Kontaktlinsen im Spitzensport
Sehen, wenn es zählt: Kontaktlinsen im Leistungs- und Profisport
Im Sport wird Sehen Teil der Handlung. Wer sprintet, kämpft, schwimmt, Rad fährt oder im Eiskanal unterwegs ist, muss Entfernungen einschätzen, Bewegungen vorhersehen, Anzeigen erkennen und in Sekundenbruchteilen reagieren. Eine Brille kann dabei an Grenzen stoßen: Sie beschlägt, verrutscht, stört unter Helm oder Schutzbrille – oder wird bei Körperkontakt zum Risiko. Kontaktlinsen können hier entscheidende Vorteile bieten. Insbesondere Ortho-K ist dabei die Königsklasse. Eine Sportlerin und zwei Sportler aus sehr unterschiedlichen Disziplinen zeigen, welche Rolle gutes Sehen im Leistungs- und Profisport spielt – und was sich daraus auch für den Breitensport ableiten lässt.
Wenn über eine Sehkorrektion im Sport gesprochen wird, geht es fast immer erst mal um praktische Fragen: Was passiert bei Regen? Was beim Schwitzen? Was unter dem Helm, in der Schwimmbrille oder beim Zweikampf? Doch je höher das sportliche Niveau, desto deutlicher wird: Sehen ist nicht nur Komfort, sondern Teil der Leistung.
Im Profisport und ambitionierten Leistungssport muss eine Sehkorrektion verlässlich sein. Sie darf nicht ablenken, nicht verrutschen, nicht drücken und nicht im entscheidenden Moment stören. Gleichzeitig sind die Anforderungen je nach Disziplin sehr unterschiedlich. Im Kampfsport steht Sicherheit im Vordergrund. Im Triathlon muss das gute Sehen über drei Disziplinen hinweg mitmachen. Und im Bob und und in der Leichtathletik geht es um Orientierung und Konzentration.
Für die Kontaktlinsenanpassung ist Sport gerade auch aus diesem Grund ein besonders anschauliches Praxisfeld. Hier zeigt sich, ob eine Versorgung nicht nur refraktiv passt, sondern ob sie auch unter Belastung, Bewegung, wechselnden Umgebungsbedingungen und in Kombination mit sportartspezifischer Ausrüstung zuverlässig funktioniert. Nicht allein die Sehschärfe entscheidet, sondern das Zusammenspiel aus Sehqualität, Stabilität, Tragekomfort, Sicherheit und subjektivem Vertrauen in die Versorgung.
Insbesondere bei leistungsorientierten Sportlern wird deutlich, wie individuell diese Anforderungen sein können. Hier kommt beispielsweise bei der Orthokeratologie ein entscheidender Aspekt hinzu: Da die eigentliche Korrektion nachts getragen wird, steht während des Trainings und Wettkampf buchstäblich nichts im Wege. Für Sportler, die unter hoher Belastung keine Fremdkörperwahrnehmung, kein Verrutschen und keine Einschränkung durch eine Brille riskieren möchten, kann das ein relevanter Vorteil sein.
Talea Prepens: Freie Sicht für Sprintbahn und Eiskanal
Talea Prepens ist 24 Jahre alt, studiert Hörtechnik und Audiologie und betreibt seit rund 17 Jahren Leichtathletik. Seit dem vergangenen Jahr ist sie zusätzlich im Bob-Sport aktiv. In beiden Sportarten nahm sie bereits an internationalen Wettkämpfen teil. Seit etwa zwei Jahren trägt sie Ortho-K-Linsen von Wöhlk.
Für die Sportlerin bedeutet gutes Sehen nicht nur, im eigentlichen Wettkampf besser zu funktionieren. Entscheidend ist für sie der gesamte Wettkampftag. Ein Rennen dauert im Bob nur wenige Sekunden, doch die Zeit davor ist lang: Ankommen, vorbereiten, aufwärmen, sich orientieren, mit Menschen sprechen, Anzeigen lesen, Wege finden. Gutes Sehen ist für sie deshalb vor allem auch mit Wohlbefinden und Entlastung verbunden.
