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Myopie! Und nun? 

Bild: Efstathios Efthimiadis x KI

Ach was war die Welt vor einigen Jahren einfach.

Als Kinder mit ihren Eltern mit einer Verordnung von -1,5 Dioptrien vom Augenarzt kamen. Ohne große Erklärungen fertigten Augenoptiker Brillen für kurzsichtige Kinder. In der Folge kam das Kind alle paar Monate wieder – meistens mit einer Viertel- bis halben Dioptrie mehr auf dem Rezept.

Augenoptiker nahmen dies bedenkenlos hin – was sollten sie auch sonst tun? Denn Atropin und Kontaktlinsen waren keine massentauglichen Lösungen und außerdem eine Sache der Augenärzte – oder die Aufgabe von Optometristen und weniger, spezialisierter Augenoptiker.

Heute kann theoretisch jeder Augenoptiker etwas tun, um der Myopie-Entwicklung entgegenzuwirken. Und damit die Gefahr reduzieren, dass kurzsichtige Kinder als Erwachsene ernsthafte Augenerkrankungen erleiden.

Das klingt wie ein schöner Traum. Und das ist es eigentlich auch, wenn das Thema nur nicht so komplex wäre.

Angenommen nach gründlicher Abwägung wurde sich gegen Kontaktlinsen, Atropin und für Brillengläser entschieden, dann können Augenoptiker sich glücklich schätzen. Denn während in den USA bisher kein einziges Brillenglas für das Myopie-Management zugelassen ist, haben wir hierzulande eine wahrlich beeindruckende Auswahl.

Man könnte meinen, es gibt kaum einen Grund ein kurzsichtiges Kind ohne Myopie-Glas gehen zu lassen. Aber dazu gehen die Meinungen der Experten auseinander.

Während die einen eifrig empfehlen, jedem myopen Kind die speziellen Brillengläser einzubauen – schadet ja nicht –, warnen die anderen: Myopie-Management solle nur betreiben, wer auch Ahnung davon habe. Die regelmäßige Wachstumskontrolle des Auges und „echtes Myopie-Management“ seien Pflicht und dementsprechend auch Fortbildungen und die Ausstattung mit passenden Geräten.

Auch wer gerne verstehen möchte, wie die Brillengläser die Entwicklung einer Myopie hemmen, bekommt keine eindeutige Antwort. Weit verbreitet ist die Defokus-Theorie, doch so mancher Experte zweifelt an ihr. Wobei es hier nicht um das „ob“, sondern um das „warum“ geht. Zudem fehlen herstellerunabhängige, europäische Vergleichs-Studien zu den Brillengläsern, die die jeweiligen Vor- und Nachteile beleuchten.

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Fairerweise soll hier nicht unerwähnt bleiben, dass Organisationen und Unternehmen sich intensiv um Aufklärung
bemühen. Sie arbeiten teils sogar zusammen und schaffen Informationsplattformen. Das Engagement ist beeindruckend.

Dennoch stehen Augenoptiker vor vielen Fragen: Für welches Hilfsmittel entscheide ich mich überhaupt? Wenn es das Brillenglas wird, welches sollte es sein?  Wie betreibt man gutes Myopie-Management?

Hat sich der Augenoptiker nun durch diesen Dschungel aus Therapieoptionen, Studien und Myopie-Management-Seminaren gekämpft, dann muss er nur noch den Eltern erklären, was Myopie überhaupt ist, die Eltern dazu bewegen, ihr Kind auch genügend an die frische Luft zu schicken und es weitgehend vom Bildschirm fernzuhalten.

Doch selbst wenn die Eltern all das tun, sollen sie natürlich trotzdem für das spezielle Präventions-Brillenglas tief in die Tasche greifen und bloß nicht vergessen, die regelmäßigen Kontrolltermine alle paar Monate einzuhalten – und das bitte auch bei Kind Nummer zwei und drei.

Und dann bleibt nur noch zu hoffen, dass die meisten Augenoptiker ihren Job aus tiefster Überzeugung gewählt haben, damit das Engagement auf dem langen Weg des erfolgreichen Myopie-Managements nicht auf der Strecke bleibt.

Myopie-Management ist wichtig – keine Frage! Und es ist toll, dass wir in Deutschland inzwischen so viele hervorragende Produkte auf dem Markt haben. Damit diese aber auch sinnvoll an jedes Kind gebracht werden, braucht es für die Zukunft unabhängige Vergleichsstudien und wissenschaftliche Erkenntnisse, die die Komplexität reduzieren – erstmal damit die Expertenempfehlungen bestenfalls näher zusammenrücken.

Und bei alledem muss das Thema Kosten mitgedacht werden – sowohl auf Seiten der Leistungen, die der Augenoptiker erbringt, als auch auf Seiten des Kindes.

Damit Myopie-Management in Zukunft keine Frage des Geldbeutels der Eltern ist, sondern eine Frage der Sinnhaftigkeit. Mit dem Ziel, dass Kinder in Zukunft mit Verordnungen kommen, bei denen jeder Augenoptiker sofort sagen kann: „Myopie – alles klar! Ich weiß, was zu tun ist“.

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