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Wellblechkonjunktur

Bild: mrdoomits / envato

Das Jahr 2024 neigt sich dem Ende zu. Und während sich die einen mit vorgehaltener Hand freuen, gehen andere durch das Tal der Tränen. Unterm Strich lässt sich in Deutschland mit einer roten Null im Wirtschaftswachstum kein wirklich positives Resümee ziehen, das hängt allerdings davon ab, von wo aus man das betrachtet. Das Wirtschaftswachstum war in einer Hälfte der deutschen Bundesländer leicht positiv, in der anderen Hälfte lag es leicht im roten Bereich.1

Die deutsche Wirtschaft insgesamt bleibt laut Zukunftsprognosen auch im kommenden Jahr in einem schwierigen Fahrwasser. Für 2025 erwartet beispielweise das KfW Research nur noch ein Wachstum von 0,5%. In der Sommerprognose hatte man noch mit dem Doppelten gerechnet.2 Das geht auch mit der Expertenmeinung der sogenannten Wirtschaftsweisen einher, die ihre Wachstumsprognose für das kommende Jahr mehr als halbiert hatten. Die deutsche Wirtschaft soll demnach nur noch um 0,4% wachsen.3

Um den Kahn wieder flott zu machen – bleiben wir im Bild –, fordern die Experten verschiedene Maßnahmen. So sollen beispielweise die Adressierung des Problems unseres Fachkräftemangels, Wohnkosten, die grüne Transformation und technologische Innovationen – insbesondere in Bereichen wie Künstliche Intelligenz, Automatisierung und Industrie 4.0 – für das zukünftige Wachstum ausschlaggebend sein.

Die Struktur der vergangenen Quartale, die einen Wechsel zwischen Stagnation, leichtem Rückgang und leichtem Wachstum zeigt, soll sich auch in den kommenden Quartalen 2025 fortsetzen. Diese Prognose zieht zumindest der Chefvolkswirt der VP Bank in einem Interview.4

Zudem schwächelt der für Deutschland so wichtige Export. Knapp 50% des deutschen BIP beruhen auf Ausfuhren. Schlecht, wenn bestimmte Handelspartner selbst Probleme haben wie beispielweise China, ein wichtiger Abnehmer deutscher Produkte. Für 2025 könnte das zudem weitere Schwierigkeiten bedeuten, wenn Trump 2.0 vereidigt wurde und die angedrohten hohen Zölle in die Tat umgesetzt würden.

Wo wir gerade bei 2025 sind: Es gibt eine ganze Reihe Neuerungen, die im kommenden Jahr aktiv werden. Auch hier ist es eine Frage des Standpunkts, wer davon profitieren wird. Bei den Steuern stehen verschiedene Änderungen an: Der Grundfreibetrag wird angehoben, um die Inflation auszugleichen. Für 2025 liegt dieser zukünftig bei 11.500 €, was geringverdienenden Mitarbeitern zugutekommt.

Der Solidaritätszuschlag bleibt für die meisten Unternehmen bestehen, wobei kleinere Einkommen weiterhin davon befreit sind. Der CO₂-Preis steigt von 45 € auf 55 € pro Tonne. Dies wird vor allem energieintensive Branchen treffen, da (noch) höhere Kosten für Benzin, Öl und Gas erwartet werden.

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Auch die Umsatzgrenze für Kleinunternehmer erhöht sich ab 2025 auf 25.000 € im Vorjahr (bisher 22.000 €). Dies erleichtert neuen oder sehr kleinen Unternehmern den Einstieg, da sie länger von der Umsatzsteuerpflicht befreit bleiben können. Auch bei den Sozialabgaben und Krankenkassenbeiträgen kommen Änderungen auf uns zu: Die Beitragsbemessungsgrenzen für Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung steigen weiter an, wodurch hochverdienende Mitarbeiter und ihre Arbeitgeber höhere Abgaben zahlen müssen.

Der durchschnittliche Zusatzbeitrag der gesetzlichen Krankenkassen erhöht sich auf 2,5%. Dies betrifft Arbeitgeber und Arbeitnehmer gleichermaßen. Der gesetzliche Mindestlohn steigt auf 12,82 € pro Stunde. Dadurch erhöht sich auch die Geringfügigkeitsgrenze für Minijobs, was Unternehmen, die auf Minijobber angewiesen sind, belasten könnte.

Apropos Belastung: Durch die Umsetzung der EU-Arbeitsbedingungenrichtlinie müssen Arbeitgeber umfassendere Nachweise über Arbeitsbedingungen bereitstellen, einschließlich Informationen zu Überstundenvergütungen und Kündigungsfristen. Dies erfordert mehr Dokumentationsaufwand.

Zur Digitalisierung gibt es Positives zu verzeichnen: Denn ab 2025 wird die elektronische Rechnungsstellung verpflichtend für alle Unternehmen, die mit öffentlichen Auftraggebern arbeiten. Es soll Prozesse vereinfachen, doch es erfordert Investitionen in geeignete Softwarelösungen. Auch Steuerbescheide werden künftig in der Regel digital übermittelt, wodurch Unternehmen schneller Zugriff auf steuerliche Informationen haben. Dies reduziert den Verwaltungsaufwand.

Wie es auch kommt: Lassen Sie uns mit Tatendrang und ­Optimismus in die Zukunft blicken. Wir sind Teil einer starken Branche, denn „geguckt werden“ muss immer. Heute und in Zukunft genauer denn je.

1 IFO Institut, 2 KFW, 3 Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (SVR), 4 Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank im Interview mit NTV

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