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Rundes Jubiläum in Münster

Bild: Koberg & Tente

Authentisch, dynamisch und erfolgreich zeigt sich nun seit 76, nicht mehr 75 Jahren die Firma Koberg & Tente. Weil es Corona-bedingt letztes Jahr nicht so gern gesehen war, in großer Runde zu feiern, wurde das damals runde Jubiläum nun nachgeholt. Mit einem Streetfood-Festival auf dem Firmengelände und der Vorstellung der neuen Brillenfertigung, 100% Made in Germany, im eigenen Hause. Von Daniel Groß

Hier spielt sich niemand in den Mittelpunkt. Unaufgeregt, fast bescheiden kommt Inhaber Frank Tente mit seinem Team an diesem besonderen Tag Mitte September daher. Und es passt zum familiär geführten Unternehmen, wenn es Currywurst und Crêpe vom Imbisswagen gibt und im nächsten Moment der Chef zum wiederholten Mal den rund 350 Gästen die neue Brillenproduktion anhand von Beispielmodellen zeigt. In der gläsernen Brillenmanufaktur, die erst kurz zuvor noch fertiggestellt wurde – und in der es noch etwas provisorisch zugeht. Das gibt Frank Tente mit einem Lächeln im Gesicht ganz offen zu.

Sicher ist auch das ein Grund dafür, warum der nicht mehr wirklich runde Geburtstag auch ein Jahr später zu einer gelungenen, lockeren Veranstaltung wird. Wenn bei anderen Firmenjubiläen aufwendig produzierte Imagefilme die Höhepunkte der glorreichen Firmenhistorie minutenlang aneinanderreihen, sieht das bei dem Münsteraner Unternehmen anders aus.

Wobei wir nichts gegen – gut gemachte – Imagefilme einzuwenden haben, aber das nur am Rande.

Zum Selbstverständnis passt es bei Koberg & Tente eben auch, dass hier Zuverlässigkeit gegenüber dem Kunden großgeschrieben wird. Man wolle keine Versprechen machen, die nicht einzuhalten sind, wird uns bei einem Rundgang durch die Heiligen Hallen in Münster mitgeteilt. Jede bestellbare Brille sei auch tatsächlich auf Lager und lieferbar. Nur bei den Neuheiten im Programm brauche es mehr Zeit, bis sich das einspielt. Ok, verständlich.

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Selbst anpacken, mit den eigenen Händen

Eine logische Konsequenz für das Unternehmen und Motivation zugleich ist es, nach dem langjährigen Erfolg im Vertrieb, nun auch selber Brillen zu bauen. Schon an den zahlreichen auf Nachhaltigkeit ausgelegten firmeninternen Projekten, die oft auch ein eigenes handwerkliches Gespür und Know-how erfordern (Stichwort: upgecycelte Kaffeeküche von Mitarbeitern für Mitarbeiter aus alten Hochbeeten gebaut, als eines der neusten Projekte), lässt sich erahnen: Hier könnte tatsächlich zusammen kommen, was zusammen gehört. Mit den eigenen Händen anpacken ist in der Firmenphilosophie verankert und wird hier schon länger praktiziert. Zur Unterstützung wurden 28 Maschinen aus der Nachkriegszeit angeschafft, mit denen, „wenn es mal gut läuft“, rund 200 Brillen pro Tag produziert werden sollen. Hierbei handelt es sich um Drehstromautomaten mit einfacher Kopierfrästechnik sowie Maschinen für die weiteren Fertigungsschritte Formen, Fräsen etc. Das macht neugierig – und macht auch live Spaß.

Brillenbau als Erlebnis

In der gläsernen Brillenmanufaktur möchte man nicht nur heute zum Jubiläum die neue Errungenschaft präsentieren und damit auch ein Gefühl vermitteln. Das Handwerk des Brillenmachers sollen fortan all diejenigen hautnah erleben dürfen, die handgefertigte Produkte zu schätzen wissen. Wer als Augenoptiker seinem Kunden später im Geschäft erklärt, dass er dem Brillenbauer beim Fräsen über die Schulter geschaut hat, verkauft auch ein Erlebnis. Für den Rest sorgt bestimmt das Marketing, das schon in den Startlöchern steht.

Es sollen aber zusätzlich auch neue Generationen auf den Geschmack kommen. Von Schulklassen ist die Rede, die erstmals ein Verständnis davon erhalten könnten, wofür Handwerk steht und wie sich handgefertigte Qualität anfühlt.

Der Kreis schließt sich

Zum Erfolg des Unternehmens tragen seit der Übernahme des Vertriebs der Coppenrath-Brillenmarken von der Firma Nussbaumer auch die Kinderbrillen bei. Die Kollektionen rund um Prinzessin Lillifee, Felix, den Hasen und Co. überzeugen die Kleinen. Und einmal auf den Geschmack gekommen, gibt es schon Gedanken, auch die Fertigung eine dieser Traditionsmarken selbst in der gläsernen Manufaktur zu übernehmen. Zumindest von einer, die aus Kunststoff hergestellt wird.

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