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KI, KI, KI … und sonst so?

Bild: Nick Fancher/unsplash.com

Was Branchenköpfe über die Zukunft der Augenoptik denken

Kein Thema dominiert die Prognosen in Bezug auf unsere Arbeitswelt mehr: Künstliche Intelligenz ist auf der Überholspur. Müsste nicht schon aufgrund des Fachkräftemangels diese Technologie zumindest eine Option sein in Bereichen, die es nach ethischen Maßstäben zulassen? Auch in der Welt der Augenoptik? 

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Und welche weiteren Entwicklungen wie Digitalisierung, Nachhaltigkeit & Co. sollten wir im Blick behalten? Zu Beginn des Jahres und als Einstimmung in weiterhin aufregende Zeiten haben wir wichtige Köpfe aus der Augenoptik-Branche dazu gefragt.

Christian Müller 

Präsident Zentralverband der Augenoptiker und Optometristen (ZVA)
„Wie finde ich die richtigen Mitarbeiter? Diese Frage wird die Augenoptik auch zukünftig bewegen, denn der Fachkräftemangel verschwindet nicht von heute auf morgen. Digitalisierung und KI werden uns zwar bei (vorwiegend diagnostischen) Aufgaben unterstützen und diese vereinfachen. Kennzeichnend für die Profession unseres Berufs sind jedoch die richtige Einordnung von Ergebnissen sowie die anschließende Kundenberatung und -versorgung. Und das muss gelernt sein! Umso wichtiger wird daher die stetige Verbesserung der Aus- und Weiterbildung in Augenoptik und Optometrie werden. Denn die Bevölkerung wird immer älter und die Relevanz unserer diagnostischen Kompetenz immer wichtiger – besonders im Hinblick auf die flächendeckende augenoptische Versorgung jenseits der Ballungsräume.“

Katrin Pietschmann  

Geschäftsführerin Fielmann Ventures
„Omnichannel, Augengesundheit, Fachkräftemangel, Mode und Smart Glasses sind die fünf großen Buzz-Wörter der Augenoptik in den kommenden Jahren. Als größte Herausforderungen sehe ich den Fachkräftemangel einhergehend mit einer Flexibilisierung von Arbeit bei sich wandelnden Kundenbedürfnissen und unserem Anspruch, die Kundenzufriedenheit konstant hochzuhalten. 
Omnichannel bleibt Standard, Künstliche Intelligenz unterstützt die persönliche Beratung und optimiert das Kundenerlebnis, neue Messtechnologien ermöglichen neue Geschäftsmodelle, und Augenvorsorgeangebote beim Optiker werden von immer mehr Kunden erwartet. Wesentlicher Wachstumstreiber ist die demografische Entwicklung, aber auch das häufige Nahsehen lässt den Bedarf an Brillen und Kontaktlinsen steigen. 
Die Wertschätzung für die augenoptische Versorgung wird in der Gesellschaft durch die Integration von Augenvorsorgeangeboten weiterwachsen. Augenoptiker werden in Zukunft zur niederschwelligen Anlaufstelle für gutes Sehen allgemein und verbessern die Kundenerfahrung durch die smarte Nutzung von Technologien weiter.“

Matthias Kirchhübel  

Geschäftsführer Oculus Optikgeräte
„Die Optik-Branche steht in den kommenden Jahren vor der Herausforderung, ihre ­Arbeitsweisen, Dienstleistungsangebote, aber auch Herstellungsverfahren an die sich wandelnden Anforderungen des Marktes anzupassen. Trendthemen (wie bspw. Smart Glasses, 3D-Druck, Telemedizin) bieten etliche Chancen zur Diversifikation. So werden sowohl der High-Fashion-Trendoptiker als auch der Optometrist mit Myopie-Management und Sklerallinsen-Anpassung nebeneinander ihren Erfolg am Markt haben. Dabei wird auch die persönliche Beratung und Betreuung der Kunden weiterhin einen hohen Stellenwert einnehmen. 
Wer seine Kunden nicht kennt, nicht am Markt präsent ist, oder nicht über neue Technologien und Produkte verfügt, dürfte es zukünftig noch schwerer haben, Kunden zu binden und erst recht neue zu gewinnen. Der Augenoptik-Betrieb der Zukunft bietet individualisierte und digitale Prozesse zur Kundenbindung, Terminvereinbarung, Screening, Diagnostik und Bestellung an.“

