Apple Maps: Alles auf die richtigen Karten setzen
Google ist Pflicht – aber Apple wird zur Kür mit Wirkung
Leonie, 23, steht an einem Samstagmittag in der Innenstadt. Die Sonnenbrille ist verkratzt, der Bügel locker – und in zwei Stunden ist sie mit Freunden verabredet. Sie öffnet nicht „Google“, sondern tippt auf dem iPhone auf Karten. Suchbegriff: „Augenoptiker“. Auf dem Display erscheinen ein paar Pins, darunter ein Geschäft mit frischen Fotos, klaren Öffnungszeiten, dem Hinweis „Sofort-Reparatur“, und ein paar aktuellen Bewertungen, auf die der Inhaber sogar geantwortet hat. Leonie klickt, lässt sich routen – und steht zehn Minuten später im Laden.
Die beschriebene Szene ist kein Zukunftsfilm, sondern eine leise Verschiebung im Alltag: Wer in Karten nicht sauber auffindbar ist, verliert Sichtbarkeit – und zwar genau in dem Moment, in dem die Kaufabsicht am höchsten ist.
Sichtbarkeit im iPhone‑Ökosystem wird kaufentscheidend
Viele Augenoptiker sind inzwischen gut aufgestellt, was den Google-Unternehmenseintrag betrifft: Fotos, Öffnungszeiten, Aktionen, Antworten auf Rezensionen. Was dabei oft übersehen wird: Apple bietet mit „Apple Business Connect“ ein sehr ähnliches System, um die eigene „Place Card“ (Standortkarte) in Apple Karten zu verwalten – inklusive Markeninfos, Kategorien, Fotos, Logos und noch weiteren Touchpoints in Apples Ökosystem.
Der Unterschied ist weniger „Funktion“, sondern Nutzungslogik: Apple Karten ist auf iPhones vorinstalliert und eng mit Siri, Spotlight-Suche, iMessage, Wallet und weiteren Apple-Diensten verknüpft. Apple positioniert Business Connect als Schaltzentrale, um zu steuern, wie das Unternehmen auf Apples Plattformen präsentiert wird – dort, wo iPhone-Nutzer ohnehin unterwegs sind.
Warum Apple Karten relevanter wird – gerade bei Jüngeren
Der wichtigste Treiber ist banal: iPhones sind in jungen Zielgruppen stark – und damit auch das Apple-Ökosystem. Für Deutschland zeigt eine Statista-Infografik, dass in der Generation der zwischen 1995 und 2012 Geborenen (Gen Z) 54% ein iPhone als primäres Smartphone nutzen. Das ist genau die Altersgruppe, die Termine unterwegs bucht, sich per Maps routen lässt und „jetzt sofort“ Lösungen erwartet.
Hinzu kommt die Größenordnung: Apple selbst spricht seit Jahren von „Hundreds of Millions“ an Nutzern von Apple Karten; verschiedene Analysen verorten die globale Nutzung in einem hohen dreistelligen Millionenbereich. Selbst wenn Google in der Masse größer bleibt: Für lokale Suchen zählt etwas anderes – ob Sie in dem Ökosystem sichtbar sind, das Ihre Kundschaft gerade benutzt.
Und Karten sind längst nicht mehr nur Navigation. Sie sind Entscheidungsoberfläche: Fotoqualität, Kategorie (z.B. „Augenoptik“, „Kontaktlinsen“), Service-Attribute, Bewertungen, Aktualität. Wer hier sauber gepflegt ist, wirkt nicht nur „auffindbar“, sondern vertrauenswürdig – und gewinnt den Klick, bevor überhaupt eine Website geöffnet wird.
Weniger Gedränge, mehr Wirkung
Viele Branchen haben Google perfektioniert – entsprechend umkämpft ist die Sichtbarkeit dort. Apple Karten ist für viele lokale Anbieter dagegen noch ein blinder Fleck. Das schafft eine Chance: Wer jetzt strukturiert pflegt, kann sich relativ schnell abheben, weil nicht jeder Wettbewerber das Thema aktiv bespielt.
Wichtig ist auch der Kontext „lokale Suche“: Nutzer suchen unterwegs, standortbezogen, mit klarer Absicht. In solchen Momenten entscheidet nicht die schönste Imagebroschüre, sondern: „Habe ich heute geöffnet? Wie nah ist es? Wirkt es seriös? Gibt es Belege (Fotos/Bewertungen)?“ Genau diese Fragen beantwortet eine gute Place Card.
5 Dinge, die Augenoptiker jetzt konkret tun sollten
- Apple Business Connect anlegen und den Standort beanspruchen (Claim/Verifizierung): Damit Sie die Place Card überhaupt steuern können.
- Basisdaten kompromisslos korrekt halten: Name, Kategorie „Augenoptik“, Adresse, Telefon, Website, Öffnungszeiten (inkl. Feiertage/Urlaub).
- Bilder wie Schaufensterpflege behandeln: Aktuelle Außenansicht (Wiedererkennung), Innenraum, Team, Marken/Leistungen – regelmäßig aktualisieren.
- Leistungen/USPs in kurze, klare Aussagen übersetzen: z.B. „Sofort-Reparatur“, „Sehtest“, „Kontaktlinsen-Anpassung“, „Kinderbrillen“ – damit aus einem Pin ein Grund wird, genau Sie anzusteuern.
- Bewertungen ernst nehmen und konsistent handeln: Feedback beobachten, professionell reagieren, und die eigene Kommunikationslinie (Ton, Serviceversprechen) über alle Plattformen angleichen.
Wer heute nur auf Google optimiert, setzt auf eine sehr gute Karte – aber eben nur auf eine. Und in einer Welt, in der immer mehr Wege über das iPhone beginnen, ist Apple Karten kein „nice to have“ mehr, sondern ein zweiter Eingang zur Kundschaft.
Dominic Scheppelmann ist Geschäftsführer von der 2do GmbH, einer der größten (auch digitalen) Agenturen mit Schwerpunkt Augenoptik in Deutschland. Seit mehr als 20 Jahren betreut er Augenoptiker in Deutschland, Österreich und der Schweiz auf ihren digitalen Wegen und gibt sein Wissen auch auf Vorträgen, ERFAS etc. weiter.


