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Fallbeispiel: Ortho-K

Fallbeispiel nach dem SOAPE-Schema*

Dieser Fallbericht beschreibt den Entscheidungsprozess und die Optimierung einer Anpassung von Orthokeratologie-Linsen bei einem 16-jährigen Jungen im Rahmen des Myopie-Managements. Der Fall wird nach dem SOAPE-Schema strukturiert vorgestellt und verdeutlicht, wie sich durch Anpassungen des Linsendesigns die Zentrierung der Linse und der myopiekontrollierende Effekt verbessern lassen.

Ausgangssituation

Der Patient wurde ursprünglich im Mai 2021 zur Myopie-Behandlung an unsere Praxis überwiesen. In seiner Familie liegt eine ausgeprägte Myopie-Vorgeschichte vor, da beide Elternteile davon betroffen sind. Bei der Erstvorstellung trug er eine Einstärkenbrille für die Ferne und verwendete seit sechs Monaten jeden Abend 0,01% Atropin-Augentropfen. 

Er ist aktiv und spielt gerne Tischtennis, schwimmt und spielt Schach, verbringt jedoch mehr als vier Stunden pro Tag vor Bildschirmen. Er leidet zwar unter Heuschnupfen, nimmt aber keine regelmäßigen Medikamente ein.

Erstvorstellung im Mai 2021

Nach Rücksprache mit dem Patienten – und seiner Familie – wurde er mit Orthokeratologie-Kontaktlinsen versorgt, um sowohl seine fortschreitende Kurzsichtigkeit zu korrigieren als auch zu behandeln.

Folgeversorgung (August 2025)

Dieser Fallbericht konzentriert sich auf den letzten Besuch des Patienten im August 2025. Er kam zur Routineuntersuchung seiner Myopie und seiner Ortho-K-Linsen in die Praxis. 

Subjektiver Befund

Er berichtete von leichten Problemen mit dem Verkleben seiner Linsen über Nacht in den letzten zwei Monaten und benötigte mehr befeuchtende Augentropfen, um das Herausnehmen zu erleichtern. Er reinigt und desinfiziert seine Linsen mit Menicon MeniCare Plus Multifunktionslösung und Menicon Progent.

Objektiver Befund

Die klinischen Befunde der Untersuchung lauteten wie folgt:

Assessment

Die Beurteilung der Kontaktlinse am Auge erfolgte unter Verwendung von Natriumfluorescein-Färbung mit blauem Licht und einem Wratten-Gelbfilter. Die Linse wurde in eine zentrierte Position auf dem Auge gebracht, und die Augenlider wurden festgehalten, um jegliche Beeinflussung zu vermeiden. Insgesamt war die Passform der Linse an beiden Augen ausgezeichnet, mit ausreichender zentraler Überbrückung, einer angemessenen Auflagefläche auf der Hornhaut, einem guten Edge Lift und einem geeigneten Durchmesser.

Mithilfe des Pentacam Ortho-K-Verlaufskontrollen-Displays kann man die Veränderung der Hornhauttopographie analysieren:

Beide Linsen sorgten für die gewünschte optische Modellierung der Hornhaut, mit einer refraktiven Veränderung von -4,24 dpt bzw. -4,45 dpt am rechten bzw. linken Auge. Am rechten Auge wurde ein kleines „Central Island“ festgestellt, dass die unkorrigierte Sehschärfe jedoch nicht beeinträchtigte.

Der „Plus Power Ring (PPR)“ stellt die durch eine Ortho-K-Linse hervorgerufene Aufsteilung im mittleren Randbereich dar, basierend auf der tangentialen Krümmungskarte. Er verändert die Abbildungsfehler höherer Ordnung und erzeugt einen peripheren Defokus, der für den Effekt von Ortho-K Linsen im Myopie-Management verantwortlich gemacht wird.

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Die „PPR Pupil Ratio“ beschreibt, wie viel der photopischen Pupille vom Plus Power Ring bedeckt wird; bei diesem Patienten wurden am rechten Auge 5% und am linken Auge 7% gemessen. Die „PPR Pupil Ratio“ des Patienten liegt zwar unter der Obergrenze von 80%, die für gute Sehergebnisse erforderlich ist, aber auch unter der empfohlenen Untergrenze von 50­% für einen verbesserten Myopie-Kontrolleffekt.