Eine Brille zu tragen, ist in ihren Sportarten kaum praktikabel. Im Training und Wettkampf im Freien können Regentropfen oder beschlagene Gläser stören. In der Leichtathletik kommt die hohe körperliche Belastung hinzu, im Bob die Ausrüstung und die besondere Wettkampfsituation. Der Wechsel zwischen Brille im Alltag und keiner Brille im Sport war für Talea Prepens auf Dauer ebenfalls unangenehm. Sie beschreibt gutes Sehen im Wettkampf nicht nur als funktionalen Faktor, sondern vor allem als Entlastung: „Es ist weniger Anstrengung für den Kopf.“ Auch bei geringer Fehlsichtigkeit habe sie gemerkt, wie sehr Orientierung, das Ablesen von Anzeigen oder das Erkennen von Personen auf Dauer beanspruchen können. Zunächst probierte sie klassische Kontaktlinsen aus. Doch gerade bei längeren Sprinteinheiten, die sie auch in Wettkampfsituationen hat, fühlte sie sich damit nicht ausreichend wohl. Die Ortho-K-Linsen brachten für sie den entscheidenden Unterschied: Tagsüber trägt sie keine Kontaktlinsen und muss sich unter Belastung keine Gedanken über den Sitz machen.
Wichtig war dabei die individuelle Beratung. Talea Prepens verweist auf ihren langjährigen Augenoptiker Dirk Bergner aus Cloppenburg, der ihre sportliche Situation kannte und mit ihr verschiedene Möglichkeiten besprach. Anpassung und Nachkontrolle stehen bei ihm und ihr immer im Mittelpunkt der Versorgung. Schon die Beratung muss klären, welche Lösung zur jeweiligen Sportart, zur Belastung und zum persönlichen Empfinden passt.
Miloš Drakulić: Sehen unter Druck
Auch im Kickboxen ist ein Brille keine Option. Miloš Drakulić muss im Training und Wettkampf Schläge und Tritte zum Gesicht verteidigen. Eine Brille würde nicht nur stören, sondern auch ein hohes Verletzungsrisiko darstellen. Für ihn bietet die Kontaktlinse deshalb zwei Vorteile zugleich: klares Sehen und mehr Sicherheit im Vergleich zur Brille.
Im Ring geht es um Distanz, Timing und Reaktion. Bewegungen des Gegners müssen sofort erkannt, Angriffe präzise gesetzt und Verteidigungen im richtigen Moment ausgeführt werden. Der Sportler beschreibt, dass in seinen Kämpfen Zentimeter und Millisekunden über Sieg oder Niederlage entscheiden können. Gute Sehqualität ist für ihn deshalb unmittelbar mit sportlicher Leistung verbunden.
Er trägt als Ortho-K die „seefree“-Nachtlinse von Hecht. Der Vorteil: Während Training und Wettkampf hat er keine Kontaktlinse auf dem Auge. Damit entfällt das Linsen-Gefühl, das er mitunter als Fremdkörper empfindet, und er muss sich keine Sorgen machen, dass eine Linse verrutschen könnte. Gerade im Kampfsport ist das ein zentraler Punkt. Wer getroffen wird, sich schnell bewegt und permanent auf den Gegner reagieren muss, kann sich keine Ablenkung leisten.
Miloš Drakulić berichtet, dass sich vor allem Präzision und Reaktionszeit für ihn verbessert haben. Er könne Angriffe gezielter ausführen und sich in der Verteidigung stärker auf seine Wahrnehmung verlassen. Gleichzeitig betont er die Bedeutung professioneller Anpassung und regelmäßiger Nachkontrollen. Im Wettkampf wolle er stets das letzte Stück Leistung abrufen – dafür müsse auch die Sehkorrektion langfristig stabil funktionieren.
Sebastian Kienle: Drei Disziplinen, eine Lösung
Ein weiteres Beispiel stammt aus dem Triathlon. In einem früheren FOCUS-Beitrag wurde Sebastian Kienle vorgestellt, der bereits seit 2005 „sleeplens“-Linsen von Techlens trug. Kienle gehörte damals zur Weltspitze im Langdistanz-Triathlon. Er wurde 2014 Weltmeister beim Ironman Hawaii, war mehrfacher Ironman-Europameister und Weltmeister auf der Ironman-Halbdistanz.
