Fluide Autofokusbrillen
Die dynamische Variante für presbyope Sehbedürfnisse
Eine wirksame Korrektur der Presbyopie erfordert eine dynamische Lösung, die scharfes Sehen in jeder Entfernung ermöglicht. Die meisten existierenden Korrektionsmethoden sind jedoch statisch und beeinträchtigen daher die Sehqualität der Nutzenden. Seit mehreren Jahren entwickelt Laclarée eine adaptive Brille auf Basis von Fokus-variablen Linsen, die durch Distanzsensoren gesteuert werden. Diese Technologie soll scharfes Sehen über ein breites Sichtfeld hinweg ermöglichen – ohne bewusste Intervention der tragenden Person.
Bereits in der vorherigen FOCUS-Ausgabe (01/2026) haben wir die Laclarée-Autofokusbrille in unserer großen Übersicht smarter Brillen europäischer Hersteller kurz vorgestellt. Im Folgenden erklären die Autoren nun ausführlich die adaptive Linsentechnologie.
Die Funktionsweise ist in Abbildung 1 dargestellt. Über einer Einstärkenlinse, welche die Fernkorrektur des Trägers enthält (Myopie, Hyperopie, Astigmatismus), befindet sich eine variable Fokuslinse mit einem Durchmesser von 20 mm, zentriert auf die Pupillenposition. Diese variable Linse erzeugt die zusätzliche optische Leistung (Addition), die durch das integrierte elektronische Steuersystem reguliert wird und somit die erforderliche Nahkorrektur sicherstellt. Die Linsenkonstruktion gewährleistet zudem, dass die variable Zone unauffällig bleibt.
Der Fokus wird über zwei Distanzsensoren gesteuert, die die Laufzeit unsichtbarer nah-infraroter Pulse messen. Die Addition wird präzise angepasst, damit die Sehschärfe jederzeit optimal bleibt. Der Durchmesser der variablen Linsen ist so ausgelegt, dass ein komfortables Nahsichtfeld für Tätigkeiten wie Lesen, Computerarbeit oder Smartphone-Nutzung entsteht. Blickt die tragende Person in die Ferne, erweitert sich das Sichtfeld wieder, da die variable Linse bei null zusätzlicher optischer Leistung optisch „verschwindet“.
Die Technologie, geschützt durch mehrere internationale Patente, basiert auf flüssigkeitsgefüllten Linsen, die durch elektrostatische Aktuatoren in den Brillenbügeln angesteuert werden. Sie wurde speziell für presbyopie-korrigierende Brillen entwickelt und bietet aufgrund des refraktiven Ansatzes eine hervorragende Sehqualität: großer Dioptrienbereich, hohe Transparenz und keine Abbildungsfehler.
Der Prozess für den Träger bleibt unverändert: Er besucht ein Augenoptikfachgeschäft, wählt ein Modell aus, kann auf Wunsch die Autofokus-Funktion mit dem Laclarée-Testkit erleben und lässt die Zentrierparameter erfassen. Verschreibung, Zentrierwerte und Fassungsmodell werden anschließend an Laclarée übermittelt, wo die Brille gefertigt wird.
Fernsicht
- Einstärkenähnliche Linse
- Inklusive Korrektionswerten (RX)
- Volles Sichtfeld
Nahsicht bis zu 30 cm
- Variable Fokuslinse
- Passt sich automatisch an
- Über ein großes Sichtfeld hinweg
Natürliche Fokussierung zurückgewinnen
Durch die automatische Wiederherstellung der Scharfstellung in allen Distanzen und über ein großes Blickfeld stellen die adaptiven Brillen eine echte Innovation für die Augenoptik dar. Sie ermöglichen eine Rückkehr zu einer natürlich wirkenden Fokussierung.
Technisch betrachtet nutzt Laclarée eine spezifische Linsenarchitektur zur Nachbildung der natürlichen Akkommodation. Die Linse enthält ein optisches Dublett aus zwei Flüssigkeiten mit unterschiedlichem Brechungsindex, die durch eine verformbare Membran getrennt sind. Die Krümmung dieser Membran entsteht durch den Differenzdruck, der vom Aktuator erzeugt wird – und damit die erforderliche Brechkraft.
Die funktionalen Spezifikationen (siehe Abbildung 2) basieren auf umfassenden Bedarfsanalysen aus Marktstudien, Interviews mit Augenoptikern, wissenschaftlicher Literatur und Tragetests. Das erzielte Seherlebnis mit Laclarée‑Brillen kommt dem prä-presbyopen Sehen sehr nahe.
Zusätzlich bieten die Brillen die Möglichkeit, die Nahzusatzkorrektur im Laufe der Presbyopie fortlaufend anzupassen: Die maximal vom refraktiven Befund empfohlene Addition kann jederzeit durch einen Augenoptiker neu eingestellt werden. Damit bleibt die Brille über die gesamte Entwicklungsphase der Presbyopie zwischen etwa 40 und 60 Jahren nutzbar.
Die Technologie wurde mehrfach an presbyopen Testpersonen mit unterschiedlichen Profilen evaluiert – darunter zufriedene und unzufriedene Träger bisheriger Lösungen – in Umgebungen wie Augenoptikfachmessen, Innovationsmessen, klinischen Studien und internen Tests. Bewertet wurden typische Tätigkeiten wie Computerarbeit, Smartphone-Nutzung, Bewegungsaufgaben, Lesen, handwerkliche Arbeiten und Autofahren.
