Hormonelle Veränderungen in den Wechseljahren
– und ihre Auswirkungen auf die Augengesundheit
Die Wechseljahre stellen nicht nur eine hormonelle Umstellung dar, sie haben auch erhebliche Auswirkungen auf die Augengesundheit. Wichtig ist es für uns, die spezifischen Augenprobleme, die durch die hormonellen Veränderungen in dieser Lebensphase entstehen, zu verstehen und zu erkennen.
In diesem Artikel möchte ich das Thema „Veränderungen am Auge durch hormonelle Umstellungen bei Frauen in den Wechseljahren“ näher beleuchten. Diese Thematik habe ich bereits im Rahmen meiner Bachelorarbeit ausführlich untersucht. Dabei führte ich eine umfassende Literaturrecherche durch, um die Auswirkungen der hormonellen Veränderungen auf die Augengesundheit während der Wechseljahre zu erforschen. Dafür wurden wissenschaftliche Quellen aus Datenbanken wie PubMed und Google Scholar ausgewertet. Die relevanten Studien und Erkenntnisse wurden nach Kriterien wie Aktualität, Qualität und Relevanz analysiert, systematisch dokumentiert und für die Ziele der Bachelorarbeit zusammengeführt.
Die Wechseljahre stellen eine höchst bedeutsame Phase im Leben einer Frau dar, die durch tiefgreifende hormonelle Umstellungen geprägt ist. Diese Veränderungen haben weitreichende Auswirkungen auf verschiedene physiologische Systeme, darunter auch auf die Augengesundheit.1 Im Folgenden werden die spezifischen Veränderungen am Auge, die durch die hormonellen Umstellungen während der Menopause ausgelöst werden, sowie die Rolle von Hormonersatztherapien (HET) in diesem Zusammenhang beleuchtet.
Deutliche Veränderungen im Hormonspiegel wirken sich nachweislich auf die Augen aus
Während der Wechseljahre kommt es zu einem allmählichen Rückgang der weiblichen Geschlechtshormone, insbesondere von Östrogen und Progesteron. Diese hormonellen Veränderungen haben nachweislich erhebliche Auswirkungen auf die Augengesundheit1. Studien zeigen, dass Frauen in den Wechseljahren ein erhöhtes Risiko für verschiedene Augenerkrankungen tragen, darunter das Trockene Augen-Syndrom, grauer Star (Katarakte), grüner Star (Glaukom) und altersbedingte Makuladegeneration.
Trockene Augen: Ein häufiges Problem bei Frauen in den Wechseljahren ist das Auftreten des Syndroms des Trockenen Auges. Diese Erkrankung, die mit Beschwerden wie Brennen, Rötung und einem Fremdkörpergefühl einhergeht, wird durch die abnehmenden Östrogenspiegel verstärkt. Der Rückgang der Tränenproduktion und -qualität, der mit hormonellen Veränderungen verbunden ist, trägt maßgeblich zur Entstehung dieser Symptome bei2-4. Interessanterweise kann die Verabreichung von reinem Östrogen als Teil einer HET die Beschwerden verschlimmern5,6. Andererseits zeigt eine kombinierte HET aus Östrogen und Progesteron einen schützenden Effekt und kann das Risiko für trockene Augen reduzieren5.
Katarakte und Glaukom: Neben trockenen Augen ist das weibliche Geschlecht in den Wechseljahren auch einem erhöhten Risiko für die Entwicklung von Katarakten7,8 und Glaukom9,10 ausgesetzt. Die Mechanismen hinter den beiden Erkrankungen sind komplex und eng mit den hormonellen Veränderungen während der Menopause verknüpft. Der Rückgang der Östradiol- und Testosteronspiegel beeinflusst die Hämodynamik des Auges, was zu einer erhöhten Blutflussgeschwindigkeit in der Augenarterie (Arteria ophthalmica) und der zentralen Netzhautarterie führen kann11. Dies könnte den Gefäßwiderstand in den Arterien hinter dem Augapfel (retrobulbäre Arterien) verringern12,13, was insbesondere für das Glaukom von Bedeutung ist. Eine frühzeitige HET kann das Risiko für die Entwicklung eines Glaukoms möglicherweise reduzieren10,14,15, jedoch werden die Studienergebnisse in Bezug auf den Einfluss von HET auf Katarakte16-19 und auf den Augeninnendruck10, 20-22 kontrovers diskutiert. Während einige Studien positive Effekte der HET auf die Augengesundheit zeigen, deuten andere auf potenzielle Risiken hin, was eine differenzierte Betrachtung und individuelle Anpassung der Therapie erfordert.
