| |

Die Kunst des Nietens

Bilder: Frank Sonnenberg

Eine fast verschwundene Tätigkeit neu belebt

Bis in die 90er Jahre gehörte es zum ganz normalen Repertoire eines Auszubildenden: das Nieten. Es gab kaum eine Brillenkollektion ohne Modelle mit Nieten oder Ziernieten, mit denen die Bügelscharniere an der Fassung befestigt wurden. Erst lösten Schwemmscharniere und später Bügelmetalleinlagen mit fertigem Scharnierteil diese Konstruktion ab. Heute sind sie wieder voll im Trend. Dies sieht nicht nur schick aus, sondern lässt sich auch relativ einfach reparieren. Wie es geht, zeigt unser Praxistipp. 

1.

Eine coole Sonnenbrille aus den 60er Jahren muss auf die Werkbank. Die Scharniere an den Bügeln sind unansehnlich geworden und werden ausgetauscht. Hauptwerkzeug sind dabei der Clavulus mit mindestens zwei einschraubbaren Werkzeugen (Nietzieher und Nietkopfmacher), eine Feile und ein Seitenschneider.

2.

Ursprünglich wurde eine Zierniete zur Befestigung der Bügel am Scharnier genutzt. Dieses wird nun durch jeweils zwei schlichte Ersatznieten ersetzt. Die Ziernieten am Mittelteil bleiben erhalten. Sie sehen noch gut aus. 

Nachdem die Bügel vom Mittelteil abgeschraubt sind, werden die Nieten mit dem Nietzieher mit leichtem Krafteinsatz aus dem Scharnier herausgedrückt.  Der Nietkopf muss dabei exakt getroffen werden. 

Anzeige
Essilor (Banner)

3.

Die gefräste Aufnahme für das Scharnier am Bügel liegt nun frei und kann gereinigt werden. Da die einzelnen Nieten eine konische Form haben, sollte ihre Passgenauigkeit geprüft werden. Steckt sie zu stramm im ursprünglichen Loch, ist es ratsam, sie einzeln einzusetzen und mit Hilfe des Clavulus durch Bügel und Scharnierloch zu drücken. Sitzt sie fest, kommt der Seitenschneider zum Einsatz. Die Niete wird auf der Scharnierseite in ein bis zwei Millimeter Höhe abgeschnitten. Das gilt auch für die zweite Niete.

4.

Im nächsten Schritt werden die Nieten auf 1 mm Höhe abgefeilt. Zum Schluss kommt der Nietkopfmacher zum Einsatz. Der überstehende Nietstift wird nun vorsichtig flachgedrückt, ohne das Scharnier zu verkratzen. Dabei entsteht ein Nietkopf mit halbrunder Form.

5.

Sitzt das Scharnier fest, kann noch die Oberfläche etwas nachpoliert werden. Wenn der Bügel wieder angeschraubt ist, sieht die alte Fassung fast wieder wie neu aus.

Da immer mehr Hersteller wieder auf die sowohl funktionale als auch akzentuierte Bügelbefestigung setzen, werden in Zukunft sicher häufiger Reparaturen dieser Art vorkommen. Schön, wenn dann noch ein Clavulus mit entsprechendem Werkzeug in der Werkstatt ist. Doch möglich ist dies auch ohne. Dabei werden dann ein kleiner Amboss und ein Hammer verwendet – und sehr viel mehr Geschick.

Ähnliche Beiträge

  • Interview mit Trendexpertin Selin Olmsted

    Vor fast einem Jahrzehnt hat Selin Olmsted ein auf Brillendesign, Trendprognosen und Produktentwicklung spezialisiertes Studio in den USA gegründet. Mit den Erkenntnissen aus ihrem jährlich veröffentlichten Eyewear Trend Report können Augenoptiker ihren saisonalen Fassungseinkauf noch besser planen.

  • Oakley: Ausrüstung für das Team USA bei Olympia

    Knapp ein Jahr vor der Eröffnungszeremonie der Olympischen Spiele 2024 in Paris hat Oakley angekündigt, dass die Sportbrillenmarke offizieller Partner des Teams USA und der Olympischen und Paralympischen Spiele LA28 sein wird.

  • Optimales Laufen mit Sportbrillen

    Die Idee, dass Sportbrillen die Leistung steigern können, mag für Laien überraschend klingen, ist bei näherer Betrachtung keineswegs abwegig. Vielmehr gilt: Wer entspannt sehen kann, hat eher Erfolg beim Sport – findet Laufcampus-Experte Andreas Butz. Hier geht es zum Beitrag.

  • Rudy Project: Sportbrillen-Launch zur Tour de France 2023

    Rudy Project hat zur Tour de France 2023, die am 23. Juli auf den Champs-Elysees endet, eine neue Sportbrille auf den Markt gebracht. Das Modell Kelion präsentiert sich in einer exklusiven perlmuttartigen Lackierung und ist den Athleten des Team Bahrain Victorious gewidmet.

  • J.F. Rey: Fabrice Albert wird Geschäftsführer

    Seit Mitte September hat der Brillenspezialist J.F. Rey einen neuen General Manager. Fabrice Albert, der seit 25 Jahren in der Augenoptik tätig ist, übernimmt in Marseille. Er bekleidete zuvor bereits zahlreiche Führungspositionen in der Branche und im Vertrieb.

  • Landesinnung MV: Fortbildung auf hohem Niveau

    Ende November fand in Plau am See (Mecklenburg-Vorpommern) die Herbst-Fortbildungsveranstaltung der Landesinnung der Augenoptiker und Optometristen Mecklenburg-Vorpommern in Kooperation mit den Innungen Berlin und Brandenburg statt.