Anzeige
Menicon (Banner)

DOG: Privates Silvester-Feuerwerk abschaffen für weniger Augenverletzungen

Augenärzte starten Petition für Verkaufsverbot

Das Verkaufsverbot für Feuerwerkskörper hat sich in den beiden Pandemiejahren insgesamt als effektive Maßnahme erwiesen: Die Gesamtzahl der Augenverletzungen zur Silvesterzeit hat sich um 86% in 2020/2021 und um 61% in 2021/2022 reduziert. Damit ist gleichwohl im zweiten Pandemiejahr trotz Verkaufsverbot die Zahl der Unfälle wieder leicht angestiegen, wie die aktuelle Umfrage der „Arbeitsgruppe Sicheres Feuerwerk“ der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) zeigt.

Diese Zunahme ist vermutlich unter anderem auf die gelockerten Versammlungsbeschränkungen zurückzuführen. Für dieses Jahr, in dem Pyrotechnik wieder frei verkäuflich ist, erwartet die DOG einen neuerlichen Anstieg bei den Augenverletzungen. Die Arbeitsgruppe will deshalb eine Petition auf den Weg bringen, die privates durch kommunales Feuerwerk ablöst.

Kommunales statt privates Feuerwerk

Seit Jahreswechsel 2016/2017 führt die DOG alljährlich zu Silvester eine Umfrage an notdienstleistenden deutschen Augenkliniken durch, um die Zahl der Augenverletzungen durch Feuerwerkskörper zu ermitteln. Insgesamt liegen für den Zeitraum von sechs Jahren Daten zu 2.151 Patienten mit Augenverletzungen durch Böller & Co vor, die jüngst publiziert worden sind.1 Auch zum Jahreswechsel 2022/2023 soll wieder eine Umfrage stattfinden.

Wie die Sechsjahres-Ergebnisse nun im Rückblick zeigen, erlitten in den Jahren ohne Verkaufsverbot konstant jeweils etwa 500 Betroffene in den Silvestertagen Augenverletzungen durch Pyrotechnik. „Im ersten Pandemiejahr 2020/2021 mit Verkaufsverbot sank die Verletztenzahl auf 79, was einer Reduktion um 86 Prozent entspricht“, berichtet Arbeitsgruppenmitglied Dr. med. Ameli Gabel-Pfisterer. Im Folgejahr 2021/2022 stieg die Zahl der Verletzten trotz Verkaufsverbot wieder leicht auf 193 an, was immerhin noch einen Rückgang im Vergleich zu den Vorpandemie-Jahren von 62% darstellt. „Die Zunahme gegenüber 2020/2021 könnte mit der etwas häufigeren Nutzung nichtzugelassener Feuerwerksartikel zusammenhängen“, so Gabel-Pfisterer. „Denn das Verbot wurde im vergangenen Jahr früher angekündigt, so dass Zeit war, sich im Ausland einzudecken.“

Gravierendere Silvester-Unfälle während den Pandemiejahren

Die erhobenen Daten ließen einen solchen Schluss zu, so die DOG. Während der Jahre 2020 bis 2022, in denen ein Verkaufsverbot für Feuerwerksartikel galt, stammte nach Aussage der Verletzten der ursächliche pyrotechnische Artikel bei 11% der Unfälle aus nicht offizieller Quelle – für die Jahre 2017 bis 2019 war dies nur bei 2% der Unfälle so angegeben worden. „Zudem waren die Verletzungen in den Pandemiejahren tendenziell schwerer, es gab relativ mehr stationäre Aufnahmen“, berichtet Arbeitsgruppenmitglied Professor Dr. med. Daniel Böhringer. „Neben der Nutzung nicht offizieller Pyrotechnik könnte dies auf einen Selektionseffekt besonders risikofreudiger privater Pyrotechniker zurückzuführen sein.“

Anzeige
Hecht (Banner)

