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Smart Glasses – Nische oder Massenmarkt?

Bild: Alex Shuper/unsplash

Eine Studie aus den USA gibt Antworten

Smarte Brillen werden immer bekannter, aber gleichzeitig gelten sie als Nischenprodukt. Doch wie viel Prozent der Menschen würden die neuen smarten Produkte tatsächlich kaufen? Was sind die beliebtesten Vertriebskanäle? Oder welches Feature ist das Überzeugendste? Eine detaillierte US-Studie liefert Antworten auf aktuelle Fragen über den neuen Smart Glasses-Markt. Ein Interview mit Alysse Henkel. 

Alysse Henkel

Die aktuelle Studie aus den USA wurde vom Augenoptik-Branchenverband The Vision Council (TVC) durchgeführt. Im August 2025 befragte TVC 4.196 Erwachsene in den USA. Die Ergebnisse wurden auch mit den Antworten aus einer früheren Studie aus dem Jahr 2023 verglichen. Alysse Henkel ist Vice President of Research & ­Insights bei TVC und gibt Antworten auf wichtige Fragen.

FOCUS: Welche Produkte überhaupt als smarte Brille gelten, ist aktuell nicht eindeutig definiert. Wie definieren Sie smarte Brillen in Ihrer Studie?

Henkel: In unserer Studie beziehen wir uns mit smarten Brillen auf vernetzte Brillen mit integrierten Wireless-Funktionen. Dazu können Anrufannahme, Musikwiedergabe, Nachrichtenversand, Sprachassistenten, Foto- und Videoaufnahmen, Zugriff auf Künstliche Intelligenz (KI), Echtzeit-Übersetzung und -Transkription, Navigations- und Ortungsdienste, gesten- oder berührungsbasierte Steuerung sowie Benachrichtigungen gehören.

FOCUS: Smarte Brillen werden oft als Nischenprodukt betrachtet. Bestätigen Ihre Studienergebnisse diese Annahme?

Henkel: Smarte Brillen sind nach wie vor eine Nischenkategorie, da „nur“ 14% der US-Verbraucher angaben, bereits eine gekauft zu haben. Obwohl es sich nach wie vor um eine Nische handelt, hat unsere Studie jedoch ergeben, dass das Interesse und das Bewusstsein der US-Verbraucher wachsen. 42% der US-Verbraucher gaben an, dass sie im nächsten Jahr den Kauf einer smarten Brille planen.

FOCUS: Gibt es bestimmte Funktionen oder Anwendungsszenarien, die Verbraucher besonders attraktiv finden?

Henkel: Die Studie hat zwar keine detaillierten Anwendungsfälle untersucht, aber die Hauptgründe für das Interesse sind Neugier (41%), Nützlichkeit (39%) und der Spaß- oder Neuheitsfaktor des Produkts (37%).

FOCUS: Welche Vorbehalte äußern Verbraucher am häufigsten gegenüber smarten Brillen?

Henkel: Verbraucher, die wahrscheinlich keine smarte Brille kaufen werden, geben am häufigsten an, dass sie schlicht keine smarte Brille benötigen (50%) und dass ihnen der Preis zu hoch ist (41%).

FOCUS: Welche technologischen oder gesellschaftlichen Entwicklungen könnten Ihrer Meinung nach die Akzeptanz in Zukunft weiter steigern?

Henkel: Es ist von größter Bedeutung, dass die Brille gut sitzt und bequem zu tragen ist, da 94% der Verbraucher angaben, dass Passform und Komfort neben Haltbarkeit und Akkulaufzeit wichtige Kaufkriterien sind.

Smarte Brillen haben in der Fassung integrierte Hardware, sodass die Brillen tendenziell schwerer und weniger anpassungsfähig sind als herkömmliche Brillen. Eine Verschlankung der Technologie bei gleichzeitiger Verbesserung der bestehenden Haltbarkeit und Akkulaufzeit könnte den Kauf in Zukunft attraktiver machen.

FOCUS: Sie haben bereits 2023 eine Studie zu Smart-Brillen unter US-Verbrauchern durchgeführt. Wie hat sich der Bekanntheitsgrad seitdem entwickelt? 

Henkel: Das Bewusstsein der Verbraucher für smarte Brillen hat sich in den vergangenen zwei Jahren verdoppelt. Der Anteil derjenigen, die genau wissen, was smarte Brillen sind, ist um 7% gestiegen, und der Anteil derjenigen, die eine allgemeine Vorstellung davon haben, was smarte Brillen sind, ist im Vergleich zu 2023 um 22% gestiegen.

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FOCUS: Welche konkreten Faktoren erklären den heute ­höheren Bekanntheitsgrad?

Henkel: Vermutlich sind die verstärkten Marketingaktivitäten großer Marken und die Erwähnungen in den sozialen Medien dafür verantwortlich. In diesem Jahr gaben 44% der Verbraucher an, dass sie im vergangenen Jahr etwas über smarte Brillen gesehen, gelesen oder gehört haben, gegenüber 23% im Jahr 2023. Insbesondere die Fernsehwerbung stieg um 12%. Im Jahr 2023 gaben 24% der Verbraucher an, dass sie Fernsehwerbung von Smart ­Glasses gesehen hatten. Im Jahr 2025 gaben dies 36% an.

FOCUS: Wo kommen insgesamt die meisten Verbraucher mit Informationen über smarte Brillen in Kontakt?

Henkel: Die wichtigsten Quellen hier sind YouTube (49%), Facebook (41%), TikTok (37%), Instagram (36%) und Fernsehwerbung (36%).

FOCUS: Welche Produkte sind bei den Verbrauchern am bekanntesten?

Henkel: Die drei bekanntesten Marken sind Ray-Ban Meta AI Glasses, Amazon Echo Frames und Oakley Meta AI Glasses.

FOCUS: Welches Bild zeichnet die Studie von den Vertriebskanälen für Smart-Brillen?

Henkel: Verbraucher bevorzugen stationäre Elektronikfachgeschäfte (54%) und Online-Händler (48%) als Kaufkanäle. 

FOCUS: Gab es Ergebnisse, die Sie besonders überrascht haben? 

Henkel: Ja, die Akzeptanzrate von 14% ist auffällig. Auch wenn Smart Glasses nach wie vor eine Nischenkategorie ist, ist diese Akzeptanzrate für ein relativ neues Produkt überraschend hoch.

FOCUS: Welche Chancen und Risiken sehen Sie für Unternehmen, die in diesen Markt investieren?

Henkel: Die Kategorie der smarten Brillen befindet sich in einer Phase starken Wachstums. Early Adopters und große Branchenakteure haben die Technologie bereits als tragfähiges und begehrenswertes Konzept etabliert, was bedeutet, dass der schwierigste Teil, nämlich die ­Relevanz für den Verbraucher zu beweisen, weitgehend geschafft ist.

Die jüngsten erfolgreichen Produkteinführungen haben großes Interesse bei den Verbrauchern geweckt und bieten neuen Marktteilnehmern die Möglichkeit, auf dieser steigenden Bekanntheit aufzubauen, anstatt bei null anzufangen.

Brillen dienen den meisten Menschen sowohl als Accessoire als auch als unverzichtbares Funktionsprodukt, und die Verbraucher haben hohe Erwartungen an Komfort, Passform und Stil. Diese Erwartungen zu erfüllen und gleichzeitig fortschrittliche Technologie zu integrieren, bleibt eine technische und gestalterische Herausforderung. Unternehmen, denen es nicht gelingt, beides in Einklang zu bringen, könnten Schwierigkeiten haben, sich durchzusetzen.

FOCUS: Vielen Dank für das Interview.

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