Silmo 2026
Paris blickt nach vorn
Vom 25. bis 28. September wird Paris wieder zum internationalen Treffpunkt der Augenoptik- und Eyewear-Branche. Die Silmo 2026 verbindet das klassische Messegeschäft mit einem deutlichen Blick in die Zukunft: KI, Smart Glasses und digitale Anwendungen prägen das Programm. Dazu kommen neue Kollektionen, Design, fachlicher Austausch und der Silmo d’Or mit einem neuen Jurypräsidenten.
Die Silmo 2026 ist in den Startlöchern: Vom 25. bis 28. September 2026 öffnet die Fachmesse an allen vier Messetagen von 9 bis 18.30 Uhr ihre Türen in den Hallen 6 und 7 des Messegeländes Paris Nord Villepinte. Erwartet werden rund 900 Aussteller mit mehr als 1.500 Marken aus über 40 Ländern. Damit dürfte die Messe auch in diesem Jahr ihrem Anspruch gerecht werden, einen weitgehend vollständigen Querschnitt durch die internationale Branche zu zeigen – von Fassungen und Brillengläsern über Werkstatt- und Ladenausstattung bis hin zu digitalen Lösungen und Smart Eyewear. Bereits im Frühsommer waren nach Angaben des Veranstalters 90 % der Ausstellungsfläche gebucht.
Dabei geht es um weit mehr als eine Präsentationsfläche für neue Kollektionen und Produkte. Neben dem klassischen Messegeschäft nimmt das begleitende Programm immer größeren Raum ein. Zukunftsthemen, Design, technologische Entwicklungen, wissenschaftlicher Austausch und Fragen rund um Nachhaltigkeit gehören inzwischen ebenso zum Konzept wie die international anerkannte Auszeichnung Silmo d’Or.
KI zieht in die Augenoptik ein
Besonders deutlich wird diese Entwicklung bei Silmo Next. Die Zukunftsplattform der Messe bündelt Entwicklungen, die das Potenzial haben, Arbeitsabläufe, Produkte und Geschäftsmodelle der Branche zu verändern. Herzstück ist 2026 erneut das Tech Village. Dort stehen vor allem künstliche Intelligenz, Daten, vernetzte Brillen und digitale Dienstleistungen im Mittelpunkt. Die Futurology-Fläche widmet sich in diesem Jahr sogar schwerpunktmäßig der Frage, wie generative, kontextbezogene und beschreibende KI die Augenoptik verändert.
Dabei bleibt es nicht bei abstrakten Zukunftsszenarien. In verschiedenen Themenbereichen sollen konkrete Anwendungen gezeigt werden. Unter „AI x SmartGlasses“ geht es beispielsweise um Brillen, die Gespräche übersetzen, Informationen über die Umgebung erfassen oder zusätzliche Funktionen unmittelbar ins Sichtfeld bringen. Zu den angekündigten Akteuren gehören unter anderem Ray-Ban Meta, Solos, Nuance, Titan, Skugga und Laclarée.
Ein weiterer Bereich beschäftigt sich mit KI in Refraktion und Sehprüfung. Unternehmen wie Acep und SiView zeigen Ansätze, bei denen künstliche Intelligenz Messungen unterstützen, Abläufe automatisieren und Ergebnisse individualisieren soll. Unter „AI x Retail“ rückt wiederum der augenoptische Betrieb in den Mittelpunkt: digitale Assistenten, intelligente Waren- und Prozesssteuerung oder virtuelle Kundenberater sollen zeigen, welche Rolle KI künftig im Geschäft spielen könnte. Auch Virtual und Augmented Reality sind Teil des Programms.
Ergänzt wird die Ausstellung durch ein umfangreiches Vortragsprogramm. Themen reichen von Smart Eyewear und KI-gestützter Beratung über 3D-gedruckte Brillen bis zu neuen Display-Technologien. Angekündigt sind unter anderem Beiträge von Google, Meta, Solos, IXI und weiteren Technologieunternehmen. Damit dürfte gerade Silmo Next einen guten Eindruck davon vermitteln, wie eng klassische Augenoptik, digitale Technologien und Consumer Electronics inzwischen zusammenrücken.
Neuer Jurypräsident beim Silmo d’Or
Traditioneller Höhepunkt der Messe bleibt der Silmo d’Or. Für die Ausgabe 2026 hat die Messe mit Joachim Froment einen neuen Präsidenten der Jury berufen. Der in Brüssel ansässige Industrie- und Produktdesigner studierte am Royal College of Art in London und verbindet in seiner Arbeit Gestaltung und Ingenieurwesen. Seine Designauffassung geht dabei über die reine Funktion eines Produkts hinaus: Objekte versteht Froment als Teil eines größeren Systems, in dem Nutzer, Produkt und Umwelt miteinander in Beziehung stehen.
