Anzeige
Menicon (Banner)
|

Handbemalte Prothesen-Kontaktlinsen

Bilder: Lefteris Karageorgiadis

Klinische Möglichkeiten, Besonderheiten bei der Anpassung und Rehabilitation der Patienten

Die prothetische Rehabilitation mit Kontaktlinsen stellt einen der emotional befriedigendsten und technisch anspruchsvollsten Bereiche der Spezialkontaktlinsenpraxis dar. Über die reine kosmetische Verbesserung hinaus können diese Linsen die Lebensqualität erheblich steigern, indem sie die Gesichtssymmetrie wiederherstellen, Lichtempfindlichkeit verringern, Doppelbilder minimieren, Augenfehlbildungen kaschieren und sogar die verbleibende Sehfunktion und Sehschärfe verbessern.

Die moderne prothetische Kontaktlinsentechnologie ermöglicht heute hochgradig individuelle Lösungen durch maßgeschneiderte Irisbemalung, Pupillengestaltung sowie die Nachbildung von Limbus und Sklera. Darüber hinaus lassen sich die meisten Speziallinsen-Geometrien anpassen und herstellen, beispielsweise solche für unregelmäßigen Astigmatismus oder wellenfrontgesteuerte Optik, wodurch beide Aspekte – ästhetische Symmetrie und verbesserte Sehleistung – miteinander vereint werden.

Jeder Kontaktlinsenanpasser, der sich mit der prothetischen Rehabilitation befassen möchte, sollte darauf vorbereitet sein, im Umgang mit Betroffenen häufig auf starke Emotionen zu stoßen. Viele davon sind Ausdruck von Freude und Dankbarkeit, manche jedoch auch von Enttäuschung, wenn die subjektiven Erwartungen eines Patienten nicht erfüllt wurden. Daher sind eine ausreichende klinische Vorbereitung und Kenntnisse des Produktportfolios, das Optionen für Ästhetik, Anpassung und Sehkorrektur vereint, gepaart mit aufrichtigem Mitgefühl, die entscheidenden Erfolgsfaktoren für die prothetische Rehabilitation mit Kontaktlinsen.

Klinische Indikationen

Personen, die prothetische Kontaktlinsen benötigen, weisen oft eine komplexe Augenanamnese auf, die durch langjährige chirurgische und medikamentöse Behandlungen geprägt ist. In vielen dieser Fälle kann die psychische Belastung ebenso groß sein wie die ästhetischen und visuellen Symptome selbst.

Am häufigsten scheinen Fälle mit einem gewissen Ausmaß an Leukom vorzukommen, also mit undurchsichtigem oder halbundurchsichtigem Hornhautgewebe, was zu einer weißen bzw. gräulichen Hornhautfarbe führt. Besondere Aufmerksamkeit sollte diesen Fällen gewidmet werden, wenn eine gewisse visuelle Wahrnehmung vorhanden ist, auch wenn diese nicht funktionsfähig ist, z.B. Lichtwahrnehmung oder Wahrnehmung von Handbewegungen. Für diese Patienten sollten transparente oder halbtransparente (um die Hornhauttrübung zu kaschieren) schwarze Pupillen in Betracht gezogen werden (Abbildungen 2 und 3).

Eine weitere Gruppe bilden Patienten mit fehlenden Bereichen der Iris. Die Fälle reichen vom Iriskolobom bis zum Zavalia-Syndrom, d.h. dem vollständigen Fehlen einer Pupille (Abbildung 4). Diese Patienten können unter starker Photophobie, störenden photopischen Phänomenen bei Lichteinfall und verminderter Sehschärfe leiden. In einigen dieser Fälle liegt ein Hornhauttrauma vor, mit lokalisierten Trübungen aufgrund einer Penetration oder einer früheren Naht. In diesen Fällen können zusätzliche Parameter eine Rolle spielen, wie unregelmäßiger Astigmatismus und Lichtstreuung, manchmal in Kombination mit einer Verschiebung der Sichtlinie, die sich mit Hilfe der Topographie leicht messen lässt. Es handelt sich um Fälle, die eine sorgfältige Auswahl des Pupillendurchmessers erfordern, um das Sehvermögen zu verbessern, ohne das nutzbare Gesichtsfeld einzuschränken, sowie die Anpassung von weichen Kontaktlinsen bei unregelmäßigem Astigmatismus und Keratokonus in Kombination mit einer handgemalten künstlichen Iris (Abbildung 5).  