Christoph Hinnenberg  

Geschäftsführer Vertrieb und Marketing DACH Zeiss Vision Care
„Die Branche wird sich weiterentwickeln, denn die Bevölkerung altert, Ansprüche an gutes Sehen und neue Herausforderungen wie Myopie nehmen zu. Langfristige Aufgaben wie Nachhaltigkeit und Fachkräftegewinnung bleiben und die Branche verändert sich dynamisch weiter. 
Der Markt wird weiter konsolidiert, Optiker werden sich stärker vernetzen, um Synergien zu nutzen und neue Serviceleistungen anbieten zu können. Ophthalmologische Dienstleistungen – etwa die Prüfung des Augenvorder- und Hintergrundes – werden vermehrt nachgefragt. 
Individuelle Beratungs- und Betreuungskonzepte, denken Sie nur an progressive Myopie, werden den Alltag im augenoptischen Fachgeschäft viel stärker bestimmen. Die Industrie wird sich auch in Zukunft rund um den Optiker als Experte für gutes Sehen aufstellen.“

Katja Schmelzing  

General Managerin DACH Johnson & Johnson Vision
„Digitalisierung und KI ermöglichen in Zukunft, Kontaktlinsen noch stärker zu personalisieren und viele Prozesse in der Fertigung, Beratung und Anpassung effizienter und kundenorientierter zu gestalten: etwa durch den Einsatz KI-gestützter Anamnese, durch Online-Screening und digitale Refraktion. Kontaktlinsenspezialistinnen und -spezialisten benötigen dafür eine umfassende Aus- und Weiterbildung, profitieren aber auch in vielerlei Hinsicht davon: Sie verfügen über mehr Daten, können dem Fachkräftemangel durch automatisierte Prozesse entgegenwirken und sich gleichzeitig stärker auf ihre Kundinnen und Kunden konzentrieren. Nicht zuletzt können sie mit digitalen Services ihre Kundenorientierung, ihre Schnelligkeit und Flexibilität und auch ihren Umsatz steigern. So sollten wir die in Deutschland 6 Mio. an Kontaktlinsen-Interessierten bis 2030 gemeinsam in treue Kontaktlinsen-Kunden umwandeln können.“

Thomas Akiyama  

Geschäftsführer Aoyama Optical Germany
„Die größte Herausforderung innerhalb der nächsten fünf Jahre in unserer Branche ist das fehlende Personal. Der sukzessive Ausstieg der Babyboomer-Generation in den Ruhestand wird aufgrund des fehlenden Fachkräftenachwuchses nicht aufgefangen. 
Auch der Konzentrationsprozess der Filialisten wird, auch bedingt durch branchenfremde Kapitalgeber, weiterhin zunehmen. Eine Abgrenzung des Einzelunternehmers gegenüber den Filialisten erschwert der Kostendruck. 
Themen wie Digitalisierung, Optometrie und Screenings sind bereits heute präsent. Im Bereich des Screenings wird die KI an Bedeutung gewinnen. 
Die gesteigerte Aufmerksamkeit für Augengesundheit, bei gleichzeitig zunehmender Belastung der Augen durch digitale Geräte, benötigt zunehmend qualifizierte Beratung durch Spezialisten. Verglichen mit anderen Branchen, deren stationärer Einzelhandel durch den digitalen Verdrängungsprozess stark beeinträchtigt ist, wird sich der spezialisierte Augenoptiker – bei allen ernstzunehmenden Herausforderungen – weiterhin gut behaupten.“

