Anzeige
MIDO (Banner)

Forschung: Bei Gesichtsmasken fehlt das Lippenlesen

Visuelle Komponente wiegt schwerer als gedämpfte Akustik

Gesichtsmasken werden uns wohl auch nach der Akutphase der Corona-Pandemie noch länger begleiten, umso interessanter sind die ersten Ergebnisse, die Forschende der Universitätsmedizin Oldenburg jetzt zum Tragen von Mund-Nasen-Schutzmasken veröffentlicht haben.

Die Hörforscher haben untersucht, warum genau wir unser Gegenüber schlechter verstehen, wenn es eine Gesichtsmaske trägt. Das Ergebnis: Es liegt in erster Linie daran, dass wir ihm nicht auf den Mund schauen können. Die visuellen Gründe wiegen demnach also schwerer als die gedämpfte Akustik.

Wir sind alle Lippenleser

Die Forscher zeigen damit, dass nicht nur Menschen mit eingeschränktem Hörvermögen, sondern auch ein Großteil der anderen im Alltag unbewusst vom Lippenlesen profitiert. Haben sie diese Möglichkeit nicht, sinkt das Sprachverstehen deutlich.

Anzeige
Retinalyze (Banner)

Um herauszufinden, wie sich das Tragen von Stoff- und medizinischen Masken auf das Verstehen von Sprache auswirkt, hatten die Forschenden ihren Probanden mehrere Sätze vorgespielt. Mal hörten sie nur den Ton, dann sahen sie dazu auch das Video der Sprecherin. Im weiteren Versuchsverlauf war der Mund der Sprecherin von einer virtuellen Maske bedeckt. Dazu hörten die Versuchspersonen entweder den Originalton oder einen mit akustischer Dämpfung, wie sie für die beiden untersuchten Maskentypen typisch ist.

In allen Szenarien maßen die Forschenden, wie gut die Teilnehmenden die vorgespielten Sätze in einer Situation mit Nebengeräuschen verstehen konnten. Das Ergebnis: Trotz gleicher Tonqualität sank das Sprachverstehen umgerechnet um etwa ein Drittel, wenn der Mund der Sprecherin hinter der virtuellen Maske versteckt war. Genauso stark verminderte sich das Sprachverstehen, wenn die Teilnehmenden die Sprecherin gar nicht sehen konnten.

OP-Maske vor Stoffmaske

Die Untersuchungen zeigten auch, dass die Stoffmaske die Verständlichkeit etwas stärker verschlechterte als die medizinische Maske. Das Ergebnis der Studie „How Face Masks Interfere with Speech Understanding of Normal-Hearing Individuals: Vision Makes the Difference” präsentiert das interdisziplinäre Forschungsteam jetzt im Fachmagazin Otology & Neurotology. Aktuell führt das Team Messungen mit FFP2-Masken durch.

Quelle: Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg

Ähnliche Beiträge

  • Hormonelle Veränderungen in den Wechseljahren

    Die Wechseljahre stellen nicht nur eine hormonelle Umstellung dar, sondern haben auch erhebliche Auswirkungen auf die Augengesundheit. Es ist wichtig, die spezifischen Augenprobleme, die durch die hormonellen Veränderungen in dieser Lebensphase entstehen, zu verstehen und zu erkennen. In diesem Beitrag lesen Sie die Hintergründe.

  • Forschung: Neues genetisches Risiko bei AMD entdeckt

    Australische Forscher haben einen entscheidenden Unterschied in den genetischen Veränderungen bei Patienten mit Altersbedingter Makuladegeneration (AMD) identifiziert. Die internationale Studie weist darauf hin, dass retikuläre Pseudodrusen (RPD), eine Unterform der AMD, mit genetischen Varianten auf Chromosom 10 in Verbindung stehen.

  • DOG: Myopie-Entwicklung im Lockdown

    Eine Myopie-Reihenuntersuchung an 123.000 Schulkindern in China hat ergeben, dass sich die Kurzsichtigkeit der Sechs- bis Achtjährigen im Jahr 2020 im Schnitt um 0,3 Dioptrien verschlechterte.

  • Topcon: Kooperation mit Beuth Hochschule

    Die Studierenden des Studiengangs Augenoptik/Optometrie der Beuth Hochschule werden auch im kommenden Herbstsemester die Systemsoftware „Harmony“ von Topcon nutzen.

  • Augengesundheit: Risikofaktor Augenfarbe

    Wie man heute weiß, hängt die Farbe der Iris auch mit der Neigung zu bestimmten Augenerkrankungen zusammen. In einem aktuellen Überblick zeigen Experten der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG), was über diesen Zusammenhang bekannt ist.