Opti 2026: Kontaktlinsen im Fokus
Von Myopie-Management bis Individualfertigung
Die Opti 2026 in München bestätigte einmal mehr ihre Rolle als zentrale Plattform für Innovationen im Kontaktlinsenbereich. Zahlreiche Hersteller nutzten die Messe, um neue Materialien, spezialisierte Designs und erweiterte Versorgungskonzepte vorzustellen. Dabei zeigte sich ein klarer Trend hin zu stärker personalisierten Lösungen sowie zu Produkten, die auf spezifische Indikationen wie Presbyopie oder Myopie-Progression zugeschnitten sind. Gleichzeitig erweiterten mehrere Unternehmen ihr Portfolio bei den modernen Austauschlinsen und Speziallinsen. Die Aktionsfläche Tomorrow Vision bildete dabei das Zentrum.
Alcon erweitert Austauschlinsenportfolio
Mit der Einführung der Wochenkontaktlinse Precision7 erweitert Alcon sein Portfolio um ein neues Wochen-Tragemodell zwischen Tages- und Monatslinsen. Diese Linse besteht aus einem Silikonhydrogel (Serafilcon A) mit einem Wassergehalt von rund 55% und wurde speziell für eine stabile Performance über einen siebentägigen Austauschzyklus entwickelt.
Zentrales Element ist ein Feuchtigkeitssystem mit kontinuierlicher Wirkstofffreisetzung, das die Benetzbarkeit der Linsenoberfläche während der gesamten Tragezeit unterstützen soll. Laut Hersteller ermöglicht dies eine gleichbleibende Sehqualität und hohen Komfort auch am Ende der Trageperiode sowie bei langen täglichen Tragezeiten von bis zu 16 Stunden.
Der Parameterbereich reicht bei der sphärischen Version von +8,00 dpt bis -12,00 dpt mit feinen Abstufungen im Hauptbereich. Ergänzt wird das Sortiment durch zahlreiche torische Parameterkombinationen, sodass insgesamt mehrere tausend Varianten verfügbar sind.
Mit einer Basiskurve von 8,4 mm und einem Durchmesser von 14,2 mm (torisch: 14,5 mm) sowie einer Sauerstoffdurchlässigkeit von etwa 149 Dk/t (-3,0 dpt) positioniert sich die Linse als leistungsfähige Option für eine wöchentliche Austauschstrategie. Zielgruppe sind insbesondere Kontaktlinsenträger, denen Tageslinsen zu teuer, Monatslinsen jedoch zu lang im Trageintervall erscheinen (siehe Interview auf Seite 42).
Speziallinsenkompetenz bei Appenzeller Contactlinsen
Appenzeller Contactlinsen nutzte die Opti, um eine Reihe technologischer und struktureller Weiterentwicklungen vorzustellen. Dazu gehörte eine neue Aufsetzhilfe für Sklerallinsen, die mithilfe einer passiven Glasfaserbeleuchtung einen Fixationspunkt erzeugt und dadurch ein präziseres Handling ermöglichen soll. Da keine elektronischen Komponenten erforderlich sind, bleibt das System einfach in der Anwendung und unterstützt ein kontrolliertes Aufsetzen der Linse mit freien Händen.
Ergänzend erweitert eine neue Freiform-Sklerallinse das Programm. Während bestehende Systeme auf profilometrischen Messdaten basieren, wird die neue Variante direkt aus individuellen Augenabdrücken berechnet. Ziel ist eine nochmals präzisere Anpassung bei komplexen Hornhautgeometrien. Begleitend bietet das Unternehmen Schulungen zur Abdrucktechnik an.
Durch die europäische Distribution eines Aberrometrie-Systems können künftig auch höhere Abbildungsfehler detailliert erfasst und in individualisierte Linsendesigns integriert werden. Damit soll eine deutliche Verbesserung der Abbildungsqualität erreicht werden.
Parallel investiert Appenzeller in digitale Prozesse und Weiterbildung: Eine neue Online-Lernplattform stellt strukturierte Schulungsmodule für unterschiedliche Anpassbereiche bereit und unterstützt Augenoptiker bei der Spezialisierung im Kontaktlinsensegment. Abgerundet wird das Angebot durch Erweiterungen bei den Pflegemitteln sowie der erneuten Aufnahme von Silikonhydrogel-Tages- und Monatslinsen in das Lieferprogramm.
Bausch + Lomb baut Angebot für presbyope Träger aus
Bausch + Lomb stellte an prominenter Stelle in Halle 4 vor allem seine Weiterentwicklung weicher Kontaktlinsen in den Mittelpunkt seines Messeauftritts. Zentrale Neuheit war die Einführung der Silikonhydrogel-Tageslinse Ultra One Day Multifocal, die speziell auf die visuellen und physiologischen Anforderungen presbyoper Kontaktlinsenträger ausgelegt ist.
