SWITCH – Vision Innovationsgipfel in Monaco
Ein neues Zukunftsbild der Branche
Monaco wurde für knapp drei Tage zur Bühne einer Augenoptik, die sich am Anfang eines tiefgreifenden Wandels befinden könnte. Bei SWITCH – Recoding Vision, dem internationalen Innovationsformat von EssilorLuxottica, ging es nicht nur um Produkte, sondern um neue Rollenbilder für Augenoptiker: zwischen Gesundheitskompetenz, KI, Wearables, Myopie-Management und emotional inszenierter Markenwelt.
Im Grimaldi Forum in Monte Carlo brachte EssilorLuxottica ein Format auf die Bühne, das deutlich mehr ist als ein klassischer Unternehmenskongress. Vom 13. bis 15. April trafen sich dort mehr als 1.200 Augenoptiker aus Europa, dem Nahen Osten, Afrika und Asien, um über die Zukunft des augenoptischen Geschäfts zu sprechen, neue Technologien zu erleben und sich international zu vernetzen. Schon der Rahmen an der französischen Riviera machte deutlich, dass das Unternehmen sein Zukunftsbild nicht im kleinen Kreis diskutieren, sondern mit großem Aufwand inszenieren wollte.
Bereits am Anreisetag begann das Programm mit einer großen Abendveranstaltung. Bei Getränken, Buffet und ersten Gesprächen war abzulesen, dass neben Fachvorträgen auch Begegnung und Austausch fester Bestandteil des Konzepts waren. Es folgten zwei dicht getaktete Vortragstage am 14. und 15. April.
Große Bühne am Morgen, Vertiefung am Nachmittag
Der eigentliche Kongressteil begann früh: Welcome Coffee ab 7 Uhr, die ersten Vorträge ab 8 Uhr. Der Takt war eng, Programm und Präsentationen hochprofessionell. Vormittags standen die großen Sessions im Hauptsaal im Mittelpunkt, nachmittags verzweigte sich die Veranstaltung in parallele Formate. Dieses Prinzip verlieh Tempo und Struktur: zunächst der strategische Überblick, anschließend der Einstieg in einzelne Zukunftsfelder.
Inhaltlich zeigte sich deutlich, worauf der Branchenriese, der mittleiweile die Hälfte seines Umsatzes mit Endkunden generiert, hinauswollte: Immer wieder fielen Begriffe wie KI, Oculomics, Myopie-Management, Wearables, Audio, Lichtmanagement und bildgebende Verfahren. Es ging also nicht nur um neue Fassungen oder Brillengläser, sondern um ein erweitertes Bild der Augenoptik: als Schnittstelle von Sehversorgung, Technologie, Gesundheitsvorsorge, Daten und neuen Beratungsfeldern.
Mehr als 50 Speaker aus Wissenschaft, Technologie und Praxis waren über die beiden Tage hinweg auf der Bühne oder in Panels zu sehen. Eine der zentralen Botschaften lautete dabei: Wer sich als Augenoptiker zukunftsfest aufstellen will, muss sein Geschäft neu denken – technologisch, gesundheitlich und unternehmerisch.
Vier Produktwelten, viele starke Marken
Parallel zum Bühnenprogramm hatte das Unternehmen eine kuratierte Erlebniswelt aufgebaut. Marken, Technologien und Sortimente wurden bewusst als Erlebnis inszeniert – mit viel Raum für Neugier und Ausprobieren.
Die Ausstellung war in mehrere Produktuniversen gegliedert: Smart Glasses, Lichtmanagement, Store-Konzept und Brillenmode. Gezeigt wurden unter anderem Ray-Ban, Ray-Ban Meta, Oakley, Alain Mikli, Oliver Peoples, Persol, Burberry, Prada, Versace und Transitions.
Gerade diese Verbindung aus Inhalt und Inszenierung prägte auch das Event. So wurde das Format zu einem Zukunftsraum, in dem das Unternehmen seine Vision der Branche argumentativ und atmosphärisch erfahrbar machen wollte. Monaco war dafür nicht nur Kulisse, sondern Teil der Botschaft.
Die Augenoptik soll größer gedacht werden
Besonders auffällig war, wie konsequent das französisch-italienische Unternehmen die Augenoptik hier aus ihrer klassischen Rolle herauslöste. Statt allein über Produkte oder Verkauf zu sprechen, wurde das Fachgeschäft als Ort positioniert, an dem Gesundheitsinformationen, Prävention, Lifestyle, Service und digitale Technologien zusammenlaufen.
