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Forschung: Zweifel an Atropin-Wirkung beim Myopie-Management

Mädchen bekommt Augentropfen vom Augenarzt verabreicht

US-Studie setzt niedrig dosierte Augentropfen mit Placebo gleich

Die Verwendung von niedrig dosierten Atropin-Augentropfen (Konzentration 0,01%) wirkte bei Kindern, die zwei Jahre lang behandelt wurden, nicht besser als Placebo, um das Fortschreiten der Myopie und die Verlängerung des Auges zu verlangsamen. Dies ergab eine randomisierte kontrollierte Studie, die von der Pediatric Eye Disease Investigator Group (PEDIG) durchgeführt und vom National Eye Institute (NEI) finanziert wurde. Ziel der Studie war es, eine wirksame Methode zur Behandlung der Kurzsichtigkeit zu finden, die im späteren Leben zu schwerwiegenden unkorrigierbaren Sehverlusten führen kann. Die Ergebnisse der Studie wurden in JAMA Ophthalmology veröffentlicht.

Wichtig ist den Forschern zu betonen, dass die Ergebnisse im Widerspruch zu den Resultaten neuerer Studien, vor allem in Ostasien, stehen, die einen Nutzen von 0,01% Atropin bei der Verlangsamung der Myopie zeigten. „Die insgesamt gemischten Ergebnisse zu niedrig dosiertem Atropin zeigen uns, dass wir mehr Forschung brauchen. Wäre eine andere Dosis in einer US-Population wirksamer? Würde die Kombination von Atropin mit anderen Strategien eine synergistische Wirkung haben? Könnten wir auf der Grundlage eines besseren Verständnisses der Ursachen für das Fortschreiten der Myopie andere Behandlungs- oder Präventionsansätze entwickeln?“, sagte Dr. Michael F. Chiang, Direktor des NEI, das zu den National Institutes of Health gehört.

Die Ermittlung eines optimalen Ansatzes zur Verhinderung von hoher (fortgeschrittener) Myopie sei angesichts der eskalierenden Prävalenz von Myopie insgesamt und des Risikos, dass sie sich zu hoher Myopie entwickelt, dringend erforderlich. Bis 2030 wird prognostiziert, dass 39 Millionen Menschen in den USA an Myopie leiden werden. Bis 2050 wird diese Zahl voraussichtlich auf 44 Millionen in den USA und auf 50% der Weltbevölkerung ansteigen.

Nebenwirkungen bei höherer Atropin-Konzentration im Myopie-Management

Sehr viel stärkere Konzentrationen von Atropin-Augentropfen (0,5-1,0%) werden seit langem von pädiatrischen Augenärzten verwendet, um das Fortschreiten der Myopie zu verlangsamen. Diese Dosen seien zwar wirksam, würden aber zu Lichtempfindlichkeit und verschwommenem Sehen in der Nähe führen, solange die nächtlichen Augentropfen angewendet werden. Daher gibt es Interesse an klinischen Studien, in denen niedrigere Konzentrationen untersucht werden, die nachweislich weniger Nebenwirkungen haben.

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„Das Fehlen eines Behandlungsvorteils in unserer US-amerikanischen Studie im Vergleich zu ostasiatischen Studien könnte auf rassische Unterschiede beim Ansprechen auf Atropin zurückzuführen sein. An der Studie nahmen weniger asiatische Kinder teil, deren Kurzsichtigkeit schneller fortschreitet, und sie umfasste auch schwarze Kinder, deren Kurzsichtigkeit im Vergleich zu anderen Rassen weniger schnell fortschreitet“, bemerkte der leitende Mitautor der Studie, Dr. Michael X. Repka, Professor für Augenheilkunde an der Johns Hopkins University.

Für die Studie wurden 187 Kinder im Alter von 5 bis 12 Jahren mit geringer bis mittlerer beidseitiger Myopie nach dem Zufallsprinzip zwei Jahre lang mit nächtlichen Atropin- (0,01%) (125 Kinder) oder Placebo-Augentropfen (62 Kinder) behandelt. Den Studienteilnehmern, ihren Eltern und den Augenärzten wurde die Gruppenzuordnung verheimlicht. Die Patienten wurden an 12 Studienzentren in den USA betreut.

Keine Verbesserung bei der Achsenlänge

Nach dem Behandlungszeitraum und 6 Monate nach Beendigung der Behandlung gab es keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen in Bezug auf die Veränderung des Myopiegrades im Vergleich zum Ausgangswert. Auch bei der Achsenlänge gab es keine signifikanten Unterschiede zwischen den beiden Gruppen im Vergleich zu den Ausgangsmessungen.

„Es ist möglich, dass eine andere Atropin-Konzentration erforderlich ist, damit Kinder in den USA einen Nutzen haben“, bemerkte die andere leitende Mitautorin der Studie, Dr. Katherine K. Weise, Professorin an der University of Alabama in Birmingham. Klinische Forscher sollten aber auch weiterhin neue Arzneimittel und spezielle Lichtwellenlängen in Kombination mit optischen Strategien wie Spezialbrillen oder Kontaktlinsen untersuchen, um herauszufinden, wie sich das Fortschreiten der Myopie verringern lässt, meint die Professorin.

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