Anzeige
Menicon (Banner)

Präsenzmesse 

Eine stilisierte Aufnahme von einer Menschenmenge auf einer Messe.
Foto: engel.ac/stock.adobe.com

Kilometerlange Staus wie zu den Anfängen der Opti werden wir ganz sicher in diesem Jahr nicht sehen, wie sie sich in München auf der A9 abspielten. Damals. Als die Augenoptiker in Massen nach München fuhren, um die noch junge Opti zu besuchen. Auch nicht die chaotischen Zustände an der Garderobe mit langen Wartezeiten, weil niemand mehr in der unübersehbaren Masse die aufgegebenen Jacken und Koffer finden konnte. Da fand die Opti noch auf dem kleineren Messegelände M.O.C. statt, doch das war bald zu klein und die Messe München gab der Opti eine neue Heimat. 

Bald darauf kam die GHM ins Spiel und führte die Opti zu einer professionellen, großen und anerkannten Fachmesse. Je nach Perspektive hatte die Opti 2019 einen vorläufigen Höhepunkt mit ihren fünf Hallen, 631 Ausstellern und 28.000 Besuchern. Die Messe wurde noch internationaler und die Industrie bekam davon eine ganze eigene Dreiviertel-Halle. 2020 legte sie dann flächenmäßig noch einen drauf mit der sechsten Halle bei ähnlich hoher ­Besucherzahl – aber etwas weniger Ausstellern. Selten hatte eine Ausgabe der Opti so polarisiert wie diese. „Eine Halle zu viel“, „zu weite Wege“, „ungerechte Verteilung der Plätze“ oder „zu teuer“, … hieß es. 

Dann der große Bruch – der geplante biennale Umzug nach Stuttgart – doch das haben wir alle nicht mehr erlebt, denn der Bremsklotz war ein ganz anderer: Die Pandemie war bereits im vollen Gang und wir werden nie erfahren, wie es dort gewesen wäre. Dieser von außen herbeigeführte Schnitt hat mit der Messelandschaft und der Veranstaltungsindustrie etwas gemacht, und zwar offenbar nachhaltig.  

Der immer weiter aufgepumpte bunte Messe-Ballon, der sich scheinbar immer weiter mit immer neuen Inhalten, Flächen, Themen und Besuchern füllen konnte, platzte nur wenige Wochen vor der Eröffnung. Was blieb, waren neue und alte Vertriebsformen, die Besinnung auf eigene Formate, Roadshows, Digitalevents oder einfach nur nix. Und die Erkenntnis: Es ist irgendwie auch ohne gegangen.

Die Opti 2022 sollte wieder wie gewohnt stattfinden. Tat es aber nicht, denn erneut ließ es die Corona-Lage mit hohen Inzidenzen im Dezember und Januar nicht zu. Die in den Mai verschobene Messe hatte zwar ganz neue Qualitäten – ­München im Frühling, geöffnete Biergärten, Menschen auch ohne Kippe im Freien zwischen den Messehallen – aber sowohl in der Fläche als auch bei den Besucherzahlen kam die Messe nicht mehr an die alte Größe heran. So – und nun sind wir also bei drei Hallen im Januar 2023.

Anzeige
Essilor (Banner)

Dabei wäre die Lage gut: ZVA-Präsident Thomas Truckenbrod sagt in dieser Ausgabe „Trotz geringer Erwartungen für 2022 fiel die Entwicklung der Branche nach den beiden Pandemiejahren verhalten positiv aus.“ Und auch die meisten befragten Industrievertreter in dieser Ausgabe ziehen eine positive Resonanz zum vergangenen Jahr und loben die robuste ­Augenoptik. Sie sehen daher eher optimistisch in die Zukunft.

Hinzu kommt: Es gibt im ganzen Land eine erste Erholung am Messestandort Deutschland. So sind für 2023 mindestens 340 Messen geplant. Knapp ein Viertel mehr als hier im Jahr 2022 möglich waren. Allein im ersten Quartal 2023 ­sollen gut 120 Messen stattfinden. 2022 konnten im gleichen Zeitraum nur 18 Messen durchgeführt werden. Der Verband der deutschen Messewirtschaft prognostizierte zudem für 2022, dass 65% der Besucher wieder zurück sind auf den deutschen Messegeländen.

Seit Herbst stiegen die Zahlen weiter an und ähnlich sei auch die Lage bei den Ausstellern: Durchschnittlich 70% waren übers Jahr gesehen zurück auf den Messen – mit ebenfalls steigender Tendenz seit dem Herbst. 

Nur nicht in der Welt der Augenoptik. Da bleiben sie weg. Trotz positiver Umsatzzahlen, trotz robuster Augenoptik, trotz ­guter Stimmung und positiv prognostizierter Besucherzahlen. Umso unverständlicher: Besonders viele große Aussteller ­zogen sich zurück. Statt auf Präsenz, setzen viele auf Abstinenz und haben damit eine Sogwirkung auf andere ausgelöst, die sicher nicht gut ist für die gesamte Augenoptik-Branche. 

Wie sich die Opti vom 13. bis 15. Januar präsentieren wird, wie hoch die Besucherzahlen werden, und ob die Auftragsbücher voll sein werden, werden wir erst in einigen Wochen erfahren. Diejenigen, die in Präsenz da waren, werden davon berichten.

Anzeige
Menicon (Banner)

Ähnliche Beiträge

  • Von Chancen und Krisen

    Wie blicken wir zurück auf diese Zeit? Auch wenn sich die Lage teilweise etwas zu entspannen scheint, hat sie deutliche Spuren hinterlassen.

  • Die neue Vorsorgefront

    Auf der vergangenen Opti 2026 war es ein sehr sichtbares Thema: Zwischen Früherkennung, Vorsorgelücke und neuen Akteuren ist ein (nicht ganz neues, aber dafür umso umfangreicheres) Angebot rund um das Augen­Screening entstanden. Galt es früher als eindeutige Domäne der Augenärzte, so hat sich die Realität in den vergangenen Jahren sehr verschoben.

  • Im Wandel

    Es geht wieder los. Im Angesicht des Frühlings zwitschern es schon die Vögel von den Dächern.

  • Krisensicher

    Krisensicher und resilient hat sich die Branche in den bewegten Corona-geschüttelten vergangenen zwei Jahren gezeigt, denn „geguckt werden muss ja immer!“. Blickt man auf den Einzelhandel im Gesamten, sieht die Lage aktuell bedrückend aus.

  • Machtblind 

    In den USA läuft aktuell die große Entlassungswelle. Vor allem in den Tech-Unternehmen, in denen die Mitarbeiter sich scheinbar unangetastet sicher fühlen konnten, bricht sie herein.

  • Der Wettbewerb lebt 

    Das Jahr 2024 steht für Europa im Zeichen des Wettstreits. Sportlich geht es in den kommenden Monaten auch in Europas Messelandschaft innerhalb der Augenoptik zu. Opti und Mido sind wichtige Plattformen für die Branche. Beide haben dieses Jahr besonders gute Besucherergebnisse eingefahren und viele zufriedene Aussteller hinterlassen.