager von damals sind älter geworden. Ein neuer Typ ist nachgerückt. Sie sind anspruchsvoll, konsumfreudig und sinnstiftenden Freizeitbeschäftigungen nicht abgeneigt. Sie zeichnen sich durch eine positive Selbstwahrnehmung aus. Die meisten von ihnen schätzen sich jünger ein, als sie es vom Lebensalter her sind. Sie sind internetaffin, legen Wert auf Qualität sowie Beratung. Sie gelten auch als wachsende und vielversprechende Zielgruppe für die Augenoptik.

Die demografische Entwicklung zeigt, dass Personen ab 50 Jahren eine stetig wachsende Gruppe der Gesamtbevölkerung sind. Im Jahr 2035 werden knapp die Hälfte der Deutschen 50 Jahre und älter sein. Jeder Dritte wird hiervon sogar älter als 60 Jahre sein. Gerade für die Konsumwirtschaft hat diese Entwicklung eine besondere Bedeutung.

Aber kann man die Zielgruppen wirklich rein nach Alter klassifizieren? Das Marketing hat unter anderem den Begriff Best Ager geschaffen. Der Begriff stellt keine wissenschaftliche Kategorie dar, sondern beschreibt Personen in der zweiten Lebenshälfte, die in wirtschaftlich gesicherten Verhältnissen leben und bereit sind, ihr Einkommen für Konsumzwecke auszugeben. Daher sind sie für das Marketing vieler Unternehmen interessant, die ihre Produkte und Dienstleistungen gezielt auf deren Bedürfnisse abstimmen.

Gesundheit, Lifestyle und Konsum

An diesen drei Begriffen lässt sich diese Zielgruppe besonders gut charakterisieren. Die heutigen Ü50-Jährigen sind fitter, aktiver und gesundheitsbewusster als noch vor 20 Jahren. Sie beschäftigen sich intensiv mit Themen wie Ernährung, Bewegung und Stressmanagement. Viele treiben regelmäßig Sport und legen Wert auf eine ausgewogene Lebensweise. Hinzu kommt eine vielfältigere Lebensgestaltung als vor 20 Jahren, denn viele sind beruflich noch aktiv oder engagieren sich ehrenamtlich. Außerdem verfügen sie über eine höhere Kaufkraft als jüngere Generationen und sind bereit, in hochwertige Produkte zu investieren. Reisen sind zu einem wichtigen Bestandteil des Lebens geworden und führen oft in ferne Länder. Zudem sind sie offener für neue Erfahrungen und Trends.

Auch die Konsumgewohnheiten der heutigen Ü50-Jährigen sind vielfältiger und individueller geworden als noch vor
einigen Jahrzehnten. Sie legen Wert auf Nachhaltigkeit, Individualität und Erlebnischarakter. Zudem sind sie technikaffin und nutzen gerne digitale Angebote. Dazu später mehr.

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Das Alter, Rollenbilder und technologischer Fortschritt


Drei Aspekte beeinflussen besonders das Leben der Best Ager. Zum einen ist es der demografische Wandel selbst, denn ein Aspekt ist die steigende Lebenserwartung der Ü50-Jährigen: Noch bis ins höhere Alter sind sie in der Lage, ihre Freizeit aktiv zu gestalten.

Daneben findet aber auch ein soziokultureller Wandel statt. Die veränderten Rollenbilder, die Emanzipation der Frauen und die Globalisierung haben zu einer neuen Lebensweise geführt. Hinzu kommt der technologische Fortschritt. Die Digitalisierung hat auch die Lebenswelt der Ü50-Jährigen verändert. Sie nutzen Smartphones, Tablets und soziale Medien und sind somit besser informiert und vernetzt. Allein das Internetverhalten hat sich im vergangenen Jahrzehnt drastisch verändert. Die Nutzergruppe der Best Ager im Alter von 50 bis 59 Jahre wächst hier stark. Im Vordergrund stehen die Informationsbeschaffung, die Kommunikation mit Freunden und Familie, der Online-Einkauf oder die Buchung von Reisen. Dementsprechend werden viele Unternehmens-Websites und Online-Angebote auf diese kaufkräftige Zielgruppe zugeschnittenSpezialisierungen bringen Umsatz.

Veränderungen bei der Zielgruppe der Best Ager sind in den kommenden Jahren nicht ausgeschlossen. Eine längere Lebensarbeitszeit – vielleicht bis zur Rente ab 70 – in Kombination mit einer kriselnden Wirtschaft, werden grundsätzlich zu Veränderungen im Konsum und im Lifestyle führen.

Ein wichtiges Thema, was die Gesellschaft in den kommenden Jahren zunehmend beschäftigen wird, ist die Gesundheit. Der Natur können die Best Ager zwar kein Schnippchen schlagen, doch wie oben erwähnt ist ein gewisses Gesundheitsbewusstsein ihnen nicht fremd. Eine enge Zusammenarbeit mit ­Augenärzten und anderen Gesundheitsdienstleistern kann die Augenoptik in diesem Punkt zu einem wichtigen Bestandteil des Gesundheitsmanagements dieser Zielgruppe machen. Um im Wettbewerb mit Filialketten und Online-Handel weiter bestehen zu können, ist eine Spezialisierung sicherlich eine Option, um unternehmerisch am Markt erfolgreich zu sein. Ein Muss in diesem Zusammenhang: Die Integration neuer Geräte- und Diagnose-Technologien mit neuen Angeboten zur Augenvorsorge. Dazu gehört auch der Bereich Low Vision. Dieses Thema gilt als Nische und wird betriebswirtschaftlich oftmals auch so eingeordnet. Dabei gibt es unter den Optometristen viele Beispiele, bei denen dieser Bereich zu einem Profitcenter wurde.

Die ausgebildeten Fachleute werden zunehmend eine wichtige Rolle bei der Versorgung aller Bevölkerungsteile mit Sehhilfen und der Vorsorge und Erkennung von Augenkrankheiten spielen. Zwar geht es beim eigentlichen unterneh­merischen Ansatz für das Best Ager-Marketing explizit darum, den Konsum der besserverdienenden zu befriedigen. Aber gerade in Gesundheitsfragen sind wir alle gleich. Ob vermögende Best Ager oder eben nicht.

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