Das Silikonhydrogel Kalifilcon A hat einen Wassergehalt von rund 55% und eine Sauerstoffdurchlässigkeit von 134 Dk/t (bei −3,00 dpt). Die Linse kombiniert das 3-Zonen-Progressive-Design mit feuchtigkeitsunterstützenden Oberflächentechnologien, die den Tränenfilm stabilisieren und einen gleichbleibenden Tragekomfort über den Tag hinweg unterstützen sollen. Dies sorgt für stabile Sehbereiche für Ferne, Zwischenentfernung und Nähe sowie fließende Übergänge zwischen den Distanzen. Mit einer Basiskurve von 8,6 mm und einem Durchmesser von 14,2 mm zielt das Design auf eine breite Anpassbarkeit im Praxisalltag ab. Ein niedriger Materialmodulus, integrierter UV-Filter sowie die Benetzungsstrategie sollen auch bei längerer Bildschirmarbeit eine stabile Seh- und Trageperformance ermöglichen.
Ergänzend zeigte Bausch + Lomb mit der Zenlens eine individuell anpassbare Sklerallinse für komplexe Versorgungssituationen. Die formstabile Linse ist für Durchmesserbereiche zwischen etwa 14,8 und 17,0 mm ausgelegt und richtet sich insbesondere an Anpassungen bei irregulären Hornhautformen oder okulären Oberflächenerkrankungen. Variable Randzonen und anpassbare sagittale Höhen ermöglichen eine differenzierte Individualisierung mit stabiler Zentrierung und gleichmäßiger Flüssigkeitsverteilung unter der Linse. Das Produktkonzept sieht einen umfangreichen Anpasssatz vor.
Während der Messeauftritt klar den Fokus auf moderne Weichlinsenkonzepte legte, unterstreicht die Präsentation der Sklerallinse zugleich die Kompetenz des Unternehmens im Speziallinsensegment und ergänzt das Portfolio für anspruchsvolle individuelle Versorgungen.
CooperVision stärkt Fokus auf Myopie-Management
CooperVision rückte in München das Myopie-Management in den Fokus seines Messeauftritts und präsentierte mit der MyDay MiSight 1 day eine logische Weiterentwicklung seiner etablierten Versorgungslösung für kurzsichtige Kinder. Die Tageskontaktlinse kombiniert das Silikonhydrogel der MyDay-Plattform mit der ActivControl-Technologie, die gleichzeitig klares Sehen ermöglicht und das durch Studien belegte Fortschreiten der Kurzsichtigkeit verlangsamt. Diese zeigen eine durchschnittliche Reduktion der Myopieprogression um etwa 50%. Zum Marktstart ist die Linse von -0,25 bis -10,00 dpt verfügbar.
Im Rahmen eines Pressefrühstücks stellte CooperVision das Thema bewusst in einen wissenschaftlichen Kontext. Nach einer Einführung zur wachsenden Bedeutung des Myopie-Managements folgte eine moderierte Diskussion mit den Key Opinion Leadern Dr. Michael Bärtschi und Cornelia Herrmann. Beide begleiteten bereits die Einführung der ursprünglichen MiSight-Linse und gehörten auch zu dem ausgewählten Kreis von Anwendern, die das neue Material im Vorfeld getestet hatten. In der Diskussion berichteten sie praxisnah über Erfahrungen aus der Anpassung sowie über Vorteile im Handling und Tragekomfort gegenüber früheren Generationen.
Begleitend betonte das Unternehmen die Rolle strukturierter Praxisunterstützung: Digitale Tools zur Abschätzung der axialen Augenlänge, Schulungsangebote sowie Informationsmaterialien sollen Augenoptiker beim Aufbau eines nachhaltigen Myopie-Managements helfen.
Galifa mit ganzheitlichem Versorgunsansatz
Galifa präsentierte sich gemeinsam mit Mediconsult und stellte vor allem ganzheitliche Versorgungskonzepte in den Mittelpunkt des Messeauftritts. Somit lag der Fokus auf der Verbindung von Kontaktlinsenlösungen mit moderner Diagnostik und praxisnaher Anpassunterstützung.
Gezeigt wurden Tages- und Monatskontaktlinsen sowie Speziallösungen für digitale Sehanforderungen und Ortho-K-Versorgungen. Ergänzend stellte das Unternehmen eine neue Pflegemittelserie vor, die auf Komfort und Alltagstauglichkeit ausgerichtet ist. Der persönliche Austausch mit Anpassern stand dabei im Vordergrund.
