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Brennpunkt: Was Kompetenz wert ist

Bild: Efthimiadis x KI

Wer mich kennt, weiß, dass ich ein großer Fan unseres Berufes bin, den ich selbst viele Jahre ausgeübt habe. Die Augenoptik verbindet Handwerk, Technik, Beratung und immer stärker auch Gesundheitsdienstleistung auf eine Weise, die kaum ein anderer Beruf bietet. Refraktion, Kontaktlinse, Screening, Myopie-Management – die Möglichkeiten, sich fachlich zu entwickeln und eigene Stärken einzubringen, sind enorm.

Umso mehr irritiert mich, dass es der Branche offenbar immer schwerer fällt, genau dafür genügend Menschen zu begeistern und sie dauerhaft zu halten. Fachkräfte fehlen, Ausbildungsplätze bleiben unbesetzt, Nachwuchs geht verloren. Und wer heute einen guten Mitarbeiter verliert, kann längst nicht mehr davon ausgehen, morgen problemlos Ersatz zu finden.

Damit ist klar, dass Mitarbeiterbindung in der Augenoptik längst kein weiches Personalthema mehr ist. Trotzdem ist die Überraschung erst dann groß, wenn die Kündigung bereits auf dem Tisch liegt. Umso wichtiger ist die Frage, was Beschäftigte hält. Faire Bezahlung gehört zwingend dazu. 

Doch gute Führung, Anerkennung, verlässliche Arbeitszeiten und Entwicklungsmöglichkeiten sind mindestens ebenso wichtig. Teilzeit, eine Vier-Tage-Woche oder andere flexible Lösungen lassen sich nicht überall umsetzen – aber vielleicht häufiger, als man zunächst denkt. Das gilt für junge Eltern ebenso wie später für Beschäftigte, die Angehörige pflegen. Wer in solchen Situationen erlebt, dass ein Arbeitgeber nach Lösungen sucht, statt nach Gründen, warum etwas nicht geht, dürfte sich daran erinnern.

Und vielleicht lohnt es sich dabei, noch ein Stück weiter zu schauen. Denn das vergleichsweise niedrige Gehaltsniveau in der klassischen deutschen Augenoptik ist vermutlich nicht allein eine Frage einzelner Arbeitgeber. Es hat auch mit der Struktur des Berufs zu tun.

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Da in Deutschland die Augenoptik historisch aus Handwerk und Handel kommt, entsteht ein großer Teil der Wertschöpfung über das Produkt – Brillenfassung, Glas oder Kontaktlinse. Refraktion, Beratung und zunehmend auch optometrische Leistungen sind fachlich anspruchsvoll, werden wirtschaftlich aber leider häufig über den anschließenden Verkauf mitgetragen. In Ländern wie Australien, Großbritannien oder den USA ist
der Optometrist dagegen deutlich stärker als eigenständiger Gesundheitsberuf positioniert. Dort werden klinische Leistungen vielfach separat vergütet, teilweise über das Gesundheitssystem. Das schafft einen anderen wirtschaftlichen Rahmen – und entsprechend andere Gehaltsmöglichkeiten.

Der direkte Gehaltsvergleich wäre jedoch nur bedingt aussagekräftig: Ausbildung und Befugnisse unterscheiden sich erheblich. Der strukturelle Unterschied bleibt aber trotzdem interessant. Wenn das Leistungsspektrum der Augenoptiker weiter steigt, stellt sich auch hierzulande die Frage, wie sich diese zusätzliche Qualifikation wirtschaftlich abbilden lässt.

In dieser Ausgabe beschäftigen wir uns ausführlich mit Optometrie und Screening – also mit genau den Bereichen, in denen sich die Augenoptik fachlich weiterentwickelt und zusätzliche Verantwortung übernimmt. 

Eine Frage bleibt: Was ist diese Leistung eigentlich wert?
Höhere Qualifikation und zusätzliche Gesundheitsdienst­leistungen müssen sich auch wirtschaftlich niederschlagen – für Betriebe wie für Mitarbeiter. Gerade in einem Markt, in dem oft der Preis einer Brille stärker wahrgenommen wird
als die Leistung dahinter.

Das ist die Aufgabe der kommenden Jahre: Nicht nur zu zeigen, was Augenoptik kann, sondern auch dafür zu sorgen, dass diese Kompetenz entsprechend finanziell wertgeschätzt wird. Denn wer Fachkräfte halten will, muss ihnen nicht nur Perspektiven bieten. Er muss sie auch bezahlen können.

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