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Die neue Vorsorgefront

Bild: LightFieldStudios / envato

Auf der vergangenen Opti 2026 war es ein sehr sichtbares Thema: Zwischen Früherkennung, Vorsorge­lücke und neuen Akteuren ist ein (nicht ganz neues, aber dafür umso umfangreicheres) Angebot rund um das Augen-Screening entstanden. Galt es früher als eindeutige Domäne der Augenärzte, so hat sich die Realität in den vergangenen Jahren sehr verschoben. Immer häufiger entstehen niederschwellige Angebote in der Augenoptik – und auch weit außerhalb davon – mit Chancen für die Versorgung, aber auch verbunden mit einer Frage, die sich die Branche stellen muss: Wer setzt künftig die Spielregeln?

Viele der bekannten und neuen Anbieter waren anwesend: Ocumeda, Skleo Health, Epitop, Mirantus, Retinalyze. Die Aufteilung wer-mit-wem kooperiert, scheint ebenfalls gesetzt, denn die großen Brillenglasanbieter haben ihre Partner ­bereits an ihrer Seite. Zeitgleich zeigten die Gerätehersteller die dafür nötige Hardware und Peripherie auf der Fachmesse. Augenoptiker schaffen sich diese Geräte an, investieren im besten Fall in Schulungen und bieten Messungen an.

So entsteht eine ganz neue Wertschöpfungskette, an dessen Anfang idealerweise jemand steht, der aus dem Umfeld der Augengesundheit oder der Augenoptik kommt. Die Bausteine dieser Wertschöpfungskette haben allerdings auch ihren Preis. So sollte das Angebot in einem Spektrum ­angesiedelt sein, der einerseits für Betroffene erschwinglich, aber auch für den Fachbetrieb zugleich betriebswirtschaftlich sinnstiftend ist.

Aktuell teilt sich der Markt grob auf in drei Modelle: rein telemedizinische Angebote mit ärztlicher Befundung, hybride Plattformen mit KI plus ärztlicher Validierung sowie KI-­basierte Bildanalyse-Tools, die vor allem als Vorsorge- und Zuweisungsinstrument dienen. Wichtig bleibt dabei weiterhin die klare Grenze: Es geht nicht um Diagnosen. Es geht um ­Hinweise, um das Erkennen von Risiken – und im Fall der ­Fälle um die Weiterleitung an den Augenarzt.

Es ist erfreulich und positiv, dass sich diese Entwicklung in unsere Domäne ausbreitet. Denn Augengesundheit ist ein stilles Thema. Viele Menschen gehen erst dann zum Augenarzt, wenn Beschwerden auftreten – und oft ist es dann bereits zu spät. Gerade Erkrankungen wie Glaukom oder Netzhautveränderungen entwickeln sich schleichend. Frühwarnzeichen bei den Betroffenen fehlen. 

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Dass diese Vorsorge aktuell in Deutschland Lücken hat, belegt ein aktueller Report von Mister Spex auf Basis von mehr als 3.400 ausgewerteten Augenscreenings: Fast jede vierte Person ohne subjektive Beschwerden zeigte im Screening dennoch abklärungsbedürftige Auffälligkeiten. Besonders deutlich wird die Diskrepanz bei älteren Menschen: Bei den über 60-Jährigen wies mehr als die Hälfte unerkannte Auffälligkeiten auf – trotz beschwerdefreiem Empfinden. Gleichzeitig gaben rund 80% an, seit mehr als zwei Jahren keine augenärztliche Kontrolle wahrgenommen zu haben.

Für Aufsehen sorgte zuletzt auch der Einstieg eines neuen Akteurs: die Drogeriemarktkette dm. Ein Screening-Terminal zwischen Drogerieregalen wirkt auf den ersten Blick irritierend (siehe FOCUS 2025_09). Doch zugleich zeigt sich hier die Logik niederschwelliger Angebote: Je einfacher der Zugang, desto mehr Menschen lassen ihre Augen überprüfen. Und am Ende profitieren auch umliegende Augenoptikbetriebe, wenn Kunden mit neuen Fragen und einem gestärkten Gesundheitsbewusstsein den Weg ins Fachgeschäft finden.

Dieser einfache Weg zur Früherkennung kann ein wichtiger Baustein sein, gerade in einem System mit langen Wartezeiten auf augenärztliche Termine. Aber sie braucht klare Regeln: fachliche Kompetenz, transparente Kommunikation, eindeutige Grenzen, eine funktionierende Anbindung an die Augenärzteschaft – und nicht zuletzt einen Preis, der fair ist und der auch für Fachbetriebe funktioniert!

Die entscheidende Debatte lautet daher nicht: Screening – ja oder nein. Es lautet: Unter welchen Standards?

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