Dennoch, so betont die AG Feuerwerk, wurde der größte Teil der Augenverletzungen auch während des Verkaufsverbots durch CE-zertifizierte Feuerwerksartikel hervorgerufen. „Die im Zusammenhang mit dem Verkaufsverbot befürchtete stärkere Verwendung von nicht offiziellem Feuerwerk führt zwar relativ zu etwas mehr schweren Verletzungen, ist mit Blick auf die absoluten Zahlen aber überschaubar“, erläutert Arbeitsgruppenmitglied Professor Dr. med. Hansjürgen Agostini. Es seien 10-mal mehr Schwerverletzte aus Unfällen mit offiziellen Feuerwerkskörpern festzustellen. „Das CE-Zeichen garantiert natürlich nur bei sachgerechtem Gebrauch ein gewisses Maß an Sicherheit“, stellt der Freiburger DOG-Experte klar.

„Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass ein Verkaufsverbot von privatem Feuerwerk eine effektive Maßnahme ist, um die Gesamtzahl der Augenverletzungen zu reduzieren“, bilanziert Agostini. Auch die Versammlungsbeschränkungen, die mit dem Verkaufsverbot angeordnet waren, entfalteten Wirksamkeit. So sank der Anteil der verletzten Zuschauenden von rund 62% in den Vor-Pandemiejahren auf 47% in 2020 und 2021.

Das sicherste Feuerwerk ist jedoch das professionelle. „In den 6 Jahren der Umfrage fand sich lediglich eine Patientin, die während einer öffentlichen Feuerwerksshow als Zuschauerin leicht verletzt worden war“, berichtet Agostini. Der Augenexperte startet daher eine Bundestags-Petition, die privates durch kommunales Feuerwerk ablösen will. „Ausgebildete Feuerwerker, etwa aus den Reihen der Feuerwehr, sollen ein gemeinsam erlebtes, sicheres Feuerwerk höchster Qualität zünden“, so der DOG-Experte. Die Petition befindet sich in der Prüfung und wird nach Veröffentlichung auf die Webseite der DOG gestellt: www.dog.org/augenverletzungen-durch-feuerwerkskoerper

1 https://link.springer.com/article/10.1007/s00347-022-01778-1

Quelle: DOG

Ähnliche Beiträge

  • Neuer Termin für das Scheunenfest

    Das Scheunenfest 2025, das jährliche Event von Lingelbachs Scheune – optische Phänomene e.V., hat einen neuen Termin. Es ist der 19. Juli 2025.

  • In eigener Sache: Frohe Weihnachten … und einen Top-Start in 2026!

    Wir gönnen uns eine kleine Auszeit, um die Gläser zu putzen und den Durchblick zu schärfen. Im neuen Jahr sind wir wieder für Sie da – mit frischen News, Trends und Fachinformationen rund um alle wichtigen Entwicklungen in der Augenoptik. Bleiben Sie dran, wir sehen uns!

  • Mister Spex: Lehrwerkstatt in Köln eröffnet

    Seit 2016 ist Mister Spex Ausbildungsbetrieb für die Augenoptik. Um an möglichst vielen Standorten bestmögliche Rahmenbedingungen für angehende Augenoptiker zu schaffen, wurde am 1. August 2023 die mittlerweile fünfte Lehrwerkstatt eröffnet.

  • Frohe Weihnachten und guten Rutsch in 2023

    Die FOCUS NetNews-Redaktion wünscht allen Lesern ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr! Nach einer kleinen Pause kehren wir ab dem 4. Januar 2023 wieder mit Neuigkeiten aus der Branche zurück.

  • Ipro: Europaweit geltende IT-Standards gefordert

    Ende November traf sich die OSVA, eine Vereinigung der wichtigsten Softwareanbieter für Augenoptiker in Europa, im italienischen Treviso. Mit dabei waren auch Ipro und Amparex mit ihrer Forderung nach europaweit geltenden IT-Standards für die Branche.

  • EssilorLuxottica: Einstieg in den Hörgerätemarkt

    EssilorLuxottica hat die Expansion in den Markt für Hörlösungen bekannt gegeben. Mit eigener Forschung & Entwicklung und der 100%igen Übernahme des israelischen Start-up Nuance werde die Gruppe eine neue Hörtechnologie einführen für leichtem bis mittlerem Hörverlust.