Aus Sicht der Kontaktlinsenanpasser sind Fälle von Strabismus möglicherweise die anspruchsvollsten. Nicht rotationssymmetrische Linsen werden mit großem Durchmesser und prismodynamischer Stabilisierung angepasst, da jede unvorhergesehene Linsenrotation zu einer asymmetrischen Irisposition führt. In einigen Fällen werden Pilotlinsen angefertigt und angepasst, bevor die endgültigen Linsenparameter und die endgültige Irisposition festgelegt werden (Abbildung 6). Um die Arbeit der Kontaktlinsenanpasser zu erleichtern, wurden Linsen mit speziellen Markierungen entwickelt, die dem Anpasser helfen, die Irisposition und mögliche Linsenrotationspositionen in vivo zu bestimmen. Ein kleiner Schielwinkel ist bei Prothesenlinsen manchmal ein verdecktes Phänomen; nicht nur, weil sie schwer zu beurteilen sind, sondern auch, weil bei unregelmäßigen Hornhäuten normale Linsengeometrien möglicherweise verschoben angepasst werden. Der einfache und sichere Weg, unerwünschte Überraschungen zu vermeiden, besteht darin, die gewählte Linsengeometrie mit einer farbigen Iris anzupassen, um die Linsenposition und die Augensymmetrie zu überprüfen (Abbildungen 7 und 8). 

Es ist nicht ungewöhnlich, Fälle im Anfangsstadium einer partiellen Phthise teilweise zu rehabilitieren – Fälle, in denen ein Teil des Augenvolumens verloren gegangen ist und manchmal eine schwerwiegende Anomalie der Hornhautform vorliegt. Auch wenn sklerale Prothesenlinsen die ideale Lösung wären, sind Hydrogel-Prothesenlinsen patienten- und anpassungsfreundlicher (Abbildungen 14 und 15). In diesen Fällen verwenden wir Linsen mit erhöhtem Volumen, deren Zentraldicke von einigen hundert Mikrometern auf vier- bis fünfhundert Mikrometer erhöht wird und die einen größeren Durchmesser als üblich aufweisen, um so viel Linsenvolumen wie möglich bereitzustellen und die Augensymmetrie zu verbessern. Darüber hinaus können aufgrund der Hornhautform Linsen mit inverser Geometrie verwendet werden, um die Linsenstabilität zu gewährleisten (Abbildung 9).  

Anzeige
Hecht (Banner)

Die Kunst handbemalter Prothesenlinsen

Da die Iris – ein natürliches dreidimensionales Gewebe, das durch die Vorderkammer vergrößert wird – auf einer dünnen Hydrogel-Kontaktlinse nachgebildet werden muss, ist eines sicher: Es müssen mehrere Farbschichten aufgetragen werden, um diesen komplexen Teil des Auges nachzuahmen. Sowohl für die Iris als auch für die Sklera arbeiten unsere Farbkünstler mit mehr als zwanzig Schichten, um das natürliche Aussehen des Auges wiederzugeben und gleichzeitig die Farbtöne fein abzustimmen. Selbst dunkle Irisfarben weisen ihre eigene Komplexität auf, da bei hellem Licht Farbnuancenunterschiede sichtbar werden (Abbildung 10). In vielen Fällen ist eine Lichtabschirmung unerlässlich, daher tragen wir stets eine dunkle, undurchsichtige Schicht auf die Rückseite der Linse auf und heben gleichzeitig die mehrschichtigen Farben hervor, ohne dabei das Erscheinungsbild der darunterliegenden Iris zu beeinträchtigen. Die Sklerafärbung sollte nicht unterschätzt werden, da sie für sich genommen die Struktur der Sklera und deren Transparenz sowie die Tenon-Kapsel und die Bindehaut nachbilden muss (Abbildung 11). Im Bestreben, die Natur nachzuahmen, beschränken sich unsere Künstler nicht darauf, Iriskragen, Limbusringe, Iris-Mikrokrypten oder Limbusübergänge separat zu gestalten, sondern malen den vorderen Augenabschnitt für jedes einzelne Auge von Hand als einzigartiges Kunstwerk, bei dem alle Merkmale miteinander verschmelzen (Abbildung 12). 