Diese Perspektive passt zu einer Branche, in der neben Form und Funktion zunehmend Fragen nach Materialien, Kreislauffähigkeit, Technologie und Nutzererlebnis eine Rolle spielen. Beim SILMO d’Or werden auch 2026 Innovationen und Produkte in zahlreichen Kategorien ausgezeichnet, darunter Vision, Material und Equipment, Sport, Kinderbrillen, technologische Innovationen, Smart Eyewear sowie verschiedene Kategorien für Korrektions- und Sonnenbrillen. Hinzu kommt ein Sonderpreis der Jury. Die Preisverleihung findet am Abend des 26. September statt.
Design zwischen Technologie und Mensch
Auch der Optical Design Contest richtet den Blick nach vorn. Das Thema für 2026 lautet „The future of optics – What vision?“. Designstudierende sind aufgefordert, darüber nachzudenken, welche Rolle Brillen in der Welt von morgen übernehmen könnten – nicht nur als Sehhilfe, sondern auch als Schnittstelle zwischen Technologie, Wahrnehmung und menschlicher Kommunikation.
Den Vorsitz der Jury übernimmt Olivier Lapidus, der 2025 noch Präsident der Silmo-d’Or-Jury war. Der französische Designer bewegt sich seit vielen Jahren an der Schnittstelle von Mode, Design und Technologie. Bei den eingereichten Projekten sollen unter anderem Innovation und Gestaltung, Gebrauchswert, verantwortungsbewusstes Design sowie technische Umsetzbarkeit bewertet werden. Der Wettbewerb ist mit insgesamt 10.000 Euro für den Gewinner beziehungsweise die Gewinnerin und die zugehörige Hochschule dotiert. Die nominierten Konzepte werden als Prototypen während der Messe präsentiert.
Neben SILMO Next, Awards und Designwettbewerb bleibt auch der fachliche Austausch Teil des Messekonzepts. Bei den SILMO Talks stehen unter anderem Connected Eyewear, künstliche Intelligenz, Low Vision, Retail und die Zukunft des unabhängigen Augenoptikers auf der Agenda. Dazu kommen die Aktivitäten der SILMO Academy sowie der Responsible Company Award, mit dem Unternehmen ausgezeichnet werden, deren Nachhaltigkeitsstrategie nicht nur auf einzelne Produkte beschränkt ist, sondern ökologische sowie soziale und gesellschaftliche Aspekte im Unternehmen insgesamt berücksichtigt.
Die SILMO Paris zeigt damit 2026 einmal mehr zwei Seiten einer Branche, die sich derzeit besonders schnell verändert: Auf der einen Seite stehen Design, handwerkliches Know-how, neue Kollektionen und Materialien, auf der anderen KI, Smart Glasses und digitale Prozesse. Wie schnell aus den derzeit vorgestellten Zukunftskonzepten tatsächlich Alltag im augenoptischen Betrieb wird, dürfte eine der spannenden Fragen der diesjährigen Messe sein.
Drei Fragen an Silmo-Präsidentin Amelie Morel
FOCUS: Silmo Next rückt 2026 künstliche Intelligenz und Smart Eyewear sehr deutlich in den Mittelpunkt. Welche dieser Entwicklungen wird aus Ihrer Sicht in den kommenden zwei bis drei Jahren tatsächlich im Alltag der Augenoptiker ankommen – und was ist derzeit noch eher Zukunftsvision?
Morel: In den kommenden zwei oder drei Jahren werden sich meiner Einschätzung nach vor allem diejenigen vernetzten Brillen tatsächlich in unserem Alltag etablieren, die einfache, konkrete und unmittelbar verständliche Anwendungen bieten: Audio, Foto und Video, durch künstliche Intelligenz erweiterte Sprachassistenz, Übersetzungsfunktionen, aber auch bestimmte Assistenzfunktionen für Menschen mit Sehbehinderungen.
Ihr Erfolg wird letztlich weniger von der technologischen Leistungsfähigkeit selbst abhängen als davon, wie unauffällig sich die Technik in den Alltag integriert. Damit solche Brillen dauerhaft angenommen werden, müssen sie in erster Linie gute Brillen bleiben: komfortabel, ästhetisch ansprechend, an die individuellen Sehbedürfnisse angepasst und im täglichen Gebrauch ausreichend einfach zu bedienen.
Und genau hier kommt dem Augenoptiker eine entscheidende Rolle zu. Eine Technologie kann technisch vollkommen ausgereift sein, ohne dass das daraus entstehende Produkt bereits optimal auf seinen Nutzer abgestimmt ist. Die Korrektion zu integrieren, die passende Fassung auszuwählen und anzupassen, Tragekomfort sicherzustellen, Funktionen zu erklären und den Kunden bei deren Nutzung zu begleiten – all das sind wesentliche Aspekte. Paradoxerweise gilt: Je technologischer die Brille wird, desto wichtiger werden die menschliche Expertise und die persönliche Vermittlung.
