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Josef Dallos: Pioniere der Augenoptik

Josef Dallos. Bild: GlobalCONTACT 2010_02

Mit dieser Ausgabe starten wir im FOCUS eine neue Serie: Welche Persönlichkeiten haben in der Augenoptik einen nachhaltigen Fortschritt bewirkt? Wer hat neue Produkte, Verfahren und Technologien erdacht und angewandt?
Zu Beginn stellen wir Josef Dallos vor. Er hat durch seine damals neuartige Abformtechnik maßgeblich dazu beigetragen, neue Designs für Kontaktlinsen zu entwickeln, die für viele Betroffene eine enorme Erleichterung darstellten.

Josef Dallos wurde 1905 in Budapest als Sohn eines Lehrers geboren. Bereits im Alter von 25 Jahren qualifizierte er sich 1928 als Arzt und arbeitete dort in der „Universitätsklinik Nr. 1“, was heute die Semmelweis Universität ist für Augenheilkunde. Schon bald begann er mit der Anpassung von Kontaktlinsen, dabei verwendete er Original Zeiss-
Kontaktlinsen, die damals einzig erhältlichen. Er schlug mittels einer neuartigen Abformtechnik einige Verbesserungen des Designs vor, die gemeinsam 1934 mit Zeiss patentiert wurden.1

Seine Experimente zur Abformtechnik waren revolutionär, da er unter Verwendung einer plastisch verformbaren Masse (Negocol) am lebenden Auge Abdrücke abnehmen konnte, die über die tatsächliche Form der Hornhaut und Sklera Auskunft gab. Negocol war ein aus Algen gewonnenes Material, das auf 41° bis 42° C erhitzt und auf das betäubte Auge gespritzt wurde. Es härtete beim Abkühlen aus, und Dallos wandelte die Form mit einem wachsartigen Präparat (Hominite) in einen Positivabguss um. Später verwendete er sogar einen Positivabguss aus Messing, formte darüber eine Glaslinse ab und nahm alle notwendigen Anpassungen durch Schleifen vor.2

Einige Historiker sind der Meinung, dass dies die ersten modernen Sklerallinsen waren, die individuell für die Augen des Patienten angefertigt wurden. In späteren Jahren wurde das Negocol durch eine Formmasse namens Moldite und die Messingform durch eine Positivgussmasse namens Castone ersetzt.2

Dies waren die Grundlagen, um passgenaue Kontaktlinsen herzustellen. 1933 veröffentlichte er seinen ersten Artikel über Kontaktlinsen in einer deutschen Fachzeitschrift für Augenheilkunde, „Ueber Haftglaser und Kontaktschalen“. Noch im selben Jahr erhielt er ein ungarisches Patent für die Herstellung von Kontaktlinsen, die unter den Augenlidern stabilisiert werden konnten, ohne die Hornhaut zu berühren, und erlangte die Zulassung als Facharzt für Augenheilkunde. 

Umzug nach Großbritannien

Josef Dallos kam nach Großbritannien, um der Bedrohung durch die Nazis in seinem Heimatland Ungarn zu entgehen. Im Mai 1937 zog er mit seinem Schwager George Nissel nach England. Dallos arbeitete in der Wigmore Street 9, bevor er das erste reine Kontaktlinsenzentrum am Cavendish Square 18 gründete. Zwischen 1938 und 1948 passte er Linsen in Moorfields an und besuchte das St. Mary‘s und das Western Ophthalmic Hospital. Während des Krieges versorgte er Soldaten, damit sie in den aktiven Dienst zurückkehren konnten. Er passte auch bei vielen ehemaligen Soldaten Glassklerallinsen an, die nach dem Ersten Weltkrieg an Senfgas-Keratitis erkrankt waren, arbeitete intensiv an der Sauerstoffversorgung der Hornhaut, entwickelte Abdrücke der Hornhaut zur Herstellung von Hornhautlinsen aus Glas und entwickelte eine Methode zur Desinfektion von weichen Linsen. Er war der Erste, der bei der Anpassung von Kontaktlinsen die Physiologie des Auges berücksichtigte. Kurz gesagt: Er legte den Grundstein für alle Kontaktlinsen, wie wir sie heute kennen.3

Zufall und Fenestration

Dallos bevorzugte parallel sitzende, belüftete Glassklerallinsen. Nissel schätzte später, dass Dallos zwischen 1937 und 1964 ca. 6.000-7.000 Patienten mit Sklerallinsen versorgte. Er war einer der Ersten, der Fenestration beschrieb, um Hornhautödeme zu vermeiden und die Tragezeit zu verlängern. 

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Es heißt in verschiedenen Quellen: Ein zunächst als Fehler angegebener Vorfall, bei dem bei einem Patienten mit Keratokonus ein Auflagepunkt entfernt werden musste, ebnete den Weg für eine neue Technik. Bei der Bearbeitung entstand leider dabei ein Loch in der Linse. Dallos polierte die Ränder des Lochs, entschuldigte sich und wollte zunächst eine neue Linse herstellen. Doch der Patient kam einige Monate lang nicht wieder zurück, später stellte sich heraus, die Linse war komfortabel und konnte den ganzen Tag getragen werden. Die Platzierung solch einer Fenestration erforschte er in der darauffolgenden Zeit.

Im Jahr 1964 richtete er seine eigenen Räume am Devonshire Place 17 ein und stattete sie für die Herstellung von Glas und Hornhautlinsen aus. Josef Dallos hat sich nie zur Ruhe gesetzt und war bis zu seinem Tod im Sommer 1979 jeden Tag in seiner Praxis anwesend, berichtet ein ehemaliger Mitarbeiter (Don Ezekiel).

Steckbrief

In Ungarn geborener britischer Augenarzt 1905-1979. Er erfand 1930 die Technik des Abdrucks vom lebenden Auge. 1937 zog er gemeinsam mit George Nissel nach London und gründete am Cavendish Square die erste reine Kontaktlinsenpraxis (1937-1964). Den wahrscheinlich größten Beitrag zur aufstrebenden Kontaktlinsenindustrie leistete Dallos 1933 durch eine Technik zur Herstellung von Abdrücken des Auges. Dies war die Grundlage für akkurate Kontaktlinsendesigns.

In Gedenken an …

Mit dem Dallos-Preis des Britischen Kontaktlinsenverbandes (BCLA), der 1982 zum Gedenken an das Leben und die Arbeit von Josef Dallos ins Leben gerufen wurde, wird ein Forschungsprojekt im Zusammenhang mit Kontaktlinsen oder dem vorderen Auge finanziert. 2004 wurde dieser in Pioneers‘ Lecture umbenannt, um alle Pioniere der Kontaktlinsenbranche zu ehren.

Auch der amerikanische Verband der Kontaktlinsenhersteller (CLMA) gedenkt seinen Namen mit einem regelmäßig verliehenen Award. 

Eine Gedenktafel für Josef Dallos wurde am 23. Juni 2010 am Cavendish Square 18 in London enthüllt. (Siehe GlobalCONTACT 2010_02 Seite 44 ff.)

Quellen:

1: https://www.andrewgasson.co.uk/josef-dallos-1905-1979 nach Tom Bowden 2009. 2: Patrick Caroline, Craig Norman 2023 Contact Lens Spectrum nach Sabell, 1988 und Mann et al, 1996. 3: GlobalCONTACT 2010_02 44ff., Timothy J. Bowden

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