Diesen Anspruch bündelte der Bereich „Switch Your Store“ mit vier Distrikten: „AI Powered Glasses“, „Nuance Audio“, „Vision Intelligence & Health Center“ sowie „Essilor“ mit hyperpersonalisierten Brillengläsern. Gerade der Bereich „Vision Intelligence & Health Center“ stach heraus. Hier liefen jene Themen zusammen, die derzeit viel Dynamik in die Branche bringen: KI, Imaging, vernetzte Versorgung und die Frage, welche Informationen das Auge künftig über den allgemeinen Gesundheitszustand liefern kann.
Genau an diesem Punkt dockt auch Oculomics an. Für die Augenoptik ist das ein hochspannender, zugleich aber auch sensibler Bereich. Denn je stärker das Auge als Zugang zu weitergehenden Gesundheitsinformationen verstanden wird, desto grundsätzlicher stellt sich die Frage nach der künftigen Rolle des augenoptischen Fachgeschäfts. Moderne bildgebende Verfahren könnten dazu beitragen, systemische und neurologische Erkrankungen wie beispielweise Diabetes, Alzheimer, Parkinson oder ein Schlaganfallrisiko früher sichtbar zu machen – und damit die klassische Sehanalyse in Richtung eines umfassenderen Gesundheitskonzepts weiterzuentwickeln. (Siehe FOCUS-Brennpunkt 2026_04)
Von Smart Glasses bis Myopie-Management
Inhaltlich wurde zugleich sichtbar, dass Wearables stärker in den regulären augenoptischen Beratungsalltag hineinwachsen sollen. So rückten mit den neu vorgestellten Ray-Ban-Meta-Optical-Modellen erstmals auch KI-gestützte Fassungen in den Fokus, die gezielt für Brillenträger mit Sehstärke entwickelt wurden. Sie ist schlanker, anpassbarer und mit flexiblen Scharnieren ausgestattet. Smart Glasses sollen damit als relevante Produktkategorie ins Fachgeschäft rücken.
Ein zweiter Schwerpunkt lag auf der Verbindung von Sehen und Hören. Mit Nuance Audio wurde ein Feld sichtbar, das für viele Augenoptiker neu ist, strategisch aber Potenzial haben könnte.
Ein dritter Themenblock war das Myopie-Management. Es wird heute als langfristige Behandlung begriffen – wissenschaftlich, medizinisch und wirtschaftlich. Dazu trägt auch die smarte Kinderbrille bei, die über das Trageverhalten, die Lichtverhältnisse und Kontraste Auskunft gibt (siehe Interview auf den folgenden Seiten).
Netzwerk, Austausch und große Bühne
Bei diesem Event ging es natürlich auch um Beziehungspflege. Das zeigte sich im Rahmenprogramm. Am ersten Vortragstag gab es ein gemeinsames Abendessen mit den jeweiligen Länder- und Regionalteams. Im DACH-Bereich kamen dazu rund 100 Augenoptiker zusammen.
Am Abend des 15. April folgte das große Finale im Sporting Monte Carlo mit Ausklang im legendären Jimmy’z. Nach zwei intensiven Kongresstagen wurde dort noch einmal deutlich, was SWITCH ebenfalls sein sollte: eine internationale Plattform zum Netzwerken, zum Wiedersehen und zum Feiern.
Ein Rollenangebot an die Branche
Die Veranstaltung enthielt rückblickend ein Rollenangebot an die Branche. EssilorLuxottica entwarf ein Bild davon, wie Augenoptiker und Optometristen künftig arbeiten könnten: technologieoffener, datenbezogener, gesundheitsnäher und zugleich stärker erlebnis- und markenorientiert.
Nicht jeder Baustein davon wird morgen schon Alltag im Fachgeschäft sein. Manche Ansätze stehen noch weit am Anfang, andere sind bereits konkreter. Aber die Richtung ist klar: Die Augenoptik soll breiter gedacht werden – nicht nur als Ort für gutes Sehen, sondern als Schnittstelle von Versorgung, Prävention, Beratung, Technologie und Lifestyle.
Insbesondere mit Oculomics steht die Augenoptik möglicherweise am Anfang einer neuen Revolution der Möglichkeiten, die in Zukunft angeboten werden können.
FOCUS hat in Monaco mit mehreren Schlüsselfiguren gesprochen, darunter mit Dr. Norbert Gorny, Global Chief Scientific Officer, außerdem mit Mark Ortiz Ribas, Global Head of Marketing Wearables, sowie mit Arnaud Ribadeau Dumas, Global Head of Product & Marketing Optical Categories. Warum Oculomics weit mehr als ein Schlagwort ist und welche realistischen Perspektiven sich daraus für die Augenoptik ergeben, erläutert Dr. Norbert Gorny im folgenden Interview.





















