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Brillenglas-Trends von der Opti 2026

Bild: Zeiss

Die Opti zeigte Mitte Januar erneut ihre Innovationskraft im Brillenglasbereich. Vom Premium‑Segment über neue Materialtechnologien bis hin zu modernen Anpassprozessen und zukunftsweisenden Linsenlösungen prägten die Messe zahlreiche Impulse. FOCUS war vor Ort, um die wichtigsten Neuheiten aus München zu bündeln und zu zeigen, welche Entwicklungen voraussichtlich nachhaltige Wirkung entfalten.

Die Ausstellerstände der Brillenglasanbieter auf der Opti machten deutlich, wie stark die Branche ihre Portfolios entlang von drei Linien schärft: erstens mehr Individualisierung durch zusätzliche Messdaten zu Blickverhalten und Nutzungssituationen, zweitens Oberflächen und Veredelungen, die Pflegeaufwand und Klarheit adressieren, drittens Bausteine für Beratung, Schulung und digitale Workflows im Fachbetrieb. Auffällig war dieses Jahr das Zusammenspiel aus Messung, Designlogik, Oberfläche und Service als geschlossenes Versorgungskonzept.

Zwischen Unschärfemanagement, Blickverhaltensanalyse und biometrischem Glasdesign

Zeiss stellte mit Clearmind ein Glasportfolio vor, das laut Unternehmen über ein optimiertes Unschärfemanagement ruhigere, nutzbare Sehbereiche ermöglichen soll. Kern des Ansatzes ist Neuroptix: Die Technologie verteilt periphere Unschärfen so, dass in den für den Alltag relevanten Zonen klarere Bereiche entstehen und Blickwechsel weniger kognitiven Aufwand verursachen. Clearmind deckt Einstärke, Digital‑ und Gleitsichtvarianten ab und richtet sich an Träger, die häufig zwischen Distanzen wechseln und visuelle Stabilität schätzen.

Auf der Oberflächenebene präsentierte Zeiss Duravision Plus. Die integrierte Cleanguard‑Struktur soll das Anhaften von Wasser, Fett und Schmutz erschweren. Eine antistatische Schicht reduziert Staub. Aus Befragungen berichtet der Hersteller von spürbar erleichterter Reinigung. Für den Betrieb liefert das eine einfache Gesprächslogik: weniger Wischen, längere Klarheit – messbar erst im Alltag, aber klar zu erläutern.

Über das klassische Glas hinaus zeigte Zeiss Erweiterungen im Screening in seiner Kooperation mit Ocumeda und skizziert auch seine ganze Innovationskraft. So präsentierte man etwa elektrochrome Gläser, die sich per Fingertipp von klar zu Sonnenschutz steuern lassen, oder die Vision, weitestgehend nachhaltige Brillengläser zu produzieren. Alles aber noch in der Entwicklungsphase, also Zukunftsmusik.

Hoya rückte mit Hoyalux Id Mysense ein progressives Glas in den Mittelpunkt, das auf individuell erfassten Sehparametern basiert. Das Messsystem Visusense erhebt Blickbewegungen, Körperhaltung und subjektive Schärfewahrnehmung, die als  Daten in die Berechnung des Glasdesigns einfließen. Herstellerangaben verweisen auf typische Herausforderungen bei Presbyopie, etwa beim Wechsel zwischen Distanzen oder beim Fokussieren im Zwischenbereich. Aus Trägertests werden hohe Zustimmungswerte für die Abbildung mehrerer Entfernungen und eine zügige Eingewöhnung berichtet (u.a. 90% positive Rückmeldungen, 92% schnelle Gewöhnung). 

Der Ansatz nutzt individuelle Daten statt Standardprofile: Nicht nur anatomische Parameter, sondern auch die Art, wie der Träger schaut und den Kopf führt, werden berücksichtigt. Das soll Übergänge zwischen Fern‑, Zwischen‑ und Nahbereich nutzungsnäher gestalten. 

Bei seinem „Steckenpferd“, dem Myopie‑Management, ergänzte Hoya die Miyosmart-Linie um eine hydrophobe, fettabweisende Schicht. Sie soll Fingerabdrücke, Staub und Wasser leichter abperlen lassen und die Reinigung im Familienalltag vereinfachen.