Ästhetische Möglichkeiten handbemalter Hydrogel-Linsen

Der Anpasser muss die Möglichkeiten, die weiche Prothesenlinsen bieten, genau kennen, um für jeden Einzelfall die richtigen Parameter auszuwählen: 

  • Die möglichen Irisdurchmesser.
  • Die möglichen Pupillendurchmesser in schwarz-undurchsichtig oder transparent.
  • Die Möglichkeit, den weißen Skleralbereich der Linse mit Sklerafarbe und -aderung darzustellen, ist bei Fällen von Megalokornea des betroffenen Auges angezeigt. 
  • Der maximal mögliche Durchmesser für jede Geometrieart und jeden Linsenradius; aufgrund von Einschränkungen beim Linsenrohling und komplexeren Geometrien, wie z.B. inversen oder prismodynamisch stabilisierten Geometrien, kann der maximale Linsendurchmesser variieren. 
  • Bei Strabismus der Bereich der möglichen Irisverschiebung. 
  • Die Möglichkeit, eine transparente Pupille in einer versetzten Position zu platzieren, wenn sie nicht zentriert ist und der Lichtdurchlass als entscheidend angesehen wird, um eine weitere schielende Abweichung zu vermeiden (Abbildung 13). 
  • Die Option, eine halbtransparente bis lichtdurchlässige Pupille bereitzustellen, die unerwünschte ästhetische Probleme kaschiert und gleichzeitig den Lichtdurchlass gewährleistet. 
  • Die Möglichkeit, eine dunkle, undurchsichtige Schicht auf der Rückseite anzubringen, die die endgültige Irisfarbe vom darunterliegenden Zustand und der Farbe der Hornhaut abgrenzt.

Die Wahl der richtigen Farbe

Das Zusammenspiel zwischen dem subjektiven Erscheinungsbild des Patienten, der Fachkompetenz des Anpassers und den Möglichkeiten des Kontaktlinsenherstellers muss in alle Richtungen konstruktiv sein. Da die Linderung der Symptome des Patienten das Hauptziel ist, bilden eine sorgfältige Augenanamnese und ein ausführliches Gespräch den grundlegenden Ausgangspunkt. Anschließend muss sich der Linsenexperte entsprechend den Möglichkeiten der realisierbaren Lösung sicher sein und diese dem Patienten klar vermitteln. Nachdem dies geklärt ist, sind eine enge Zusammenarbeit und gute Kommunikation mit dem Herstellungslabor unerlässlich, um die Anpassung mit dem am besten geeigneten Linsendesign und der optimalen Farbstruktur abzuschließen. Wenn handbemalte Linsen gewählt werden, weisen Farbpaletten und digitale Farbmuster erhebliche Nachteile auf und können den Anpasser und den Patienten sehr leicht in die Irre führen. Daher umfasst unsere Technik ein firmeneigenes Fotoshooting unter Verwendung eines von uns gedruckten und bereitgestellten Kalibrierungslineals für die Farbe, das sowohl in den Händen des Anpassers als auch in der Arbeitsumgebung unserer Künstler ein stabiles Kalibrierungsmuster bietet. Natürlich führen bei der Farbgebung manchmal Unterschiede in der Blitzlichtintensität, der Fokussierung des Blitzlichts, der Farbtemperatur, der Raumbeleuchtung und natürlich der Kamera zu Abweichungen, die unsere Künstler mithilfe des Standard-Kalibrierungslineals ausgleichen können, um die bestmögliche, natürliche Iriswiedergabe zu erzielen (Abbildung 16).

Psychologische Auswirkungen

Der vielleicht am meisten unterschätzte Aspekt von Prothesenlinsen ist ihre emotionale Wirkung. Viele Patienten leiden unter sozialem Rückzug, Ängsten oder vermindertem Selbstvertrauen aufgrund sichtbarer Augenunterschiede.

