Branchenbarometer: Zukunft voller Möglichkeiten
VonPascal Bruns
Bild: Touhid09 / stock.adobe
Trends und Perspektiven für die Augenoptik 2026
Das zurückliegende Jahr war geprägt von Unsicherheit und Anpassungsdruck – wirtschaftliche Stagnation, globale Handelsrisiken und ein eingetrübtes Konsumklima haben auch die Augenoptik herausgefordert. Gleichzeitig eröffnen sich neue Perspektiven: Die Nachfrage nach individueller Augenversorgung wächst, getrieben durch demografische Entwicklungen, digitale Gesundheitsangebote und den Trend zu Smart Glasses und Künstlicher Intelligenz. Unsere jährliche FOCUS-Umfrage hat hier ergeben: Die Branche stellt sich auf Transformation, Technologie und veränderte Kundenbedürfnisse ein.
„In den vergangenen Monaten hat das globale Marktwachstum des Augenoptikmarktes unser Unternehmen maßgeblich beeinflusst, insbesondere durch die steigende Kaufkraft in Schwellenländern und dem zunehmenden Bedarf an Augenoptik aufgrund einer alternden Bevölkerung. Innovationen bei Markengläsern und augenoptischen Technologien sowie die Zunahme von Kurzsichtigkeit bieten Perspektiven, während das eingetrübte Konsumklima und der hohe Wettbewerbsdruck Risiken darstellen. In den kommenden Monaten sehen wir große Chancen in der wachsenden Nachfrage nach ophthalmologischen Dienstleistungen und individuellen Beratungskonzepten. Die Betriebe hierzulande möchten wir mit neuen Angeboten und Partnerschaften, die wir anstreben, weiterhin ermutigen, ihre Serviceleistungen weiter auszubauen und den Herausforderungen des Marktes aktiv zu begegnen.“
Christoph HinnenbergGeschäftsführer Carl Zeiss Vision„Am stärksten beeinflusst hat unsere Branche die anhaltende wirtschaftliche Stagnation, die den demografisch bedingten Nachfragezuwachs ausgebremst hat – der Umsatz ist in etwa so gewachsen wie die Inflation. Zugleich verändert die augenärztliche Beurteilung von Fundusfotografien, die außerhalb der ärztlichen Praxis angefertigt werden, den Markt. In den kommenden Monaten wird vor allem die dynamische Weiterentwicklung der KI in diagnostischen Geräten die augenoptische Praxis prägen. Mit der neuen Meisterverordnung ab Juli entstehen Chancen für eine noch bessere, niedrigschwellige Kundenbetreuung – gerade bei Fällen, in denen wir statt Anpassung einer neuen Brille eine fachärztliche Abklärung veranlassen müssen. Darüber hinaus werden Smart Glasses den Markt verändern – das verlangt Anpassung jedes Kollegen an die technische Entwicklung.“
Christian MüllerZVA-Präsident
Foto: ZVA/Peter Boettcher„Die erhöhten US-Zölle und vor allem die schwierigen Rahmenbedingungen in Deutschland stellen Unternehmen vor erhebliche Herausforderungen. Bürokratie und langsame Prozesse binden Kräfte, die wir besser in Entwicklung und Marktarbeit investieren würden. Trotz dieser Belastungen sehe ich für Oculus deutliche Chancen: KI wird Abläufe beschleunigen, die Digitalisierung stärken und neue Innovationen ermöglichen. Das größte Risiko bleibt die regulatorische Unsicherheit, da verzögerte Zulassungen wichtige Produkte später zum Kunden bringen. Unser Fokus liegt darauf, unsere technologischen Stärken weiter auszubauen und so Wachstum trotz widriger Bedingungen zu sichern.“