Triathlon stellt besondere Anforderungen an jede Form der Sehkorrektion. Beim Schwimmen ist eine normale Brille nicht nutzbar. Beim Radfahren kommen Tempo, Wind, wechselnde Lichtverhältnisse, Helm und Sportbrille hinzu. Beim Laufen soll die Sehkorrektion möglichst gar nicht mehr wahrgenommen werden. Genau hier wird deutlich, warum Kontaktlinsen im Sport mehr leisten können als eine reine Korrektion der Fehlsichtigkeit.
Kienle beschreibt die Versorgung mit Nachtlinsen als Lösung, die ihm tagsüber ein Leben ohne Brille und ohne Kontaktlinse auf dem Auge ermöglichte. Für einen Triathleten bedeutet das: keine zusätzliche Sehhilfe beim Schwimmen, keine störende Brille auf dem Rad und keine Weichlinse, die beim Laufen trocken wird oder eine Formstabile, die verrutschen könnte.
Das Beispiel zeigt besonders klar, warum Ortho-K für bestimmte Sportprofile interessant sein kann. Wer über lange Zeiträume trainiert, zwischen verschiedenen Disziplinen wechselt oder unter Wettkampfbedingungen keine Kompromisse bei der Sehhilfe machen möchte, braucht eine Versorgung, die zum gesamten sportlichen Ablauf passt.
Was der Profisport für den Breitensport zeigt
Die drei Beispiele stammen aus Sportarten, die über den normalen Hobbysport hinausgehen. Doch sind sie für die augenoptische Beratung interessant, denn im Profisport werden Anforderungen sichtbar, die im Breitensport oft ebenfalls vorhanden sind – nur weniger zugespitzt.
Auch Freizeit- und Hobbysportler kennen beschlagene Gläser, rutschende Fassungen, eingeschränkte Sichtfelder oder Druckstellen unter Helm und Kopfbedeckung. Beim Joggen stört die Brille, wenn sie beim Schwitzen immer wieder nach unten rutscht. Beim Radfahren muss sie mit Helm und Sportbrille harmonieren. Beim Fußball, Handball oder Kampfsport kann sie zum Sicherheitsrisiko werden. Und beim Reiten, Skifahren, Wandern oder Segeln kommen da noch Wind, Wetter, Staub und wechselnde Lichtverhältnisse hinzu.
Für Augenoptiker ergibt sich daraus ein klarer Beratungsansatz: Sport sollte in der Kontaktlinsenanamnese aktiv abgefragt werden. Welche Sportart genau betreibt der Kunde? Wie häufig? Drinnen oder draußen? Mit Helm, Schutzbrille oder Schwimmbrille? Gibt es Körperkontakt? Wie lange dauert die Belastung? Wird die Linse nur gelegentlich getragen oder regelmäßig? Und gibt es Situationen, in denen eine Brille bisher als störend oder unsicher empfunden wurde?
Je nach Antwort können ganz unterschiedliche Kontaktlinsenlösungen sinnvoll sein. Für manche Sportler sind Tageslinsen eine einfache und hygienische Option. Oder sind Monatslinsen ideal? Andere benötigen torische oder multifokale Kontaktlinsen. Bei bestimmten Anforderungen kann gerade eine Ortho-K-Linse eine optimale Möglichkeit sein, vor allem, wenn selbst klassische Kontaktlinsen unter Belastung als störend empfunden werden.
Entscheidend bleibt die individuelle Anpassung. Kontaktlinsen im Sport sind kein pauschales Leistungsversprechen. Sie müssen zur Fehlsichtigkeit, zum Auge, zum Tränenfilm, zur Sportart und zum Alltag passen. Gerade bei intensiver Belastung, Wasser, Staub, Wind oder Körperkontakt sind realistische Beratung, Hygienehinweise und regelmäßige Nachkontrollen wichtig.
Für viele Kunden lässt sich der Nutzen jedoch unmittelbar vermitteln. Wer beim Laufen nicht mehr die Brille hochschieben muss, wer beim Radfahren ein freies Sichtfeld hat oder wer beim Training nicht zwischen Brille und unscharfem Sehen wechselt, erlebt Kontaktlinsen nicht nur als Sehhilfe. Sie werden zu einem Stück Bewegungsfreiheit. Je selbstverständlicher gutes Sehen funktioniert, desto weniger steht es der Bewegung im Weg.