Hecht Contactlinsen fokussiert Individualversorgung
Der Messeauftritt der Freiburger stand im Zeichen einer konsequenten Weiterentwicklung maßgeschneiderter Versorgungslösungen sowie eines verstärkten fachlichen Austauschs mit Anpassern. Diesmal präsentierte man sich mit neuer Führung und mit dem eingegliederten Stand von Tech-Lens.
Im Mittelpunkt stand die neue individuelle weiche Kontaktlinsenfamilie ease, die auf eine vereinfachte Anpassung bei gleichzeitig hohem Tragekomfort ausgelegt ist. Ergänzend zeigte das Unternehmen aktuelle Entwicklungen rund um die Orhto-K-Linse seefree. Auch die Anpasssoftware Apex wurde mit neuen Funktionen vorgestellt, die eine präzisere Planung individueller Versorgungen unterstützen sollen. Außerdem wurde das überarbeitete Pflegemittelportfolio der Eigenmarke concare mit neuem Design präsentiert.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Wissensvermittlung: In Fachvorträgen gaben u.a. Prof. Wolfgang Sickenberger und Dr. Sebastian Marx Einblicke in die Anpassung individueller weicher Kontaktlinsen. Ergänzend berichteten Praktikerinnen aus dem augenoptischen Alltag über ihre Erfahrungen mit der neuen ease-Linsengeneration.
Auch im Rahmen der Gemeinschaftsinitiative „Tomorrow Vision“ war Hecht präsent. Dort zeigte unter anderem Kickbox-Weltmeister Miloš Drakulić als Träger der Nachtlinse seefree den Einsatz von Kontaktlinsen im sportlichen Umfeld. Mit der Verbindung aus Produktinnovation, Fortbildung und praktischer Demonstration unterstrich Hecht in München seine Position als Spezialist für individualisierte Kontaktlinsenkonzepte.
Mark’ennovy baut individualisierte Kontaktlinsenkonzepte aus
Mark’ennovy konzentriert sich konsequent auf individuell konfigurierbare Kontaktlinsen. Das Unternehmen bietet eine breite Auswahl an Parametern und Designs, um auch bei komplexeren Fehlsichtigkeiten eine passgenaue Versorgung zu ermöglichen. Damit richtet sich das Angebot gezielt an Augenoptiker, die auf individualisierte Anpassungen spezialisiert sind.
Menicon setzt auf Komfort und Handling
Menicon präsentierte im Zentrum der Halle 4 mehrere Neuerungen in seinem Kontaktlinsenprogramm und stellte zugleich strukturelle Anpassungen im Speziallinsensegment vor. Ein Schwerpunkt lag auf der Weiterentwicklung der Silikonhydrogel-Tageslinse Miru 1day UpSide toric. Ab März erweitert der Hersteller den Lieferbereich der torischen Linse um Achsen in 10-Grad-Abstufungen von 10° bis 180°, wodurch sich Astigmatismen präziser versorgen lassen. Der Stärkenbereich ist von plan bis -10,00 dpt verfügbar mit Zylinderwerten von -0,75 bis -1,75 dpt. Das Enhanced Visiostable Design soll eine stabile Sehqualität unterstützen, während die Smart Touch Technologie eine einfache und hygienische Handhabung ermöglichen soll.
Darüber hinaus kündigte Menicon Veränderungen bei Logistik, Verpackung und Produktstruktur seiner individuell gefertigten Kontaktlinsen an. Künftig werden diese statt in Gläschen in Blistern ausgeliefert, was das Handling erleichtern und zusätzliche Produktinformationen auf der Verpackung ermöglichen soll. Gleichzeitig erfolgt der Versand der Linsen direkt aus der Produktionsstätte in den Niederlanden an augenoptische Fachgeschäfte, was sich positiv auf die Lieferzeiten auswirkt.
Eine weitere strategische Änderung betrifft das Speziallinsensegment: Seit Anfang 2026 verantwortet Menicon Herstellung und Vertrieb der Rose-K-Kontaktlinsendesigns in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Zur Unterstützung der Anpasser arbeitet das Unternehmen dabei mit der Lensmed Group zusammen, die Fachbetriebe bei Beratung, Anpassung und Schulung unterstützen soll.
Begleitet wurden diese Maßnahmen von einer Vereinheitlichung der Produktnamen sowie einer neuen visuellen Struktur im Sortiment. Im Jahr seines 75-jährigen Bestehens stellte Menicon damit sowohl Produktinnovationen als auch organisatorische Weiterentwicklungen in den Mittelpunkt seines Messeauftritts.