Matthias KirchhübelGeschäftsführer OCULUS Optikgeräte„Die Verbraucherstimmung in Deutschland bleibt laut GfK-Index verhalten, was ja uns alle betrifft. Dennoch steigt durch Altersentwicklung und digitalen Lifestyle die Nachfrage nach technischen Kontaktlinsen. Im vergangenem Jahr verzeichneten unsere multifokal-torischen Monatslinsen beispielsweise ein besonders starkes Wachstum. Auch die KI-Entwicklung beeinflusst uns: Wir nutzen KI etwa bei Mail-Order-Bestellungen: So erkennt die KI Bestelldetails in E-Mails und wandelt sie in verwertbare Daten um. Dank unserer Innovationskraft blicken wir optimistisch in die Zukunft. Ab 2026 erweitern wir das Portfolio unserer innovativen Silikon-Hydrogel-Tageslinsen z.B. um eine multifokale Variante. Langfristig erforschen wir gerade eine neuartige bioaktive Kontaktlinse, wir denken also in neuen Produktkategorien!“
Ralf Felix GotterSenior BU Director Vision Care DACH Bausch + Lomb„Wir alle spüren es. Es ist verdammt viel los im Markt. Die Konsolidierung ist nun konkreter geworden – auf Handels- wie auf Industrieseite. Hinzu kommt eine verunsicherte und besorgte Bevölkerung, die sich beim Konsum ganz einfach zurückhält. Oder halten muss. Mit der großen Ausnahme des Reisens. Diese Freude möchten sich die meisten erst nehmen lassen, wenn es gar nicht mehr geht. In jedem Fall sind dies Konsumausgaben, zu denen auch wir in Konkurrenz stehen. In Teilen hiervon aber auch profitieren können. Denn in den vergangenen Jahren haben sich in der Augenoptik die Monate März bis Juni als die umsatzstärksten erwiesen. Wenn alle für die glückliche Draußenzeit gut vorbereitet sein möchten. Die Sonne küsst dann alle wach. Ein Fest für uns alle. Freude bereiten auch die zahlreichen Innovationen, die unsere Augenoptik aktuell beleben. Sei es beim Screening, Myopie-Management, bei KI-Tools oder den Smart-Brillen. Allesamt Themen, die unserem wichtigsten Sinnesorgan noch mehr Gewicht und Sichtbarkeit in der Bevölkerung geben werden. Hierauf sollten wir uns unbedingt einlassen. Ich wünsche Ihnen allen ein zufriedenes, gesundes 2026!“
Mirjam RöschVorsitzende Consumer Optics Spectaris und GF Hoya Lens Deutschland„Unser Unternehmen ist eng mit der Entwicklung im Handwerk verbunden. Unklare und wechselnde staatliche Entscheidungen zu Wohnungsbau, Infrastruktur, energetischer Sanierung oder Förderungen für moderne Heiztechnik erschweren die Planung, fordern das Handwerk und uns aber zugleich heraus, noch flexibler und lösungsorientierter zu handeln. Ich bin überzeugt, dass das Handwerk auch im kommenden Jahr ein zentraler Motor für Wachstum bleibt. Im augenoptischen Markt zeigen sich hohe Innovationskraft und steigende Qualitätsansprüche. KI unterstützt Prozesse, kann aber nicht alles ersetzen – denn ChatGPT wird auf absehbare Zeit kein Dach decken oder Kontaktlinsen anpassen. Die opti Anfang Januar bietet die ideale Bühne, um diese Impulse sichtbar zu machen und Orientierung zu geben.“
Tobias GröberCEO GHM Gesellschaft für Handwerksmessen mbH„Die rasante Entwicklung der KI prägt unsere Arbeit derzeit am stärksten. Wie weit wir hier bereits sind, zeigt unser in großen Teilen per KI generiertes Video zum vierten Sieg im markt intern „Leistungsspiegel der Kooperationen“. Gleichzeitig stellen wirtschaftliche Unsicherheiten und globale Handelsrisiken unsere Betriebe vor Herausforderungen. Chancen sehe ich in effizienteren digitalen Workflows, stabileren Lieferketten und in Services, die Mitgliedererwartungen frühzeitig erkennen. Betriebe sollten flexibel ihre Kompetenzen ausbauen und Innovationen vorantreiben. Ein Erfolgsfaktor für unsere Mitglieder wird auch künftig Marketing in einem Mix aus Print und Digital sein. Durch Social Media helfen wir, Zielgruppen zu erreichen und Marken zu positionieren. Unsere Inhouse-Agentur begleitet unsere Mitglieder hier aktiv.“