In mehreren Situationen, etwa beim Treppensteigen, zeigte sich die variable adaptive Zone leichter anpassbar als progressive Linsen, die konstruktionsbedingt seitliche Abbildungsfehler und Verzerrungen aufweisen. Die nahtlosen Übergänge zwischen verschiedenen Entfernungen beeindrucken die Testpersonen regelmäßig.
Spezialisierte Fertigungslinie
Dank ihrer einzigartigen Technologie strebt Laclarée an, ein zentraler industrieller Akteur im Markt für Autofokusbrillen zu werden. Zurzeit richtet das Unternehmen eine Fertigungslinie für Kleinserien in Lyon, Frankreich, ein. Diese Linie dient als Pilotanlage, die später skaliert werden kann.
Die Komponenten – darunter beschichtete RX‑Einstärkenlinsen zur Korrektur statischer Fehlsichtigkeiten – werden von sorgfältig ausgewählten Partnern bezogen. Die Montage erfolgt in einem speziell eingerichteten Reinraum (ISO 7, 60 m²; siehe Abbildung 3). Die Fertigungslinie umfasst eigene Montage- und Prüfstände. Da Standardgeräte der Ophthalmikindustrie die technischen Anforderungen nicht erfüllen, müssen Prozesse kontinuierlich angepasst und neu entwickelt werden. Typische Arbeitsschritte wie Blocken, Schleifen oder Leistungsprüfung müssen hierfür neu konstruiert werden; andere Schritte, wie Schichtverklebung, Befüllen oder Feinabstimmung der Leistung, sind vollkommen spezifisch.
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Technische Spezifikationen 22020_c20d8f-e4> | 22020_a9eb0e-cc> |
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Additionsbereich 22020_0dae26-7f> |
0 bis +2,75 dpt 22020_61d94d-c5> |
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Sphärenbereich 22020_3868cc-a2> |
–5 bis +5 dpt 22020_e4bb10-0a> |
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Zylinderbereich 22020_546dc3-8d> |
bis +3,5 dpt 22020_a588b8-4f> |
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Linsenkontur 22020_46937a-f5> |
beliebige Form 22020_63f05f-1b> |
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UV-Schutz und Beschichtungen 22020_906b67-6d> |
UV-absorbierend, kratzfest, entspiegelt, optional zusätzliche Deckbeschichtung 22020_bb3e91-8f> |
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Transmission 22020_054bd5-25> |
≥ 95% 22020_ca0c6c-4d> |
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Variable Linsenzone 22020_b22ee0-81> |
20 mm Durchmesser 22020_8d41d0-5a> |
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Basiskurven 22020_445592-13> |
4 dpt – 6 dpt 22020_8a5487-68> |
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Fokussierentfernungen 22020_72e693-da> |
alle Entfernungen > 30 cm 22020_4be8d3-ed> |
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Fokussiermodi 22020_c13b1e-e9> |
Autofokus (Standard), Manuell (über App) 22020_fd897e-ca> |
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Reaktionszeit 22020_ee72f1-f9> |
≤ 1 s 22020_ed7b62-42> |
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Autonomie 22020_6888fb-07> |
20 h, tägliches Aufladen über 5 V‑USB‑Ladegerät, austauschbare Akkus 22020_f9cafa-16> |
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Gewicht auf der Nase 22020_0ae63a-5e> |
≤ 30 g 22020_613b78-64> |
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Betriebsbedingungen 22020_793c8c-94> |
–10 °C bis +40 °C, Schutzklasse IP54 22020_674652-fb> |
Kommerzieller Start
Laclarée bereitet die Markteinführung seiner ersten Produktlinie „Gamma“ vor. Diese Linie umfasst drei Fassungsmodelle in jeweils drei Größen, um eine optimale Passform sicherzustellen. Sie werden bei ausgewählten Partneroptikern erhältlich sein. Ein kommerzieller Pilotversuch startet noch vor Jahresende, die vollständige Markteinführung ist für 2027 geplant.
Von Beginn an hat das Unternehmen beschlossen, sowohl die Brillenmodelle als auch die entsprechenden Fertigungswerkzeuge selbst zu entwickeln, um vollständige Kontrolle über Technologie und Produktion zu behalten. Diese anspruchsvolle Strategie setzt ein multidisziplinäres Team voraus, das in der Lage ist, vielfältige technische Herausforderungen zu bewältigen und hohe wissenschaftliche Standards einzuhalten. Das tiefe Verständnis der kritischen technologischen Parameter schafft erheblichen Wert und ist zentral für den zukünftigen industriellen Erfolg.
Ende 2025 bezog das Unternehmen größere Räumlichkeiten, um die neue Entwicklungsphase zu unterstützen. Zudem trat ein neuer CEO in das Unternehmen ein: Franck Leclere, ein erfahrener Manager aus der augenoptischen Industrie, der den Übergang vom technologieorientierten Start‑up hin zu einer industriellen und kommerziellen Organisation begleiten wird.
Jessica Jarosz, Ph.D., ist CTO von Laclarée und auf ophthalmologische Geräte und Instrumente spezialisiert. Pierre Prache, Ph.D., ist COO und Experte für Elektronik im Unternehmen. Bruno Berge, Ph.D., ist CSO und Gründer von Laclarée. Er verfügt über weltweit führende Fachkenntnisse im Bereich Linsen mit variabler Brennweite sowie über erfolgreiche Erfahrungen als Unternehmer (Gründer von Varioptic).