Mirjam Rösch   

Vorsitzende Consumer Optics Spectaris
„Perspektive Zukunft – und wie! Die Kontraste zwischen dem bewährten Status quo und den Folgen der bevorstehenden Technologiesprünge versprechen ähnlich groß zu werden wie die Gräben und Scheren inmitten unserer Gesellschaft. Ein traditioneller Beruf für die Wahrung höchsten Sehkomforts wird zwar auch weiter in gelernten Bahnen zu guter Wertschöpfung führen. Die Technologiesprünge der Künstlichen Intelligenz und ihre exponenziellen Kurven vermögen wir aber aktuell schwer zu greifen. Das könnte rasant werden und ständige Fort- und Weiterbildung erst recht elementar werden lassen. Mit Auswirkungen auch auf Refraktion, ­Marketing oder Beschaffung. Da liegen faszinierende Jahre vor uns. 
Buzz-Wörter wie KI, Digitalisierung, Mixed-Reality-Brillen oder Online-Refraktion begleiten uns ja schon länger, jetzt werden sie konkret. Vergessen wir aber auch nicht Demografie, Fach- und Arbeitskräftemangel oder stabiles Konsumklima, das wird fordernd. Die Anforderungen an unsere Augen werden immer höher, womit wir ein wichtiger Teil eines größeren Zukunftsprojektes bleiben. Wir sehen zudem tolle Geschäftsmodelle und Projekte am Markt. Da ist mir nicht bange. Außerdem begrüßen wir die Optometrie mit ihrer Höherqualifizierung, den Fokus auf das Myopie-Management oder die neuen Chancen der Telemedizin. Mögen sie letztlich doch auch die ersehnten Brücken zwischen Augenärzten und Augenoptikern werden. Ich wünsche allen ein gesundes, zufriedenes, erfolgreiches 2024!“

Thomas Pfanner    

General Manager Deutschland und Österreich Rodenstock
„Was mich zuversichtlich für die Augenoptik der Zukunft macht, ist, dass sich weiterhin ein großer Bedarf an hochentwickelten und individuell angepassten Brillengläsern abzeichnet. Hier spielt natürlich der zunehmende digitale Konsum sowie die Altersentwicklung der Gesellschaft eine große Rolle. So können wir unseren Kunden als starker Partner mit unseren biometrischen Brillengläsern genau die passenden Produkte anbieten. Auch die Künstliche Intelligenz wird ein spannendes Thema der Augenoptik der Zukunft bleiben und weiter ausgebaut werden, da die Möglichkeiten, die diese Technologie bietet, immens sind. Bei unseren biometrisch normierten Brillengläsern fertigen wir mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz schon jetzt Brillengläser, die weitaus präziser als herkömmliche Alternativen zum individuellen Auge passen – und arbeiten wie bei jeder innovativen Technologie von uns daran, diese stetig weiterzuentwickeln und auszubauen.“

Alberto Macciani   

Global Head of Home Brands, Nachhaltigkeit und Kommunikation Safilo
„Angesichts wirtschaftlicher Herausforderungen wie der Inflation rechnet die Brillenindustrie mit Hürden in den Bereichen Innovation, Nachhaltigkeit und Digitalisierung. 
Safilo, als globales, agiles Unternehmen, sieht diese Herausforderungen als Chancen.
Lösungen wie Smart Glasses werden die einzigartige Verbindung von Mode, Gesundheit und Technologie in der Branche weiter unterstreichen. Safilo setzt auf eine kundenorientierte Strategie und gestaltet die Beziehungen zu Augenoptikern aktiv um. Die Einführung unserer digitalen E-Commerce-B2B-Plattform spiegelt unser Engagement wider, Augenoptiker mit innovativen Tools zu unterstützen und eine hybride Beziehung mit einem erweiterten digitalen Fokus zu schaffen.“