Plan

Um das Myopie-Management zu optimieren, wurde dem Patienten empfohlen. beide Linsen auszutauschen, um seine PPR Pupil Ratio zu verbessern. Dies wurde durch eine Vergrößerung des Radius der hinteren optischen Zone (BOZR) und eine Verringerung der Breite der Reverszone (steilerer Rückflächenradius) erreicht, was zu einer kleineren Behandlungszone führte.

Nachkontrolle nach Neuanpassung (nach einem Monat)

Der Patient kam zur Nachuntersuchung, nachdem er seine neuen Kontaktlinsen einen Monat lang regelmäßig getragen hatte. Er berichtete von einer insgesamt klareren Sicht und einem höheren Tragekomfort der Kontaktlinsen.

Die Linsenbeurteilung ergab erneut eine sehr gute Zentrierung, Passform, Auflage und Edge Lift. Im Vergleich zum ursprünglichen Design waren die schmalere Rückkurve und die verstärkte Auflage im mittleren Randbereich deutlich erkennbar.

Mithilfe der Pentacam Ortho-K-Verlaufskontrolle können wir die Veränderung seiner Hornhauttopographie mit der neuen Kontaktlinse analysieren.

Durch die Anpassung seiner Ortho-K-Linsen verschwand die „Central Island“ im rechten Auge, und die PPR Pupil Ratio stieg im rechten Auge von 5% auf 23% und im linken Auge von 7% auf 41%.

Education

Weitere Änderungen am Linsendesign, um das PPR-Pupillenverhältnis (insbesondere im rechten Auge) über den Schwellenwert von 50% zu erhöhen, könnten eine weitere Verringerung sowohl des Durchmessers der optischen Zone der Rückfläche (BOZD) als auch des Durchmessers der Behandlungszone (TZD) der Linsen beinhalten. Dies wird im Folgenden anhand von Simulationen der Linsen am Auge veranschaulicht.

Auswertung der Wellenfront-Aberrometrie

Darüber hinaus lässt sich mithilfe des in der Pentacam AXL Wave integrierten Shack-Hartmann-Wellenfront-Aberrometers analysieren, wie sich das Aberrationsprofil dieses Patienten nach dem Austausch der Linse verändert hat.

Bei Verwendung einer 5-mm-Optikzone führten die Änderungen am Linsendesign am rechten Auge zu einem Anstieg der sphärischen Aberration um 28% und zu einer Verringerung der gesamten Koma-Aberrationen um 74%. Der deut­liche Rückgang der Koma-Aberrationen ist auf eine verbesserte Zentrierung der Linsenanpassung zurückzu­führen. Die Änderungen am linken Auge führten zu einem Anstieg der sphärischen Aberration um 26% und zu einem Anstieg der gesamten Koma-Aberration um 11%. 

Diese Ergebnisse zeigen, dass eine Optimierung des Linsendesigns zur Verbesserung der Zentrierung und der Pupillenabdeckung führt, die Symmetrie der Hornhautumformung und die Aberrationskontrolle verbessert und somit ein effektives Myopie-Management unterstützt. 

Dylan Bentley, BMedSc(VisSc), MOpt FIAOMC IACMM, ist ein staatlich anerkannter Optometrist, ausgebildet an der Flinders University in Südaustralien. Während seines Studiums absolvierte er klinische Praktika am College of Optometry der State University of New York und am Australian College of Optometry in Victoria. Für seine klinischen und akademischen Leistungen erhielt er ein Stipendium der American Academy of Optometry und wurde nach seinem Masterabschluss mit dem Academic Excellence Prize ausgezeichnet, der an den besten Studierenden der Abschlussjahre des Studiengangs vergeben wird. Er ist Fellow der International Academy of Orthokeratology and Myopia Control und verfügt über eine Zertifizierung der International Academy in Myopi-Management. Bentley interessiert sich vor allem für Kontaktlinsen, die Sehkraft von Kindern und das Management von Augenerkrankungen. 

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