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Holz oder Strom? 

Bild: Efstathios Efthimiadis x KI

Print ist out! Totholz, das durch die Gegend gefahren werden muss – und wenn es endlich beim Leser angekommen ist und gelesen wurde, ist irgendwann Abfall, das im besten Fall recycelt werden muss, und unter Energieaufwand zu neuem Papier wird. Hört man zumindest. Aber so einfach ist es eben nicht. 

Wir haben uns das in der Redaktion mal angeschaut und einige Studien dazu gefunden, wie es im direkten Vergleich beispielweise in Sachen Nachhaltigkeit bei digitalen Medienformen ausschaut. Insgesamt stehen die konkurrierenden digitalen Anwendungen schlechter da als gedacht. 

Beginnen wir damit, was wir jeden Tag am häufigsten machen: Wir whatsappen. Hier ist eine Textnachricht erst einmal harmlos, sie verbraucht nur rund 2 mg CO2. Doch verschicken wir ein Bild, können es schon 4 g CO2 werden. Kommt noch das Video von z.B. dem kleinen Racker dazu, wie er seine ersten Gehversuche macht, sind es bis zu 56 pro Minute.1 Da kommt also etwas zusammen. Haben Sie auch den einen Onkel/Chef/Schwager, der Ihnen täglich die neusten Schenkelklopfer aus der Herrenwitzabteilung zuschickt und die womöglich schon 12-mal den Erdball umrundet haben? Dann läuft das Ganze in der CO2-Bilanz bei Whatsapp heftig aus dem Ruder. 

Wie sieht es beim E-Mail-Versand aus? Auch nicht gut. Denn „eine normale E-Mail ohne Anhang verursacht bereits etwa 10 g CO2, welches der Klimabilanz einer Plastiktüte entspricht“, heißt es beim Verbraucherverband in Bayern. So ist sicher vielen nicht bewusst, dass jede in einem Postfach gespeicherte E-Mail ständig Energie, und zwar auf mehreren Servern, verbraucht. Vergleicht man es mit einem klassischen Brief, ist der ökologische Fußabdruck einer E-Mail zwar 60-mal geringer. 

Aber! Die Anzahl der E-Mails ist wesentlich höher als die der Papierpost. Diese digitale Flut übersteigt den ökologischen Einspareffekt deutlich. Überlegen Sie mal: Hätten Sie früher so viel und häufig an Kollegen, Firmen oder städtische Einrichtungen geschrieben? Hätten Sie per Post ein „Danke“ zurückgeschickt? Auch wenn es eine Netiquette ist, sind gerade diese E-Mails ökologisch bedenklich. Würde jeder Erwachsene in Großbritannien täglich eine Dankes-E-Mail weniger verschicken, könnte man jährlich mehr als 16.000 Tonnen CO2 einsparen, so der britische Energieversorger Ovo Energy. Das ist das Äquivalent von 80.000 Flügen von London nach ­Madrid oder dem Verzicht von 3.300 Dieselautos jährlich.

Kommen wir zum Internet. Hier wird besonders viel Energie verbraucht. Wäre es ein Land, es wäre das drittgrößte der Welt, gemessen am Verbrauch. Je nachdem, woher die Energie kommt, ist der CO2-Ausstoß enorm. Es wird geschätzt, dass rund 45 Milliarden Server in globalen Rechenzentren ständig im Einsatz sind.2 Neben großen Mengen von Strom werden Unmengen an Wasser für die Kühlung verbraucht.

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Mit dem digitalen Wandel steigt auch der Energieverbrauch. Neben dem CO2-Ausstoß lautet also eine der großen Herausforderungen der Zukunft: den Energieverbrauch zu optimieren. Kann uns Künstliche Intelligenz helfen, nachhaltiger zu werden? Jain, denn aktuell werden für die KI erst einmal große Energiemengen gebraucht. Aktuell werden die Einsparungen also noch geschmälert vom eigenen Verbrauch. 

Und nun zurück zu den Printmedien: Eine etwas ältere Studie aus 2018 des Umweltbundesamtes Deutschland zeigte, dass Printmedien bei der Produktion und Entsorgung einen deutlich sichtbaren CO2-Fußabdruck hinterlassen. Aber auch, dass digitale Medien durch den Energieverbrauch während der Anwendung plus den Betrieb der Datenzentren ebenfalls keine gute Figur bei der Nachhaltigkeit machen. Hinzu kommen die negativen Auswirkungen durch die Produktion und Entsorgung der elektronischen Geräte. Interessant: Bei langfristiger und häufiger Nutzung digitaler Medien kann der CO2-Ausstoß den der Printmedien übersteigen, besonders wenn die Energie aus nicht erneuerbaren Quellen stammt.

Ob und wie recycelt werden kann, untersuchte eine Studie aus 2020 der Universität Helsinki. Die Forscher kamen zu dem Schluss, dass Papierprodukte bis zu 7-Mal recycelt werden können. Der Bedarf an Rohmaterialien und die damit verbundenen CO2-Emissionen werden so stark reduziert. Ein weiterer Aspekt ist die einfache Weitergabe von gedruckten Materialien durch z.B. Bibliotheken, was einen weiteren positiven Umwelt-Effekt hat.

Und noch etwas: Während digitale Medien für aktuelle Informationen und den schnellen Zugriff perfekt sind,3 bieten Print­medien eine tiefere und konzentriertere Form des Lernens und Verstehens. Die Wahl zwischen Print und Digital sollte daher nicht als Entweder-Oder-Entscheidung gesehen werden, sondern als Gelegenheit, das Beste aus beiden Welten zu integrieren und zu nutzen. Genau! Daher haben Sie bei uns die Wahl. Den FOCUS gibt es als Printversion oder digital in der FOCUS-App.

1 thinkdigitalgreen.de, 2 Verbraucherservice Bayern, 3 University of Oxford 2019

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