Andrea Vieth    

Director Commercial Topcon Deutschland Medical
„Die Integration von KI, insbesondere im Bereich des Myopie-Managements, wird eine herausragende Rolle in der Augenoptik-Branche spielen. Zudem wird sie sich mit der Herausforderung der Digitalisierung auseinandersetzen müssen, wobei die Nutzung von KI und der Fachkräftemangel zentrale Bereiche sind. Die verstärkte Zusammenarbeit mit Ophthalmologen und die Zunahme einer alternden Gesellschaft mit früher auftretenden Augenerkrankungen, welche einen erhöhten Bedarf an Sehkorrekturen mit sich bringt, schaffen neue, vielversprechende Aufgabenfelder. Hierzu zählen auch verstärkt optometrische Dienstleistungen wie Screenings. 
Ein Blick in die Zukunft des Augenoptik-Betriebs in zehn Jahren zeigt einen digitalisierten Betrieb, der durch KI unterstützt wird. Möglicherweise bieten auch Remote-Lösungen einen erweiterten Zugang zu optometrischen Dienst­leistungen. Diese Entwicklungen signalisieren eine innovative und technologisch fortschrittliche Richtung für die kommenden Jahre.“

Oliver Feutlinske    

Prokurist und Vertriebsdirektor Deutschland Breitfeld & Schliekert
„Augmented-Reality-Brillen, Nachhaltige Brillenmode, Smarte Kontaktlinsen, Personalisierte Sehkorrekturen, Teleoptometrie – das sind die Buzz-Wörter der Augenoptik in nächster Zeit. Herausfordernd werden die schnellen technologischen Fortschritte, Veränderungen im Verbraucherverhalten, globale Gesundheitsthemen, Nachhaltigkeitsanforderungen und die wachsende Konkurrenz durch Innovationen wie Online-Sehtests sein. 
Zu Entwicklungen und Technologien, die Einzug halten könnten, zählen sicherlich Fortschritte bei der Digitalisierung und KI-gestützte Diagnosen. Auch der Einsatz nachhaltiger Materialien wird in Anbetracht der klimatischen Veränderungen ein wichtiges Thema sein. Was uns von anderen Branchen unterscheidet, ist die steigende Nachfrage nach Sehhilfen für alle Altersgruppen – bedingt durch die Digitalisierung insbesondere bereits für jüngere Zielgruppen. Von daher wird es in zunehmendem Maße die medizinische Notwendigkeit zur Korrektur geben. In zehn Jahren werden augenoptische Betriebe deutlich mehr KI für ihre Diagnoseprozesse einsetzen und virtuelle Realität für Brillenanpassungen nutzen.“

Jan Thore Föhrenbach    

Vision Care Franchise Head DACH Alcon
„Alcon investiert kontinuierlich in Forschung und Entwicklung – mehr als jedes andere Eyecare-Unternehmen. Wir haben viele neue Produkte in der Pipeline, die den Verbrauchern mehr Lösungen für brillantes Sehen bieten werden. 
Die Verwendung von Kontaktlinsen in der Bevölkerung ist immer noch recht gering, sodass die größte Chance darin besteht, die Marktdurchdringung durch die Gewinnung neuer Kontaktlinsenträger signifikant zu erhöhen und die Zahl der Aussteiger zu verringern. Die alternde Bevölkerung bietet weitere Möglichkeiten, indem Kunden komfortable Optionen zum Beispiel bei Multifokallinsen angeboten werden. Zudem müssen wir bei jungen Talenten das Interesse für den Beruf des Augenoptikers entwickeln, indem wir die Ausbildungsmöglichkeiten verbessern. Die Möglichkeiten im digitalen Bereich sind praktisch endlos. Digitale Lösungen helfen dabei, den Weg des Verbrauchers von der Ansprache über die Diagnose, Anpassung und Nachsorge bis hin zur Kundenbindung zu verbessern. Alcon hat auch in diesem Bereich innovative Lösungen, um unsere Augenoptiker und Kunden permanent zu unterstützen.“

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