Altersbedingte Makuladegeneration (AMD): Ein weiteres bedeutendes Risiko für Frauen in den Wechseljahren ist die altersbedingte Makuladegeneration23,24, eine der Hauptursachen für Sehverlust im Alter. Die Forschung legt nahe, dass HET das Risiko für AMD verringern könnte, was auf den Einfluss von Östrogen auf die Netzhaut und die Makula zurückgeführt wird25-27. Es bleibt jedoch wichtig, dass diese potenziellen Vorteile gegen die individuellen Gesundheitsrisiken abgewogen werden.
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Veränderungen am Auge 19956_7752f9-47> |
Auswirkungen in den Wechseljahren 19956_f08496-7a> |
Auswirkungen während der Hormonersatztherapie 19956_0832cb-a3> |
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Syndrom des Trockenen Auges 19956_e0e0bd-71> |
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Katarakt 19956_851f28-8e> |
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Augeninnendruck 19956_16d7eb-00> |
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Glaukom 19956_2cb981-29> |
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Altersbedingte Makuladegeneration 19956_c75f1d-16> |
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Tab. 1: Veränderungen am Auge in den Wechseljahren und während der Hormonersatztherapie
Bedeutung interdisziplinärer Zusammenarbeit
Die Ergebnisse der bisherigen Forschung verdeutlichen die Notwendigkeit einer engen interdisziplinären Zusammenarbeit zwischen Gynäkologen und Augenärzten, um maßgeschneiderte Behandlungsansätze für Frauen in den Wechseljahren zu entwickeln. Angesichts der Komplexität der hormonellen Interaktionen mit der Augengesundheit ist es entscheidend, dass medizinische Fachkräfte zusammenarbeiten, um eine ganzheitliche Gesundheitsversorgung zu gewährleisten.
Eine individualisierte Hormontherapie könnte potenziell dazu beitragen, die Lebensqualität von Frauen in den Wechseljahren zu verbessern und die Prävention sowie Behandlung von Augenerkrankungen zu optimieren. Gleichzeitig muss jedoch betont werden, dass die Entscheidung für oder gegen eine HET sorgfältig unter Berücksichtigung der spezifischen gesundheitlichen Voraussetzungen der Patientin getroffen werden sollte.
Schlussfolgerungen und Ausblick
Die Wechseljahre sind eine kritische Phase im Leben einer Frau, die nicht nur das hormonelle Gleichgewicht, sondern auch die Augengesundheit erheblich beeinflusst. Während die Forschung wichtige Erkenntnisse über die Auswirkungen hormoneller Veränderungen auf die Augen geliefert hat, besteht weiterhin ein großer Bedarf an zusätzlicher wissenschaftlicher Untersuchung, um die komplexen Zusammenhänge vollständig zu verstehen.
Zukünftige Studien sollten sich darauf konzentrieren, die Mechanismen hinter den hormonellen Einflüssen auf die Augengesundheit weiter aufzuklären und klare Leitlinien für die Anwendung von HET zu entwickeln. Nur durch ein vertieftes Verständnis dieser biologisch komplexen Prozesse kann eine verbesserte Behandlung und Prävention von Augenerkrankungen bei Frauen in den Wechseljahren erreicht werden.
Insgesamt zeigt sich, dass die Wechseljahre nicht nur als hormonelle, sondern auch als ophthalmologische Herausforderung betrachtet werden müssen, die eine integrierte und individuell angepasste Betreuung erfordert.

Anika Haustein, B.Sc., machte 2019 ihr Abitur und begann noch im selben Jahr ein Studium der Optometrie an der Ernst-Abbe-Hochschule Jena. Anschließend vertiefte sie ihr Fachwissen mit dem Masterstudium in Optometrie, Ophthalmotechnologie und Vision Science. Derzeit arbeitet sie an ihrer Masterarbeit.
*Mitgewirkt an der Erstellung haben neben der Autorin: Laura Hanenberg, M.Sc. (Lehrbeauftragte Ernst-Abbe-Hochschule), Prof., Dipl.-Ing. Wolfgang Sickenberger, M.Sc. Optom. (Ernst-Abbe-Hochschule Jena)
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