MPG&E erweitert Angebot im Speziallinsensegment
MPG&E präsentierte sich mit einem modernisierten Messeauftritt und stellte insbesondere den Ausbau seines Pflege- und Kontaktlinsenportfolios in den Mittelpunkt. Am neu gestalteten Messestand zeigte das Unternehmen unter dem Leitmotiv „Kontaktlinsen und Pflegemittel aus dem hohen Norden“ eine strategische Weiterentwicklung hin zu ganzheitlichen Versorgungskonzepten rund um Kontaktlinse und Augenwohl.
Ein Schwerpunkt lag auf dem erweiterten Pflegemittelprogramm. Neue Lösungen und Augenerfrischungsprodukte sollen stärker auf die Bedürfnisse von Kontaktlinsenträgern ausgerichtet sein. Reduzierte Formulierungen, natürliche Inhaltsstoffe sowie der Verzicht tierischer Bestandteile sind Teil des Konzepts. Außerdem wurde das Angebot um Produkte zur Lidrandpflege und Augenhygiene erweitert, wodurch Augenoptiker zusätzliche Beratungsmöglichkeiten im wachsenden Segment der Augenoberflächenpflege erhalten.
Parallel stellte das Unternehmen mit der neuen Premium-Tageskontaktlinse Delivery Ribo den Auftakt einer weiterentwickelten Kontaktlinsenstrategie vor. Die Linse kombiniert Komforteigenschaften mit integrierten Lichtschutzfunktionen. Neben den Neuheiten blieb das Kerngeschäft sichtbar präsent: Das Portfolio umfasst weiterhin weiche und formstabile Kontaktlinsen, Sklerallinsen sowie Ortho-K einschließlich Lösungen für das Myopie-Management.
Wöhlk und SEED bauen Presbyopie-Portfolio und Materialkompetenz aus
Wöhlk Contactlinsen, Teil der japanischen SEED-Gruppe, präsentierten gemeinsam ihre Produktneuheiten mit einem klaren Schwerpunkt auf der Presbyopie-Versorgung sowie individuell anpassbaren Kontaktlinsensystemen. Im Mittelpunkt stand der weitere Ausbau eines abgestimmten multifokalen Portfolios, das unterschiedliche Austauschintervalle und Anpasskonzepte abdeckt.
Eine zentrale Rolle spielt dabei die von Wöhlk entwickelte FEN Vision Technology, die auf ein schnelles und natürliches Seherlebnis bei presbyopen Kontaktlinsenträgern ausgelegt ist. Sowohl formstabile multifokale Kontaktlinsen als auch individuelle weiche Sechs-Monatslinsen sind mit diesem Design ausgestattet. Ergänzend wurde mit der Contact Air, einer individuellen Silikonhydrogel-Monatslinse, eine weitere Option zur Presbyopie-Versorgung vorgestellt, wodurch das Angebot zwischen individuell gefertigten und standardisierten Lösungen erweitert wird. Zusammen mit den Tageslinsen SEED 1dayPure moisture multistage und SEED 1dayPure EDOF entsteht so ein umfassendes Versorgungskonzept über verschiedene Tragegewohnheiten hinweg.
Darüber hinaus präsentierte Wöhlk mit Vitafilcon C eine Materialneuheit aus eigener Entwicklung. Das neue Material bietet UV-Schutzklasse 1 – die höchste Schutzkategorie bei Kontaktlinsen – und steht künftig für individuelle weiche Kontaktlinsen zur Verfügung.
Tomorrow Vision 2026: Sport als Bühne für die Kontaktlinse
Die Gemeinschaftsfläche der meisten Kontaktlinsenhersteller „Tomorrow Vision“ ging auf der Opti 2026 in die zweite Runde – und trat spürbar sportlicher auf als bei der Premiere 2025. Stand im Vorjahr vor allem der Grundgedanke im Mittelpunkt, die Kontaktlinse als chancenreiches Segment stärker sichtbar zu machen („Die Kontaktlinse ist die Zukunft der Optik“), setzte man 2026 konsequent auf Bewegung und Alltagstauglichkeit: Unter dem Motto „Play smart. Move free.“ wurde die Kontaktlinse als Sehkonzept inszeniert, das Freiheit schafft – beim Sport ebenso wie im täglichen Leben. Neu war damit weniger das „Ob“, sondern das „Wie“.
Die Berliner Wirtschaftspsychologin und Moderatorin Claudia Bechstein führte die Anwesenden durch ein volles Programm inklusive Live-Talks mit fachlichen Impulsen und unterhaltsamen Show Acts.
Insgesamt zeigte sich auf der Messe deutlich, dass individualisierte Versorgungskonzepte klar weiter an Bedeutung gewinnen. Gleichzeitig treiben Innovationen in der Materialtechnologie, Myopie-Management und multifokale Versorgung die Entwicklung voran.













