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Vom Fach

Foto: dashadida1225/stock.adobe.com

Für diese FOCUS-Ausgabe mit dem Schwerpunkt Handwerk + Technik sind wir in der Recherche auf zwei außergewöhnliche Augenoptiker gestoßen, die an unterschiedlichen Polen in der Augenoptik arbeiten. Beide sind selbständige Handwerksmeister, arbeiten und leben in der Nähe von Stolberg (Rhld.) und beide haben ihr ganz eigenes, spezielles Konzept. Beide führen die Geschäfte allein und beide verstehen es auf eine besondere Weise, den Mensch als Individuum in den Mittelpunkt ihrer Arbeit zu stellen. Und doch könnte ihre Arbeit nicht unterschiedlicher sein. 

Der eine hat sich ganz dem Handwerk verschrieben, lebt es in Perfektion und fertigt Brillenfassungen aus Acetat, Büffelhorn oder Holz für seine Klienten in Handarbeit an. Untergebracht in einer historischen Straßenbahnstation ist seine Werkstatt Herzensangelegenheit und Zentrum seiner ­Arbeit. 

Der andere ist ein Vertriebs- und Verkaufsprofi, der seine ­Fassungen einkauft und sie per Fernrandung verglasen lässt. Mit seiner mobilen Augenoptik fährt er zu seinen Kunden nach Hause und kann in privater Atmosphäre die Bedürfnisse der Brillenträger vor Ort sehen und dann ein geeignetes ­Produkt aus seinem Fundus zusammenstellen.

Die Augenoptik bietet so viele Facetten. Selbst auf einer ­Ebene, in der die Weichen in die klassische Tätigkeit als ­Meister scheinbar schon gestellt sind, gibt es vielfältige Möglichkeiten, seiner Berufung auf unterschiedlichstem Weg nachzugehen und seine Talente gezielt einzusetzen. Wer diesen Beruf gewählt hat, um die kreative Seite in sich auszuleben, kommt hier immer noch voll auf seine Kosten. 

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Eine Voraussetzung dafür ist Mut. Diesen scheinen mehr und mehr Absolventen der Meisterschulen verloren zu haben, wenn es darum geht, den Weg in die Selbständigkeit zu wagen* und somit seine zukünftige Tätigkeit selbst zu gestalten. Denn die eigene Verantwortung zu tragen, ist eine Voraussetzung dafür, seine Interessen und Talente konsequent umzusetzen und in ein glückliches Berufsleben als Augenoptiker einzutreten. 

Einem jungen Azubi stehen heute viele Möglichkeiten zur Verfügung, wie er sich in dem Beruf des Augenoptikers weiterentwickeln kann. Die traditionelle Augenoptik ist dabei nur ein Aspekt von vielen Möglichkeiten. Doch auch unser Beruf leidet seit Jahren an einem Fachkräftemangel. Nicht zuletzt durch Tätigkeitsangebote außerhalb des klassischen Berufsbildes bis hin zu zahlreichen Angeboten von Filialbetrieben. So wird es immer schwerer, junge Meister zu finden, die eine Selbständigkeit anstreben und somit auch das Berufsbild weiterhin im Handwerk verankern.

Welche Rolle die Werkstatt für junge Augenoptiker aktuell spielt, haben wir in einer nicht repräsentativen Umfrage unter Studierenden der HFAK, HS Aalen und der EAH Jena zusammengestellt. Die sogenannte Höherpositionierung in den akademischen Bereich hat mitunter zur Folge, dass handwerkliche Tätigkeiten zunehmend an Bedeutung verlieren. Lesen Sie die Antworten ab Seite 28.

*Siehe auch FOCUS-Ausgabe 2022_05, in der wir mit Peter Bruckmann über die fehlende Bereitschaft junger Augenoptiker für eine selbständige Unternehmertätigkeit sprachen.

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