Mit Sensity Colours verfeinerte Hoya außerdem das phototrope Angebot. Eine graue Grundphototropie wird mit mehreren farblichen Varianten kombiniert. Optional sind spiegelnde oder entspiegelnde Veredelungen möglich. Das richtet sich an Träger, die bei wechselndem Licht außen eine definierte Abdunklung wünschen und zugleich eine gestalterische Farbe wählen möchten.

Rodenstock weitete mit Big Exact Sensitive eine Linie aus, die biometrische Messungen mit einem individuellen Sensitivitätsprofil verknüpfen soll. Grundlage sind Datenpunkte aus der Dneye‑Erfassung, die mit Parametern zur visuellen Wahrnehmung zusammengeführt werden. Das Portfolio deckt Mono (Einstärke), Mono+ (Einstärke mit Nahunterstützung), Gleitsicht sowie Ergo für die Innenraumdistanzen ab. Die Münchner nennen in internen Vergleichen größere Zonen mit geringerer Aberration; eine externe Tragestudie in Zusammenarbeit mit der Hochschule München berichtet unter anderem einen verbesserten Lesefluss um 28%, eine Verbesserung des dynamischen Sehens um 24% sowie eine einfachere Orientierung zwischen Distanzen um 35%. Von den Teilnehmer gaben  83% eine Präferenz für das neue Design an. 

Parallel adressiert Rodenstock mit Colormatic X und Colormatic Dark zwei Einsatzprofile der Phototropie. Colormatic X betont eine schnelle Aufhellung und hohe Klarheit im Innenraum, außen werden Tönungsgrade auf Sonnenschutzniveau genannt. Colormatic Dark zielt auf intensive Abdunklung im Außenbereich, ist auf höhere Umgebungstemperaturen ausgelegt und reagiert auch hinter der Windschutzscheibe. Für den Augenoptiker ergibt sich damit ein einfaches Raster: Innenhelligkeit und Reaktionsgeschwindigkeit (X) versus maximale Außenabdunklung und Autofokus auf Hitze‑Szenarien (Dark).

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Essilor (Banner)

Neu sortierte Portfolios, klare Beratungspfade und smarte Glasoptionen

Der Schweizer Brillenglasproduzent Optiswiss ordnete sein Glasportfolio grundlegend neu. Swissvario bildet die Basis eines Neustarts, der – nach Herstellerangaben – ohne die Mitnahme älterer Linien auskommt. Die Kollektion umfasst mehrere Gleitsicht‑Designs auf Basis biometrischer Messdaten und digitaler Optimierung; ein KI‑gestütztes Modul Fusion soll Daten aus dem individuellen Sehverhalten berücksichtigen. Für die Praxis bedeutet das eine klarere Auswahlstruktur und die Möglichkeit, Designs entlang von Sehaufgaben und digitalen Gewohnheiten differenzierter zuzuweisen. Die Produktion erfolgt am Standort Basel, die Markteinführung ist für das Frühjahr angekündigt.

Nika zeigte mit Nikon Presio i Focus ein Einstiegs‑Gleitsichtglas innerhalb der Presio‑Reihe, ausgelegt auf niedrige Additionen und breite Nutzfelder bei überschaubarem Anpassaufwand. Digitale Berechnungsmethoden sollen periphere Unschärfen reduzieren. Ergänzend wurde die Veredelung Perfect Invisible beschrieben, eine nahezu farblose Entspiegelung, die ein unauffälliges Erscheinungsbild unterstützt und die Pflege erleichtern soll. In der Kombination zielt das Duo auf alltagstaugliche, pflegeleichte und optisch dezente Lösungen, die sich leicht in bestehende Sortimente integrieren lassen.

Seiko stellte die World Collection vor – weniger als Einzelneuerung, vielmehr als neu geordnete Klammer für den Beratungs‑ und Verkaufsprozess. Kern ist das Framework Smartrix, das die Argumentation in drei Schritte gliedert: bedarfsgerechte Empfehlung entlang typischer Sehaufgaben, nachvollziehbare Aufwertung innerhalb des Sortiments, kompakte Darstellung des Gesamtangebots. Die Idee dahinter: vom Erstgespräch bis zur finalen Entscheidung ein stringenter Ablauf, der sich im Team schnell vermitteln lässt. Begleitet wird das durch das Vision‑Specialist‑Programm mit Marketing‑ und Schulungsbausteinen sowie digitalen Beratungshilfen. Für den Betriebkönnte dieser Ansatz vor allem dann interessant sein, wenn unterschiedliche Mitarbeiter ein einheitliches Beratungsbild liefern sollen.

