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Demodex-Milben und Wimpernverlängerungen

Bild: Ruslan / adobe stock

Studie zu Lidrandhygiene und Meibom-Drüsen

Wimpernverlängerungen gehören für viele Frauen zum regelmäßigen Kosmetikprogramm. Doch was bedeutet die regelmäßige Anwendung für die Augengesundheit? Eine auf dem ESCRS-Kongress vorgestellte­ Studie deutet jedoch darauf hin, dass die Anwendung mit Hautmilben (Demodex), Augenreizungen und Veränderungen der Meibom-Drüsen in Zusammenhang stehen könnte. Die Forscher sehen hier weiteren Untersuchungsbedarf. 

Was auf den ersten Blick lediglich eine Frage der ­Ästhetik ist, könnte auch die Gesundheit der ­Augenoberfläche betreffen. Denn künstliche ­Wimpern werden unmittelbar am Ansatz der natürlichen Wimpern befestigt – einem Bereich, in dem sich auch die Ausführungsgänge der Meibom-Drüsen befinden und der für die Lidrandhygiene von besonderer Bedeutung ist.

Wie sich regelmäßige Wimpernverlängerungen auf das Milieu am Lidrand und die Augenoberfläche auswirken, untersuchte ein Forschungsteam um Dr. Tetiana Zhmud von der National Pirogov Memorial Medical University in Winnyzja, Ukraine. Die Ergebnisse wurden auf dem 44. Kongress der Europäischen Gesellschaft für Katarakt- und Refraktive Chirurgie (ESCRS) vorgestellt. Demnach wurden bei vielen Nutzerinnen von Wimpernverlängerungen Hautmilben der Art Demodex folliculorum nachgewiesen. Zudem berichteten zahlreiche Teilnehmer über Beschwerden wie Rötungen, Juckreiz oder tränende Augen.

Demodex Milbe (Bild: adobe stock)

Fast jede zweite Anwenderin berichtet über Beschwerden

Für die Studie wurden 345 Frauen im Alter von 16 bis 28 Jahren befragt. Knapp ein Viertel der Teilnehmer hatte bereits Erfahrungen mit Wimpernverlängerungen gesammelt. 

Mehr als die Hälfte (58%) ließ die Behandlung alle drei bis vier Wochen durchführen. 

Dass die kosmetische Behandlung nicht immer ohne Folgen bleibt, zeigte sich in den Angaben der Teilnehmerinnen: 47,6% der Anwenderinnen berichteten über Beschwerden nach der Behandlung. Dazu zählten unter anderem gerötete oder tränende Augen, Juckreiz und ein unangenehmes Gefühl am Auge.

Die Wissenschaftler interessierten sich jedoch nicht nur für die subjektiven Beschwerden, sondern auch für mögliche Veränderungen am Lidrand und an der Augenoberfläche. Im Mittelpunkt standen dabei die Meibomdrüsen sowie eine mögliche Besiedlung der Wimpern mit Demodex-Milben.

Wimpernverlängerungen seien bei jungen Frauen ein äußerst beliebter kosmetischer Eingriff, da sie längere und dichtere Wimpern ohne den Einsatz von Mascara ermöglichen. Gleichzeitig gebe es zunehmend Hinweise darauf, dass das Verfahren Probleme an der Augenoberfläche verursachen kann, darunter Reizungen, Symptome trockener Augen und Funktionsstörungen der Meibom-Drüsen, heißt es in der Mitteilung zur Studie. Der Zusammenhang zwischen Wimpernverlängerungen und Demodikose sei jedoch bislang zudem nur unzureichend untersucht.