Die Vorstellung hingegen, dass Augmented-Reality-Brillen das Smartphone dauerhaft ersetzen könnten, sehe ich eher als langfristige Zukunftsvision. Hier sind noch Fortschritte bei Displaytechnologie, Akkulaufzeit, Gewicht und Unauffälligkeit notwendig – ebenso wie bei der Akzeptanz solcher Produkte im Alltag.
Die entscheidende Frage ist deshalb nicht allein, ob eine Technologie technisch bereit ist. Sie muss auf einen sinnvollen Anwendungsfall treffen und sich in ein visuelles Hilfsmittel verwandeln lassen, das tatsächlich tragbar, nützlich und individuell angepasst ist. An dieser Schnittstelle zwischen Technologie, Anwendung und augenoptischer Expertise wird sich meiner Ansicht nach entscheiden, ob Smart Glasses tatsächlich angenommen werden.
FOCUS: Die Silmo verbindet klassische Augenoptik und Eyewear zunehmend mit Technologieunternehmen und Akteuren aus dem digitalen Umfeld. Verändert sich dadurch auch die Rolle der Messe – und möglicherweise sogar die Zusammensetzung ihrer Aussteller und Besucher?
Morel: Die Augenoptik bleibt selbstverständlich das Herzstück der SILMO – mit Fassungen, Brillengläsern, Geräten und all dem Know-how, das den Reichtum unseres Berufsstandes ausmacht. Doch mit diesem Kern verbinden sich inzwischen neue Welten: künstliche Intelligenz, vernetzte Geräte, Gesundheitstechnologien, neue Materialien, digitale Lösungen und neue Retail-Erlebnisse.
Diese Entwicklung erweitert ganz selbstverständlich das Ökosystem der SILMO Paris. Wir begrüßen neue Unternehmensprofile, aber auch neue Kompetenzen und neue Besuchergruppen. Und ich sehe darin einen großen Gewinn: Wenn Designer, Industrievertreter, Augenoptiker, Ingenieure oder Technologie-Start-ups aufeinandertreffen, können daraus neue Ideen und bislang ungeahnte Kooperationen entstehen.
Damit verändert sich auch die Rolle einer internationalen Messe wie der SILMO Paris. Es geht nicht mehr nur darum, Kollektionen zu präsentieren oder Aufträge entgegenzunehmen. Eine Messe muss die Möglichkeit bieten, Veränderungen des Marktes zu verstehen, unterschiedliche Sichtweisen miteinander zu konfrontieren, neue Modelle kennenzulernen und Brücken zwischen Bereichen zu schlagen, die noch vor wenigen Jahren kaum miteinander in Berührung kamen.
Genau diese Fähigkeit, die gesamte Vielfalt der Branche zusammenzubringen und sich gleichzeitig den Akteuren zu öffnen, die ihre Zukunft mitgestalten werden, macht heute die Stärke der SILMO Paris aus.
FOCUS: Rund 900 Aussteller und mehr als 1.500 Marken werden in Paris erwartet. Was ist für Sie persönlich die wichtigste Neuerung der Silmo 2026 – also etwas, von dem Sie sagen würden: Das sollten Besucher in diesem Jahr auf keinen Fall verpassen?
Morel: Es fällt mir schwer, eine einzelne Innovation herauszugreifen, denn die Stärke der SILMO Paris liegt gerade in der Vielfalt dessen, was es dort zu entdecken gibt. Bei fast 900 Ausstellern und 1.500 Marken kann Innovation ebenso in einer disruptiven Technologie stecken wie in einem neuen Material, einem Herstellungsverfahren, einer Dienstleistung oder einem völlig neuen kreativen Ansatz.
Wenn es jedoch eine Erfahrung gibt, die ich den Besuchern in diesem Jahr besonders empfehlen würde, dann ist es, sich ausreichend Zeit für SILMO Next zu nehmen. Der Bereich wird sich intensiv mit künstlicher Intelligenz und Smart Glasses beschäftigen – zwei Themen, die unsere Branche in den kommenden Jahren grundlegend verändern könnten. Dabei geht es nicht einfach darum, Technologien zu präsentieren, sondern ihre möglichen Anwendungen zu verstehen und zu zeigen, wie sie Nutzung und Berufsbilder verändern können.
Ich würde den Besuchern außerdem empfehlen, sich bei ihrem Messerundgang nicht auf das zu beschränken, was sie bereits kennen. Einer der großen Vorzüge der SILMO Paris besteht gerade darin, etwas zu entdecken, wonach man ursprünglich gar nicht gesucht hat: eine junge Marke, eine industrielle Innovation, ein neues Material oder eine unerwartete Technologie.
Für mich besteht das eigentliche „Must-see“ dieser international etablierten Messe deshalb vielleicht weniger in einem einzelnen Produkt als vielmehr in einem sehr konkreten Momentbild dessen, was die Augenoptik gerade im Begriff ist zu werden. Man kommt nach Paris, um die Kollektionen von morgen zu entdecken – aber auch, um zu verstehen, in welche Richtung sich unsere Branche entwickelt.