EssilorLuxottica setzte in München auf einen Mix aus Glas‑ und Technologieneuheiten mit starker Schnittstelle zu Wearables. Viel Aufmerksamkeit erhielten erwartungsgemäß Ray‑Ban Meta und Oakley Meta. Viele Besucher probierten die Modelle direkt am Stand aus. Diskutiert wurde vor allem die Möglichkeit, die Fassungen mit individuellen Korrektionsgläsern zu kombinieren. 

Im klassischen Glasbereich fokussierte man sich auf Weiterentwicklungen innerhalb der Transitions‑Technologie. Mit Transitions Color Touch kommt eine Variante, die eine dezente, permanente Grundtönung mit einem schnellen Wechselverhalten außen verbindet. Angeboten werden sanfte Farbverläufe und sogenannte „Washed“‑Tönungen. Sie adressieren Träger, die eine konstante Grundtönung wünschen und im Außenbereich eine zügige Verdunklung auf sonnenbrillenähnliche Intensitäten erwarten.

Weitere Glasthemen waren Essilor Stellest 2.0, das dank der weiterentwickelten H.A.L.T. Max-Technologie jetzt noch wirksamer im Myopie-Management sein soll sowie Eyezen für entspanntes Sehen im digitalen Alltag.

Prozesse rücken in den Mittelpunkt

Die DAO, mittlerweile Deutsche Augenoptik GmbH, und zum zweiten Mal unter dem Hoya-Dach auf der Opti, und Rupp + Hubrach aus dem EssilorLuxottica‑Verbund setzten weniger Akzente mit dem klassischen Glasprogramm, sondern betonten Prozesse, Services und die Rolle des Augenoptikers als erster Ansprechpartner in Fragen der Augengesundheit. Beide Unternehmen standen dabei für den Versuch, die Lücke zwischen Produkt und Betreuung zu schließen.

Rupp + Hubrach stellte unter anderem das neue Augen‑Fit‑Programm vor, mit dem Dienstleistungen rund um die Augengesundheit strukturiert in den Geschäftsalltag eingebunden werden sollen – von Messungen bei Anzeichen für trockene Augen über Nah‑Sehstress‑Analysen bis hin zu KI‑gestützten Fundus‑Checks. Ein neuer Premium‑Augen‑Check‑up soll zur frühzeitigen Identifikation möglicher Auffälligkeiten dienen, ohne die Grenze zur medizinischen Diagnostik zu überschreiten. Strategisch positioniert sich R+H damit als Unterstützer des Fachbetriebs in der Rolle als regionaler Gesundheitsdienstleister. Intervallbasierte Services stärken die Kundenbindung und schaffen zusätzliche Beratungssituationen.

Die DAO ordnete ihren Auftritt in die Hoya‑Ausrichtung ein und fokussierte sich stärker auf Screening‑ und Anpassprozesse sowie auf die Begleitung von Fachbetrieben bei Investitions‑ und Umsetzungsschritten. Das Unternehmen positionierte sich damit als Prozess‑ und Servicepartner innerhalb des Hoya‑Ökosystems, mit dem Ziel, Screening‑Routinen und Beratungspfade in den Alltag des Betriebs einzubetten. Die Botschaft: weniger Produktnamen, mehr Unterstützung bei der praktischen Umsetzung.

Mehr Daten, klarere Oberflächen, präzisere Beratung

Die Opti 2026 zeigte das Thema Brillenglas in vielen Stationen als zusammengesetztes System: Messung und Datentiefe, Oberflächenlogik für Klarheit und Pflege, Phototropie für definierte Einsatzprofile sowie strukturierte Beratungs‑ und Schulungsrahmen. Für den Fachbetrieb stellt sich somit in diesem Jahr fast weniger die Frage nach der einen Neuheit, sondern nach der Implementierung in eigene Betriebsbläufe. Die Messe hat dafür reichlich Material geliefert. Jetzt entscheidet die Praxis, welche Ansätze bleiben – und wo der Markt nachjustiert.

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