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Opti 2026: Jahresauftakt mit frischer Energie

Bilder: Silke Sage, Daniel Groß, Frank Sonnenberg

Internationaler und breiter aufgestellt

Die Opti 2026 ist vorbei – und viele, die vom 16. bis 18. Januar in München unterwegs waren, dürften die Messe mit dem Gefühl verlassen haben, dass sich die Branche gerade spürbar verändert. Mit einem Programm, das zwischen praktischen Impulsen, Trends und Netzwerken pendelte: Die Opti hat ihren Jahresauftakt-Charakter erneut unter Beweis gestellt, und dabei einen noch vielfältigeren Ton angeschlagen als in den Jahren zuvor.

Wer an einem der drei Messetage durch die Hallen der Opti 2026 in München ging, spürte rasch: Die Augenoptik startet nicht nur in ein neues Jahr, sondern in eine neue Phase. Die Stimmung war konzentriert, lebhaft und geprägt von dem Gefühl, dass viele Betriebe sich neu ausrichten – zwischen gewachsenem Wettbewerbsdruck, technischen Entwicklungen und dem Wunsch nach klarer Orientierung.

Mit knapp 22.000 Fachbesuchern – gut 4% mehr als im Vorjahr – und 354 Ausstellern präsentierte sich die Messe breiter und internationaler. Besonders bemerkbar machte sich der Zuwachs an Besuchern aus dem Ausland: 4.491 kamen aus anderen Nationen, ein Anstieg von mehr als 5%. Viele Gespräche wirkten gezielt und vorbereitet, weniger spontan als in früheren Jahren. Als wolle man die gemeinsame Zeit bestmöglich nutzen.

Auch wenn die Opti traditionell als Schaufenster für Trends, Marken und Innovationen gilt, zeigte sich 2026 ein klarer Schwerpunkt: Austausch auf Augenhöhe. Wer sich an einem Stand länger unterhielt, merkte schnell, dass es weniger um große Ankündigungen ging, sondern um praktische Fragen – von Alltagsroutinen im Geschäft bis zur strategischen Ausrichtung im Betrieb. Diese Tendenz spiegelte sich in den Worten von Cathleen Kabashi, Director Opti, wider. Sie sagte im Anschluss an das Branchenevent: „Die Opti lebt vom Austausch und vom Miteinander. 2026 haben wir erneut gespürt, wie stark unsere Community ist und wie wichtig persönliche Begegnungen, Inspiration und praxisnahe Inhalte für die Branche sind.“

Eine Beobachtung, die sich quer durch alle vier Hallen zog: Es war eine Messe, die Menschen, Ideen und konkrete Pläne zusammenführte. Sie stellte auch einige ganz neue Themenbereiche zur Schau und solche, die ihren Weg scheinbar unaufhaltsam weitergehen.

Hörakustik bekommt ein Zuhause

Eine Neuheit war diesmal die Sonderfläche „Opti Spheare“. Der Bereich gab der Hörakustik erstmals einen sichtbaren, klar definierten Platz. Auf der offenen Bühne sprachen Unternehmer über ihre Erfahrungen bei der Integration von Hörakustik in bestehende Augenoptikgeschäfte. Investitionskosten, Personalqualifikation, Raumplanung – all das wurde praktisch diskutiert, ohne große Showelemente, aber mit viel Ehrlichkeit.

Auch in der Technik-Sparte gab es zahlreiche Neuvorstellungen zu den immer fortschrittlicheren Instrumenten für die Tränenfilmanalyse, die Refraktiom auf engstem Raum und natürlich für das Augen-Screening. Diese Thema nimmt nicht nur weiter Fahrt an auf, so langsam ist es auf der Überholspur angekommen. Und es sind neue Kooperationen großer Glashersteller, die aufhorchen lassen: z.B. Messe-exklusiv (Hoya mit dem dm-Versorger Skleo) oder vorab angekündigt und bereits großflächig eingebunden im Messegeschehen (Vorträge von Mirantus am Stand von EssilorLuxottica).

Branchenriese Zeiss nutzte die Messe „standesgemäß“, um ein neues Glasportfolio und Innovationsprojekte vorzustellen. Zum Messeauftritt gehörte auch ein überarbeitetes Standkonzept. Die Mischung aus Technikinseln, Gesprächsräumen und Zukunftsthemen gab dem Stand Charakter – ein Konzept, das viele Besucher aufgriffen und als „arbeitsnah“ beschrieben.

Gerade auch Fassungsanbieter wie Imago Eyewear wissen die Plattform zu schätzen, halten sich aber auch nicht mit Kritik zurück, wie Geschäftsführer Marco Finster verriet: „Ich würde jedem empfehlen, an der Opti teilzunehmen. Es könnte doch nichts Besseres geben für die Branche! Natürlich besteht auch Verbesserungsbedarf. Ich denke da an die meiner Meinung nach zu hohen Preise an der Tageskasse – doch im Großen und Ganzen passt alles.“ 

Kontaktlinse trifft Sport

Auf der im Vorjahr erfolgreich initiierten Aktionsfläche zahlreicher Kontaktlinsenanbieter („Tomorrow Vision“) spielten Anwendung und Alltagsnutzen die Hauptrolle. Der Themenschwerpunkt Sport wurde nicht nur theoretisch beleuchtet. Auf der Bühne zeigten Vortragende, wie sich Kontaktlinsen, von der Anpassung bis zu speziellen Anforderungen einzelner Sportarten, in sportliche Routinen integrieren lassen.