Eine erfolgreiche Anpassung der Prothesenlinsen kann die zwischenmenschlichen Beziehungen und das psychische Wohlbefinden dramatisch verändern. Für viele Patienten ist das Ergebnis nicht einfach nur eine Kontaktlinse, sondern die Wiederherstellung der Gesichtsidentität, des Selbstvertrauens und der sozialen Integration.

Individuelle Lösungen mit großer Wirkung

Prothetische Kontaktlinsen gehören nach wie vor zu den am stärksten individualisierten und patientenorientierten Bereichen der Spezialkontaktlinsenpraxis. Ihre erfolgreiche Anpassung erfordert technisches Fachwissen, künstlerisches Verständnis und ein einfühlsames Patientenmanagement.

Für den Spezialisten für Spezialkontaktlinsen bieten diese Linsen die Möglichkeit, nicht nur das Sehvermögen und den Tragekomfort zu verbessern, sondern auch die Lebensqualität des Patienten nachhaltig zu beeinflussen. Moderne Technologien, maßgeschneiderte Fertigung und fortschrittliche handbemalte Systeme erweitern kontinuierlich die Möglichkeiten der Augenrehabilitation und der kosmetischen Wiederherstellung.

Lefteris Karageorgiadis ist erfahrener Optometrist, Okularist und Kontaktlinsenspezialist mit mehr als 30 Jahren klinischer, produktionstechnischer und wissenschaftlicher Expertise im Bereich der modernen Augenheilkunde. Der Gründer und Leiter von EYEART Laboratories und EYEART Optical (Griechenland) ist spezialisiert auf das Design maßgefertigter Kontaktlinsen, Augenprothesen, Keratokonus-Behandlung, Sklerallinsen und Sehbehindertenrehabilitation. Er verfügt über umfangreiche internationale Erfahrung in der klinischen Optometrie, der Unterstützung refraktiver Chirurgie sowie bei Innovationen im Bereich wellenfrontgeführter und prothetischer Kontaktlinsentechnologien und veröffentlichte zahlreiche wissenschaftliche Publikationen sowie Vorträge auf führenden europäischen und internationalen Kongressen.

Ähnliche Beiträge

  • Opti 2026: Jahresauftakt mit frischer Energie

    Die Opti 2026 ist vorbei – und viele, die vom 16. bis 18. Januar in München unterwegs waren, dürften die Messe mit dem Gefühl verlassen haben, dass sich die Branche gerade spürbar verändert. Mit einem Programm, das zwischen praktischen Impulsen, Trends und Netzwerken pendelte: Die Opti hat ihren Jahresauftakt-Charakter erneut unter Beweis gestellt.

  • Optometrische Dienstleistungen

    Per Definition handelt es sich bei einer Dienstleistung um ein immaterielles Wirtschaftsgut, welches auf dem Markt angeboten wird und von Kunden nachgefragt werden kann. Uns Augenoptikern bieten sich viele Möglichkeiten, optometrische Dienstleistungen anzubieten und durchzuführen. In einer Zeit, in der Augenärzte in manchen Regionen Mangelware sind, ist die Nachfrage eigentlich eine sichere Sache. Trotzdem ist es bei Weitem nicht üblich, sich die Leistungen rund um eine Brille oder Kontaktlinse vergüten zu lassen. Warum ist das so?

  • Hornhautendothelbeschläge

    Das sogenannte SOAPE-Prinzip ist ein in der Medizin häufig genutztes Schema zur Beschreibung von Pathologien und deren Behandlungsstrategien. Diesmal stellt sich eine Kunde vor der zunächst keine Auffälligkeiten hat.

  • Volles Programm: Sicht.Kontakte 2023

    Dank drei Tagen inklusive Fachvorträgen, Workshops und Industrieausstellung kamen wissbegierige Augenoptiker und Optometristen bei der diesjährigen Sicht.Kontakte wieder auf ihre Kosten. Geboten wurden wissenschaftliche und praxisnahe Themen, die die Branche bewegen.