Blick auf die Meibom-Drüsen

Mithilfe der Meibografie dokumentierten die Wissenschaftler die Funktion der Meibom-Drüsen der Studienteilnehmer. Bei Personen, die mindestens 10-mal Wimpernverlängerungen erhalten hatten, fanden die Forscher in 85% der Fälle Hinweise auf eine Funktionsstörung der Drüsen. Anschließend untersuchte das Team Wimpernproben von 25 Personen, die regelmäßig Wimpernverlängerungen trugen. Bei allen bis auf einer Person wurden Demodex folliculorum-Milben nachgewiesen. Bei 18 Teilnehmern fanden sich zudem typische Anzeichen einer durch Milben verursachten Reizung wie Juckreiz, Lidrandirritationen, Rötungen, Schwellungen, verklebte Wimpern oder schuppige Ablagerungen am Wimpernansatz.

Hygiene und Aufklärung könnten helfen

Ein genereller Verzicht auf künstliche Wimpern lässt sich aus den Ergebnissen nach Ansicht der Studienautoren nicht ableiten. Vielmehr unterstreichen sie die Bedeutung einer konsequenten Lidrandhygiene und eines bewussten Umgangs mit möglichen Beschwerden.

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Für die regelmäßige Reinigung empfehlen die Wissenschaftler ein konservierungsmittelfreies, hypoallergenes Gel zur therapeutischen Lidrandhygiene, das zweimal täglich mithilfe einer speziellen Wimpernreinigungsbürste angewendet werden kann. Bei einem nachgewiesenen Demodex-Befall kommt gegebenenfalls eine antiparasitäre Behandlung infrage.

Auch für die augenoptische und optometrische Praxis ergeben sich daraus interessante Anknüpfungspunkte. Insbesondere bei Kundinnen mit wiederkehrenden Augenreizungen, Beschwerden des Trockenen Auges oder auffälligen Lidrändern kann es sinnvoll sein, nach regelmäßigen kosmetischen Wimpernbehandlungen zu fragen. Bei entsprechenden Auffälligkeiten sollte eine augenärztliche Abklärung erfolgen.

Wenn künstliche Wimpern den Blick auf den Lidrand erschweren

Auf einen weiteren Aspekt macht Professorin Sorcha Ni Dhubhghaill vom Universitätsklinikum UZ Brussel aufmerksam, die nicht an der Studie beteiligt war. Demodex-Milben lassen sich häufig anhand charakteristischer Ablagerungen am Wimpernansatz erkennen. Diese sogenannten „Collarettes“ bestehen unter anderem aus abgestorbenen Milben, Milbeneiern, Ausscheidungen sowie Haut- und Lipidresten.

Gerade bei Trägerinnen künstlicher Wimpern könnte dieses diagnostische Merkmal jedoch leichter übersehen werden. Der Klebstoff wird nahe am Ansatz der natürlichen Wimpern aufgetragen – also genau dort, wo sich auch die typischen Ablagerungen befinden.

Die Expertin weist zudem darauf hin, dass Demodex-Milben zwar weit verbreitet sind, bei jüngeren Frauen jedoch normalerweise nicht in größerer Zahl beobachtet werden.

Milbennachweis allein bedeutet noch keine Erkrankung

Nicht jeder Nachweis von Demodex folliculorum ist automatisch behandlungsbedürftig. Die Milben können zur normalen mikrobiellen Besiedlung des Auges gehören, ohne Beschwerden hervorzurufen. Klinisch relevant wird ihr Vorkommen insbesondere dann, wenn gleichzeitig Entzündungszeichen, Lidrandreizungen oder Funktionsstörungen der Meibomdrüsen auftreten.

Wie eng diese Veränderungen tatsächlich mit kosmetischen Wimpernverlängerungen zusammenhängen, muss allerdings noch genauer untersucht werden. Die Autoren weisen darauf hin, dass die Studie keine Kontrollgruppe mit Frauen ohne Wimpernverlängerungen umfasste. Ein ursächlicher Zusammenhang zwischen der kosmetischen Behandlung, der Milbenbesiedlung und den beobachteten Veränderungen an den Meibomdrüsen lässt sich daher bislang nicht nachweisen.

Weitere Untersuchungen mit größeren Teilnehmergruppen sollen Aufschluss darüber geben, welchen Einfluss insbesondere die Häufigkeit der Anwendungen auf die Lidrandgesundheit und die Augenoberfläche hat.

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