Zwischen den Vorträgen fanden kleine Showacts statt, doch im Zentrum standen konkrete Praxisbeispiele: Wie erklärt man sportlich aktiven Kunden die Vorteile bestimmter Linsentypen? Wie baut man Vertrauen auf, wenn jemand bisher ausschließlich Brille trägt? Der Austausch wirkte nah am Alltag vieler Betriebe, die sich stärker im Kontaktlinsenbereich positionieren möchten.

Messe als Trendkompass

Ein zentraler Bestandteil der Opti bleiben die Themen Design, Materialentwicklung und Markenführung. Internationale Experten präsentierten ihre Einschätzungen, wie unter anderem Trendanalystin Selin Olmsted. Ihre Beiträge gaben Einkäufern einen Überblick über kommende Farbräume, Formsprachen und Stilrichtungen. Die Auswahl zeigte die Vielfalt aktueller Entwicklungen – von Fassungsdesign über Markenprofilierung bis zu digitalen Lösungen. Als ein Gewinner der Publikumspreise konnte sich Breitfeld und Schliekert über den „Frame Star Award“ für eine Brillenfassung aus der zur Opti gelaunchten Linie „Just Milo“ freuen, die für junge Erwachsene konzipiert wurde. Weitere Gewinner waren Manti Manti (Kinderbrillen) und Pickz AI („Visionary Award“).

Besonders lebendig war auch der Next Generation Hub, der sich erneut als Herzstück für junge Menschen präsentierte. Zwischen Workshops, Karrieregesprächen und Rundgängen suchte der Nachwuchs der Branche nicht nur Informationen, sondern konkrete Kontakte.

Messe als Spiegel der Branche

Der deutsche Industrieverband Spectaris und der Zentralverband der Augenoptiker und Optometristen (ZVA) nutzten die Messe, um eine vorläufige Bilanz für das Jahr 2025 zu ziehen. Sie sehen die Augenoptik 2025/2026 als stabil, aber ohne starke Wachstumsimpulse. 

Christian Müller, Präsident des ZVA, beschrieb die aktuelle Lage nüchtern: „Die Augenoptik behauptet sich in einem wirtschaftlich schwierigen Umfeld vergleichsweise gut. Von einer echten Wachstumsdynamik kann jedoch keine Rede sein.“

Der Realismus passte zur Stimmung in München: deutlich positiv, aber nicht euphorisch. Auch Mirjam Rösch, Vorsitzende der Consumer Optics bei Spectaris und Geschäftsführerin DACH bei Hoya, ordnete die Lage ein: „Angesichts eines weiterhin schwierigen wirtschaftlichen Umfelds ist die Entwicklung 2025 ein solides Ergebnis. Das moderate Wachstum zeigt, dass die Augenoptik insgesamt stabil bleibt – auch wenn sich die Nachfrage im Inland verhältnismäßig schwach zeigt als auch im Ausland.“

Zeitgleich demonstrierten viele Aussteller Zuversicht. ­Thomas Pfanner, General Manager bei Rodenstock, formulierte es so: „Besonders an der Opti 2026 war für mich die beeindruckend hohe Besucherfrequenz sowohl in allen Hallen als auch speziell an unserem neuen Stand.“ Sein Fokus lag dabei auf der Möglichkeit, Kundengespräche wieder physisch zu führen – ein Wunsch, den viele Aussteller offensichtlich mit ihm teilten.

Tobias Gröber, Vorsitzender der Geschäftsführung der GHM, sprach bereits über die nächsten Schritte: „Diese Opti ist eine sehr gute Ausgangsbasis, um diese Veranstaltung gezielt weiterzuentwickeln. In den kommenden Monaten werden wir gemeinsam mit Ausstellern und Partnern daran arbeiten, die Opti inhaltlich zu schärfen und sowohl ihre internationale Ausrichtung wie auch die einzelnen Angebotsbereiche kontinuierlich auszubauen.“

Der Blick nach vorn

Wie könnte es nun weitergehen? Die Veranstaltung hinterließ das Bild einer Branche zwischen Stabilität und Wandel. Keine großen Versprechen, aber viele konkrete Schritte.

Begleiten wird uns dieser (in)offizielle Startschuss ins neue Jahr der Augenoptik aber ohne Frage noch eine ganze Weile. So gilt es nun, die zahlreichen Themen aus ­München auch mit Leben zu füllen. Von der Theorie in die Praxis. In den Betrieben, in den Produktionsstätten und auch im FOCUS. 

In den kommenden Ausgaben werden wir noch ganz ausführlich berichten. Allerspätestens, bis im nächsten Jahr das Rennen von Neuem beginnt. Die nächste Opti findet statt vom 29. bis 31. Januar 2027.

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