Anzeige
MIDO (Banner)
| |

Pädiatrische Sklerallinsen

Bilder: Silke Sage

Die Versorgung und Behandlung von Sehproblemen im Kindesalter ist eine besondere Herausforderung, vor allem wenn herkömmliche Sehhilfen nicht ausreichen. Sklerallinsen sind eine vielversprechende Alternative, die in den vergangenen Jahrzehnten zunehmend zur Behandlung von Erkrankungen der Augenoberfläche, unregelmäßigen Hornhautgeometrien und komplexen Refraktionsfehlern eingesetzt werden. Eine retrospektive 21-Jahres-Studie von Carrasquillo et al.1 unterstreicht die langfristigen Auswirkungen und Vorteile von Sklerallinsen in der pädiatrischen Versorgung.

Patientenprofil und Studiendesign

Zwischen 1998 und 2019 wurden insgesamt 209 Augen von Kindern und Jugendlichen analysiert, um die Wirksamkeit und Verträglichkeit von Sklerallinsen zu untersuchen. Die Studie umfasste 108 männliche und 101 weibliche junge Betroffene mit einem Durchschnittsalter von 10,6 Jahren zu Beginn der Behandlung. Die Patienten wurden in zwei Hauptgruppen eingeteilt: 147 Augen (70%) hatten Erkrankungen der Augenoberfläche wie Keratokonus, Aniridie oder Hornhautdystrophie, während 62 Augen (30%) unregelmäßige Hornhautformen oder hohe Brechungsfehler aufwiesen, die eine Korrektur erforderten.

Langfristige Ergebnisse

Ein wichtiges Ergebnis der Studie war die hohe Akzeptanz der Sklerallinsen bei den Patienten. Von den 209 behandelten Augen trugen 147 (70%) die Linsen über einen langen Zeitraum hinweg. Die durchschnittliche Tragedauer betrug 8,2 Jahre. Nur 16 Augen (8%) brachen das Tragen von Sklerallinsen ab, wobei Schwierigkeiten bei der Handhabung und Unbehagen als Hauptgründe genannt wurden.

Visuelle Verbesserung

Ein Hauptziel der Studie war die Messung der Auswirkungen von Sklerallinsen auf die Sehschärfe. Die mittlere LogMAR-Sehschärfe verbesserte sich während des Einsatzes der Linsen deutlich von 0,93 auf 0,43. Dies entspricht einer signifikanten Verbesserung der Sehkraft, die den ­Patienten eine höhere Lebensqualität bietet. Selbst bei der letzten Messung war eine anhaltende Verbesserung festzustellen, wobei der LogMAR-Wert bei 0,4 blieb.

Objektivparameter und Anpassung im Zeitverlauf

Die Analyse ergab, dass sich der durchschnittliche Linsendurchmesser im Laufe der Jahre leicht verändert hat. Ursprünglich lag er bei 17,7 mm, stieg aber auf 18,2 mm an. Die Linsen wurden auf der Grundlage der Entwicklung des Auges und der spezifischen Anforderungen der Patienten angepasst. Die größere Linsengröße widerlegte die frühere Annahme, dass kleinere Linsen besser für Kinder geeignet seien. Vielmehr erwiesen sich die größeren Sklerallinsen als stabiler und komfortabler.

Anzeige
Retinalyze (Banner)

Faktoren für eine erfolgreiche Bewerbung

Die Studie unterstreicht die entscheidende Rolle von Eltern und Betreuern, insbesondere bei jüngeren Patienten. Eine konsequente Betreuung und Unterstützung erleichterten die Anpassung und das langfristige Tragen erheblich. Darüber hinaus erwies sich eine regelmäßige Nachsorge durch Experten als wesentlich, um die bestmögliche Anpassung und Behandlung der Linsen zu gewährleisten.

Fazit

Die Ergebnisse dieser Langzeitstudie unterstreichen, dass Sklerallinsen eine wirksame und nachhaltige Option für die therapeutische und visuelle Rehabilitation bei Kindern sind. Sie können insbesondere bei Patienten mit komplexen Sehproblemen deutliche Verbesserungen des Sehvermögens und des Lebensstils ermöglichen. Der erfolgreiche Einsatz von Sklerallinsen in der Pädiatrie erfordert jedoch eine umfassende Betreuung, eine individuelle Anpassung und die aktive Beteiligung von Eltern und Augenärzten.

