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Neue Retail-Formate – neuer Ladenbau

Ladenbau Aktuell
Das italienische Fashion-Label Woolrich gönnt seinen Kunden im Store in Mailand einen Wintergarten zum Relaxen. Foto: dLv

Digitalisierung gibt aktuelle Trends vor

Handel ist Wandel, so heißt es. Eine starke Untertreibung für die Transformation, die er gerade durchmacht. Ausgelöst nicht durch eine Pandemie mit ihren Lockdowns, sondern durch die Digitalisierung. Unter dem Druck des E-Commerce entstehen in hoher Geschwindigkeit neue Konzepte vom attraktiven Showroom bis zum kassenlosen Laden. Es wird viel probiert, getestet und wieder verworfen. Am Ende steht die Frage: Brauchen wir noch stationäre Läden und wie sehen die aus?

Die Läden waren in den letzten beiden Jahren – bis auf die systemrelevanten wie z.B. Augenoptiker – immer wieder für Wochen geschlossen, in den digitalen ­Ladenzeilen und Onlineshops herrschte reger Betrieb. Nun ist das alles wohl vorbei, da kann es doch wie früher werden oder? Nein, denn die ins Internet abgewanderten Kunden werden vermutlich in großer Zahl dort bleiben. Das sagt zumindest das IFH Köln, eine kompetente Organisation zur Erforschung des Onlinehandels – und mit dieser Meinung ist es nicht allein.

Warum ist das so?

Sie fühlen sich ganz einfach gut bedient, wenn die Produktauswahl stimmt, der Preis transparent sowie die sofortige Verfügbarkeit gewährleistet ist und die Lieferung umgehend zugesagt wird. Diese Vorzüge haben in der Pandemie auch Menschen entdeckt, die bislang nie im Internet eingekauft haben. 

Wie können dennoch Menschen wieder für die stationären Läden begeistert werden? Die Antwort ist im Grunde ganz einfach: wenn sie das bekommen, was sie wollen, und schnell und unkompliziert, also gut bedient werden. Denn sie kennen es vielfach genau so vom Onlineshopping, besonders wenn sie beim Branchenprimus Amazon gekauft haben. Wenn die Antwort auch einfach war, die Umsetzung scheint für viele Retailer im stationären Laden sehr schwierig zu sein. Und das ist nicht erst seit der Pandemie so. Die Krise hat die Entwicklungen nur dramatisch beschleunigt. Auch Ladenschließungen waren schon vorher ein Problem, die Politik sorgt sich allerdings erst jetzt hörbar um die Verödung der Innenstädte.

Es braucht neue Konzepte, die so attraktiv sind, dass Kunden wieder Lust am Shoppen in der Stadt haben. Schon jetzt ziehen Möbel- und Baumärkte von der grünen Wiese in die Zentren. Wohnen, Arbeiten, Kultur, Gastronomie, attraktive Läden, Handwerk, zugeschnitten auf lokale Besonderheiten: Das sehen Stadtentwickler als Zukunft der lebendigen Innenstadt. 

Der Store ist kein Lagerraum

Ein attraktives Element der Innenstadt zu sein ist aber – zugegeben – in diesen Zeiten nicht einfach. Der Handel ist gezwungen, stationär nicht auf-, sondern abzurüsten. Die Warenvielfalt des Internets kann er nicht vorhalten. Weniger Ware vor Ort bedeutet weniger Verkaufsfläche, also kleinere Läden. Besonders der Anteil der Fashion- und Accessoire-Stores, die einen wesentlichen Anteil am innerstädtischen Handel haben, wird sinken, die Modebranche zählt zu den schnellst wachsenden im E-Commerce. Dem entgegen steht aber ein Zuwachs an Branchenvielfalt, auch durch sinkende Gewerbemieten. 

Der Store kann Showroom sein, wo Ware anprobiert, getestet und dann sofort online gekauft werden kann. Er kann Servicepoint, Reparaturwerkstatt, Click & Collect-Station und sogar Secondhand-Umschlagplatz sein, wie es z.B. Globetrotter oder ZARA vormachen. Er macht es möglich, das gerade gekaufte Produkt zu individualisieren, ist mit vielfältiger Handelsgastronomie ein sozialer Treffpunkt, richtet selbst Events aus oder bietet seine Räume für Veranstaltungen an. Er kann eine Plattform sein für gänzlich neuartige Waren und Labels oder schafft Pop-up-Flächen – und bietet so seinen Kunden immer wieder Neues. Und er ist neuerdings sogar personal- und kassenlos wie die 24/7-Stores, die wie Pilze aus dem Boden schießen.

Die ungeheure Vielfalt der Möglichkeiten und Konzepte ist eine große Chance, aber eben auch eine Herausforderung für jeden Retailer. Das Ladengeschäft hat Zukunft, aber der Store als Lagerraum, der sich mit dem Abverkauf von Ware beschäftigt, hat ausgedient. 

Der Ladenbau muss es richten

Für den Ladenbau heißt das, sich auf neue Anforderungen einzustellen. Wenn ganz neue Storebilder auf zum Teil deutlich kleineren Verkaufsflächen entstehen, sind modulare Einrichtungselemente und flexible Raumkonzepte gefordert. Wenn der Trend zum lokalen bzw. regionalen Store anhält, sind Vervielfältigungen von Storekonzepten weitestgehend passé, jeder Store wird individuell geplant und gebaut. Bargeldloses Zahlen verlangt nach Anpassungen im Kassenbereich bis hin zum kompletten Fehlen von Kassen, wie es schon sehr lange Trend in Apple-Stores ist. Dort wird beim Verkäufer direkt bezahlt. Statt Einbauregalen baut der Ladenbauer eine Werkstatt für Reparaturen, eine Testbahn für E-Bikes oder ein Café ein. 

Das Thema Nachhaltigkeit, insbesondere nachhaltige Materialien, hat im letzten Jahr als langfristiger Trend nochmal an Bedeutung gewonnen. Eine der größten Herausforderungen für den Ladenbau wird aber sein, Online und Offline optimal zu verknüpfen. Ob viel Digitales im Store eingebaut wird oder nicht, ist nicht die Frage, da kommt es auf die Zielgruppe und die Produkte an, mit denen gehandelt wird. Es geht schlichtweg „nur“ immer um neue Produkte und neue Erfahrungen, attraktiv inszenierte Flächen und eine gute Atmosphäre. Dann fühlt sich der Kunde wohl, das Storekonzept geht auf, der Händler ist zufrieden und der Ladenbauer auch. 

Angela Krause leitet die Geschäftsstelle des Deutschen Ladenbau Verbandes in Würzburg. Die Juristin verantwortet auch die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Verbandes und die verbandseigenen Publikationen, darunter das renommierte „Store Book“.

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