Carsten SchünemannGeschäftsführer IGA Optic„Der Geschäftsbereich Vision Care von Alcon wird durch steigende Nachfrage nach individueller Augenversorgung geprägt. Gesundheitsangebote, die auf den persönlichen Lebensstil und Bedürfnisse zugeschnitten sind, gewinnen an Bedeutung. Unsere Kontaktlinsen – als Tages-, Wochen- und Monatslinsen – erfüllen unterschiedliche Anforderungen und bieten hervorragenden Tragekomfort. Darüber hinaus beobachten wir den zunehmenden Einfluss von Digital Health und Künstlicher Intelligenz und sehen es als unsere Verantwortung, KI sinnvoll in zentrale Bereiche unserer Innovationsprozesse und Kundenbetreuung zu integrieren. KI und digitale Lösungen werden künftig ganz entscheidend sein, um Effizienz zu steigern und Augenoptiker sowie Kunden bestmöglich zu unterstützen.“
Jan Thore FoehrenbachAlcon Vision Care Franchise Head DACH„Die Augenoptik steht vor einem strukturellen Wandel, der sich spürbar beschleunigt. Besonders in Deutschland beobachten wir eine zunehmende Unsicherheit im Markt, ausgelöst durch geopolitische Entwicklungen, handelspolitische Spannungen und steigende Zölle. Parallel dazu nimmt die Kaufzurückhaltung zu. Endverbraucher agieren preissensibler und entscheiden sich häufiger für budgetorientierte Lösungen. Wir richten daher unseren Fokus konsequent auf individuell zugeschnittene Angebote, die unabhängigen Augenoptikern echten Mehrwert bieten, sowohl im Verkaufsprozess als auch im Produkt selbst, etwa mit unserer neuesten Technologie mit kundenspezifischen Gleitsichtglas-Designs. Unser Ziel ist es, unsere Partner mit leistungsstarken Services deutlich über das Glas hinaus zu unterstützen. Wir möchten ihnen helfen, ihre Alleinstellungsmerkmale zu stärken und sich im Wettbewerb mit Filialisten nachhaltig zu behaupten.“
Christian BannertGeschäftsführer Optovision„Die aktuellen Veränderungen in unserer Branche zeigen, wie wichtig es ist, neugierig zu bleiben und sich kontinuierlich zu entwickeln. Unsere Zusammenarbeit mit dem NYIT, dessen neuester Bericht kürzlich der Presse präsentiert wurde, spiegelt wider, wie aktiv Marcolin diesen Weg begleitet und sich für neue Ideen öffnet. In den kommenden Monaten rechnen wir mit weiteren Veränderungen, die Chancen bieten und uns gleichzeitig aufmerksam halten. Bei all dem bleibt uns eines besonders wichtig: der persönliche Kontakt zu unseren Kunden. Er schafft Vertrauen, gibt Orientierung und macht Fortschritt erst wirklich wertvoll.“
Stephan HinkerodeHead of UK, Nordics & DACH Marcolin„Die Brillenbranche steht gerade an einem Wendepunkt. Die von großen Einzelhandelsketten vorangetriebene Konsolidierung verändert die Marktdynamik spürbar und verschärft den preisorientierten Wettbewerb, sodass viele Verbraucher heute stärker auf die Kosten achten. Gleichzeitig gibt es weiterhin eine wichtige Gruppe anspruchsvoller Kunden, die echten Wert sucht: außergewöhnliche Handwerkskunst, präzise Technik und langlebige Produkte.
Für Charmant als ein Unternehmen, das von japanischer Fertigungsexzellenz geprägt ist, entspricht dies unserem Markenkern. Daher investieren wir konsequent in kompromisslose Qualität und unverwechselbare, designorientierte Konzepte, die unser Portfolio klar differenzieren und unsere strategische Ausrichtung in den kommenden Monaten bestimmen.“
Wataru AoyamaPresident & CEO Charmant Europe„Ein zentraler Impulsgeber war für Topcon zuletzt die Weiterentwicklung KI-gestützter Technologien. Die Kombination aus Künstlicher Intelligenz und Screening eröffnet neue Perspektiven: Ergebnisse werden valider und Optiker können ihr Versorgungsangebot erweitern – mit positiven Effekten auf Kundenbindung, Reputation und die eigene Rolle im Versorgungsnetz. Kunden profitieren dabei von einer besseren Versorgungslandschaft, insbesondere in bisher unterversorgten Regionen.