Die Studie liefert überzeugende Beweise für die Sicherheit und Wirksamkeit von Sklerallinsen bei pädiatrischen Patienten und legt nahe, dass sie als frühe Behandlungsoption in Betracht gezogen werden sollten. Die kontinuierliche Weiterentwicklung der Linsentechnologie und der Anpassungstechniken kann ihren Einsatz in Zukunft optimieren, um die bestmögliche Versorgung der betroffenen Kinder zu gewährleisten.


Die Studie zusammengefasst von Karen Carrasquillo

Diese große Stichprobe (209 Augen) und die retrospektive Langzeitstudie (21 Jahre) über die Ergebnisse von Sklerallinsen bei Kindern belegen, dass Sklerallinsen eine wirksame Behandlungsoption für die pädiatrische Patientenpopulation darstellen. Das Durchschnittsalter zum Zeitpunkt des Behandlungsbeginns betrug 10,6 Jahre, und zum Zeitpunkt der letzten Untersuchung lag es bei 14,7 Jahren. 70% der Patienten trugen zum Zeitpunkt der Überprüfung weiterhin Sklerallinsen, mit einer durchschnittlichen Tragedauer von acht Jahren. Der mittlere Anfangsdurchmesser von 17 mm stieg zum Zeitpunkt der letzten Auswertung in unserer Kohorte auf einen mittleren Enddurchmesser von 18,2 mm an, was zeigt, dass große Durchmesser bei dieser Patientengruppe kein Hindernis für ein erfolgreiches Linsentragen zu sein scheinen. Sowohl bei Erkrankungen der Augenoberfläche als auch bei irregulären Hornhaut-/Refraktionsbedingungen konnte eine statistisch signifikante visuelle Rehabilitation festgestellt werden. Nur 8% der Augen in unserer Kohorte brachen das Linsentragen ab, und bei diesen waren Probleme beim Aufsetzen und Abnehmen der Linsen der Hauptgrund für den Abbruch.


Ähnliche Beiträge

  • Glosse: Einfach mal eine Scheibe abschneiden

    Wenn Étienne Klein auf Netzhautanalysen trifft, die laut ZVA ohne Einbindung eines Augenarztes „nicht per se unerlaubt“ sind, und dann auch noch Chorizo ins Spiel kommt, dann muss es sich doch um die FOCUS-Glosse von Lars Wandke handeln?! Ja, das ist richtig. Und Sie dürfen sie nicht verpassen.

  • CooperVision: Jedes Jahr eine Innovation

    Im beschaulichen Eppertshausen hat CooperVision seinen Firmensitz für Deutschland, Österreich und die Schweiz. Die Fäden eines der größten Anbieter für Kontaktlinsen im deutschsprachigen Raum laufen in diesem eher ländlich geprägten Dreieck zwischen Frankfurt, Darmstadt und Aschaffenburg zusammen. FOCUS war vor Ort.

  • Rundes Jubiläum in Münster

    Authentisch, dynamisch und erfolgreich zeigt sich nun seit 76, nicht mehr 75 Jahren die Firma Koberg & Tente. Weil es Corona-bedingt letztes Jahr nicht so gern gesehen war, in großer Runde zu feiern, wurde das damals runde Jubiläum Mitte September am Firmenstandort in Münster nachgeholt.

  • Morrow: Addition mit einem Knopfdruck

    Ein Unternehmen im belgischen Gent entwickelt eine Brille für Presbyope der anderen Art: Eine Fernbrille mit Addition per Knopfdruck. In manchen Regionen der EU ist die 3D-gedruckte smarte Brille bereits im Handel erhältlich. FOCUS war in Belgien und hat sich die Produktion vor Ort angesehen und die Brille getestet.

  • Optometrische Dienstleistungen

    Per Definition handelt es sich bei einer Dienstleistung um ein immaterielles Wirtschaftsgut, welches auf dem Markt angeboten wird und von Kunden nachgefragt werden kann. Uns Augenoptikern bieten sich viele Möglichkeiten, optometrische Dienstleistungen anzubieten und durchzuführen. In einer Zeit, in der Augenärzte in manchen Regionen Mangelware sind, ist die Nachfrage eigentlich eine sichere Sache. Trotzdem ist es bei Weitem nicht üblich, sich die Leistungen rund um eine Brille oder Kontaktlinse vergüten zu lassen. Warum ist das so?

  • KI als digitaler Assistent

    Die Zukunft des Kundendienstes beginnt jetzt: Dank Künstlicher Intelligenz (KI) können Augenoptiker einen Rund-um-die-Uhr-Service anbieten, der den Kunden immer zur Verfügung steht, ohne dass zusätzliche personelle Ressourcen erforderlich sind.