DBSV: Sichere Elektrofahrzeuge gefordert

Elektrofahrzeug
Der DBSV fordert eine bessere Wahrnehmung von Elektrofahrzeugen für Blinde und Sehbehinderte. Bild: Markus Spiske/Unsplash

Wegen Sicherheitslücken bei akustischem Warnsystem AVAS

Elektrofahrzeuge sind leiser als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren und werden schlechter wahrgenommen. Seit Juli 2021 müssen sie deshalb über ein AVAS (Acoustic Vehicle Alerting System) verfügen, das Warntöne erzeugt. Die Unfallforschung der Versicherer hat nun gefährliche Sicherheitslücken aufgedeckt.

„Jetzt haben wir es endlich schwarz auf weiß“, sagt Hans-Werner Lange, der Präsident des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes (DBSV). Die Studie „Wahrnehmung von Elektrofahrzeugen“, herausgegeben von der Unfallforschung der Versicherer (UDV), bestätigt, was blinde und sehbehinderte Menschen schon länger vermutet hätten: Ein AVAS, das den Vorgaben entspricht, sei in bestimmten Situationen trotzdem schlechter wahrnehmbar als ein Verbrennungsmotor.

In der Studie geht es konkret um die Frage, wie Fahrzeuge bei Beschleunigung wahrgenommen werden. Ein AVAS gibt hier laut DBSV zu wenig akustische Informationen, um die Beschleunigung gut einzuschätzen. In der Folge könnten sich riskante Situationen im Straßenverkehr ergeben. Ein weiteres Problem sei, dass ein AVAS sich beim Erreichen von 20 km/h abschaltet, weil man davon ausgeht, dass ab dieser Geschwindigkeit die Reifengeräusche überwiegen und ausreichen. Ein Trugschluss, wie die Studie nun beweise.

Hinzu kommt, dass in der Studie Fahrzeuge bei gleicher Beschleunigung verglichen wurden. Dass Elektrofahrzeuge in der Praxis deutlich schneller als Verbrenner beschleunigen können, verschlimmert das Problem. Ein weiterer wichtiger Punkt kommt von Hans-Werner Lange: „Die Testpersonen in der Studie konnten die Autos sehen und lagen bei der Einschätzung der Beschleunigung trotzdem daneben. Man kann sich vorstellen, wie viel schwieriger diese Einschätzung für Menschen ist, die auf visuelle Informationen verzichten müssen.“

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Der DBSV setzt sich seit vielen Jahren auf nationaler und europäischer Ebene für sichere Elektrofahrzeuge ein. „Angesichts der Ergebnisse dieser Studie müssen die Vorgaben für das AVAS-Geräusch dringend geändert werden. Wie die Erfahrung lehrt, kann das leider Jahre dauern. Deshalb fordern wir die Hersteller auf, freiwillig nachzubessern und so das erhöhte Risiko, das durch die Nutzung ihrer Elektrofahrzeuge entsteht, auf ein normales Maß zu senken“, unterstreicht Lange.

Position des Gemeinsamen Fachausschusses für Umwelt und Verkehr

Das Positionspapier „Akustische Wahrnehmbarkeit von geräuscharmen Kraftfahrzeugen durch optimiertes ‚Acoustic Vehicle Alerting System (AVAS) 2.0‘ stärken und Verkehrssicherheit erhöhen“ des Gemeinsamen Fachausschusses für Umwelt und Verkehr beim DBSV ist online unter www.dbsv.org/positionspapier-gfuv/avas-2023.html zu finden.

Quelle: DBSV

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