Potenziale sehen wir vor allem in zwei Bereichen: Zum einen in der Etablierung von Standards für KI-Anwendungen, die zu einer besseren Vergleichbarkeit der Ergebnisse führen. Zum anderen in einer engeren Vernetzung – von der Datenauswertung bis hin zur Zusammenarbeit mit Versorgungspartnern.“
Andrea ViethCountry Director Germany Topcon Europe Medical„Die Branche befindet sich in einer Phase spürbarer Transformation. Technologische Entwicklungen wie Smart-Brillen, digitale Services und integrierte Lösungen für Sehen und Hören verändern Wertschöpfung und Kundenerwartung gleichermaßen. Parallel steigt die Relevanz von Gesundheitsaspekten, nachhaltigen Materialien und langlebiger Produktqualität – Faktoren, die zunehmend kaufentscheidend werden. Für Eschenbach Optik entstehen daraus klare Chancen, das Portfolio weiterzuentwickeln und Marktpotenziale gezielt zu erschließen. Risiken resultieren vor allem aus sinkender Konsumkraft und unsicheren Rahmenbedingungen. Betriebe sollten ihr Angebot, ihre Prozesse und ihre Positionierung jetzt auf Zukunftsfähigkeit und sichtbaren Kundennutzen ausrichten.“
Dr. Peter BraunhoferCEO Eschenbach Optik„Wir erleben eine Branche im Wandel – wirtschaftlich, technologisch und personell. Auch bei Menicon waren wir von Lieferkettenstörungen betroffen. Dass wir trotzdem unseren Marktanteil weiter ausbauen konnten, verdanken wir der engen Zusammenarbeit mit unseren Partnern und einem klaren Fokus. Parallel treiben wir Digitalisierung, KI-Prozesse und Automatisierung voran, um effizienter und verlässlicher zu werden und die Stabilität sowie die Servicequalität weiter zu erhöhen. Die größte Aufgabe bleibt, Fachkräfte zu gewinnen und zu halten. Trotzdem bin ich zuversichtlich: Wer jetzt sein Team stärkt und mutig in neue Technologien investiert, wird die Transformation der Augenoptik aktiv mitgestalten – statt nur darauf zu reagieren.“
Bastian RieboldManaging Director Menicon„Selbstverständlich nehmen wir alle aktuellen Entwicklungen – sowohl die wirtschaftlichen als auch die gesellschaftlichen wahr. Am meisten beeinflusst uns jedoch schon seit Längerem die Entwicklung von Künstlicher Intelligenz und die damit verbundenen Möglichkeiten, unsere Brillengläser noch besser zu machen. Beobachtet man Veränderungen im Markt, sehe ich für Fachbetriebe auch genau jetzt eine große Chance, sich zu positionieren und vom Wettbewerb abzuheben. Hierzu braucht es aus meiner Sicht erstklassige Fach- und Beratungskompetenz sowie Produkte von innovativen Industriepartnern, die weit über den Standard hinausgehen.“
Thomas PfannerGeneral Manager Deutschland + Österreich Rodenstock„Als unabhängiges Schweizer Unternehmen plant Optiswiss mit Weitblick und kann flexibel auf herausfordernde Zeiten reagieren – sowohl bei globalen Krisen als auch bei branchenspezifischen Veränderungen. Derzeit drücken steigende Sparquoten die Absätze in den augenoptischen Fachgeschäften, wie aktuelle Marktpanels zeigen. Gleichzeitig nehmen aggressive Rabattangebote der Ketten weiter zu. In einem Nachbarland ist mittlerweile vergleichende Werbung zu sehen. Umso wichtiger ist unser Exklusiv-Konzept für mittelständische Augenoptiker, das in Kombination mit technologischen Innovationen bei Hightech-Brillengläsern, zukunftsweisenden Kooperationen und Services mit Mehrwert Sicherheit, Differenzierung und neue Möglichkeiten in der Kundenansprache bietet.“
Detlef GöttlichCSO Optiswiss AG
















