MAFO – The Conference 2026
Vision Trends 2026
Wie werden Brillengläser additiv gefertigt? Was haben smarte Brillen mit Myopie-Management zu tun? Oder wie kann die blocklose Fertigung der Zukunft aussehen? Diese und viele Themen mehr wurden auf der 24. MAFO – The Conference in Mailand präsentiert und ausführlich diskutiert. Das Event etabliert sich Jahr für Jahr mehr als wichtiges Kick-off-Event vor der Mido, speziell für Brillenglasexperten. Hier erfahren sie alles rund um modernste Technologien für die Brillenglasfertigung und weitere Trends rund um das Brillenglas und smarte Technik.
130 Teilnehmer versammelten sich am 30. Januar, einen Tag vor der Mido. Damit verzeichnete die Konferenz einen Besucheranstieg von mehr als 30% im Vergleich zum Vorjahr. Die Besucher kamen aus 23 Ländern. Unter Ihnen sind Vertreter aus der Maschinenindustrie, Experten aus Schleifereien oder aus der Brillenglasentwicklung.
Insgesamt 14 Redner mit 12 Vorträgen bereicherten die Veranstaltung und referierten über brandaktuelle Technologien und innovative Produkte. Auch durch diese 24. Ausgabe der Konferenz leitete der langjährige Chairman und Brillenglasexperte Prof. Dr. Peter Baumbach. Erstmalig wurde am Ende des Tages auch der MAFO – The Conference Publikumsaward verliehen. Doch nun erst einmal zurück zum Anfang.
„Wir stehen an Ihrer Seite, um Sehen zu verbessern“
Eine Brille, die so einfach wie eine Kamera den Fokus automatisch einstellt: Das ist die Vision von IXI Eyewear und dem ambitionierten CEO Niko Eiden. Eiden startete auf der Konferenz mit exklusiven Einblicken in die Technologie der Autofokusbrille und zeigte den langen Weg bis zur möglichen Marktreife. Dass die Entwicklung mit technologischen Herausforderungen verbunden ist, daraus machte der CEO keinen Hehl. Gleichzeitig zeigte er sich überzeugt, dass diese Hürden in absehbarer Zeit überwunden werden können. Neben der Eye-Tracking-Technologie zählen insbesondere die erreichbare Bandbreite der optischen Wirkung sowie die Transparenz der Gläser zu den zentralen Entwicklungsfeldern. Forschung und Entwicklung erfolgen vollständig unternehmensintern in einem eigenen Labor in Finnland.
Für die spätere Markteinführung setzt IXI Eyewear bewusst auf die Zusammenarbeit mit Augenoptikern, die eine zentrale Rolle bei Anpassung, Beratung und Integration der Technologie in die augenoptische Versorgung übernehmen sollen. In diesem Zusammenhang gab das Unternehmen eine strategische Partnerschaft mit den französischen Augenoptiker-Netzwerken Atol und Vizio bekannt. Ziel der Kooperation ist es, den Marktzugang über etablierte augenoptische Strukturen vorzubereiten und die Einführung der Technologie im augenoptischen Fachhandel zu unterstützen. Ein ausführliches Interview dazu lesen Sie hier.
Eine „blocklose“ Vision
Eine neue Vision für die Brillenglasfertigung stellten Andy Huthoefer und Alexandre Cormier von Satisloh im zweiten Vortrag des Tages vor: das sogenannte blocklose Surfacing. Ziel dieser Technologie ist es, den bisherigen Blocking-Prozess zu eliminieren und damit die Fertigungskette zu vereinfachen.
Beim klassischen Surfacing wird das Brillenglas zunächst auf einen Block fixiert, um es während der Bearbeitung zu stabilisieren. Die neue Lösung von Satisloh verzichtet auf diesen Schritt. Stattdessen sorgen rund 400 individuell gesteuerte Pins für eine präzise und stabile Unterstützung des Glases während der Bearbeitung.
Laut Unternehmen lassen sich damit nahezu alle Brillenglastypen bearbeiten. Auch der Durchsatz soll vergleichbar mit dem etablierter Generator-Systeme sein.
Thermischer Antibeschlagschutz
„Sind heute Wintersportfreunde anwesend?“, so eröffnete Fabrice Bagnoud von Solabs Nanotechnology den dritten Vortrag des Tages. Denn viele kennen die Situation: Man ist draußen aktiv, bleibt kurz stehen, atmet aus – und plötzlich beschlagen die Brillengläser.
Für dieses Problem hat das Start-up eine technische Lösung entwickelt. Die Antibeschlag-Technologie basiert auf einer halbkontinuierlichen Metallschicht, die in ein Material mit hohem Brechungsindex eingebettet ist. Diese Schicht absorbiert Infrarotlicht – etwa aus Sonnenlicht oder von LEDs – und erwärmt die Glasoberfläche leicht. Dadurch wird die Bildung von Kondenswasser reduziert oder verhindert.
Die Beschichtung ist mit anderen Veredelungen kombinierbar und kann auf verschiedenen Glasmaterialien eingesetzt werden. Die Transparenz wird dabei leicht reduziert und liegt bei etwa 80%, weshalb sich die Technologie besonders für Sportbrillen, Sonnenbrillen und Goggles eignet.
Über echte menschliche Intelligenz
Im Mittelpunkt des Vortrags von Dr. Bernd Freyermuth von Lensware stand die IT-Architektur moderner Lens Management Systeme (LMS). Ziel sei es, Laborprozesse möglichst gut zu integrieren, zu automatisieren und damit Effizienz sowie Produktivität zu steigern. Gleichzeitig müsse jede Lösung individuell auf die Anforderungen des jeweiligen Labors zugeschnitten werden. Eine zentrale Rolle spiele dabei aktuell die Standardisierung von Schnittstellen und Prozessen.
Kritisch äußerte sich Freyermuth zum derzeitigen „KI-Hype“. Nach seiner Einschätzung komme in vielen industriellen Anwendungen keine echte Künstliche Intelligenz zum Einsatz. Auch die eigene Software versteht er klar als Engineering-Lösung, die auf menschlicher Expertise basiert – nicht auf KI.
Der EU-Markt
Im folgenden Vortrag präsentierte Roland Lorek von GfK/NielsenIQ aktuelle Marktdaten zur Augenoptik in Europa. Grundlage waren deren Auswertungen, mit Fokus auf die Märkte in Frankreich, Spanien, Italien und Deutschland. Im Mittelpunkt standen Konsumentenverhalten, Marktentwicklungen sowie Verkaufszahlen für Brillen und Brillengläser.
Trotz wirtschaftlicher Herausforderungen verzeichnete der Gesamtumsatz im stationären Handel in allen vier Ländern ein Wachstum. Gleichzeitig stiegen die Durchschnittspreise für Brillengläser. Dies ist unter anderem auf eine Verschiebung im Produktmix zurückzuführen, insbesondere auf den zunehmenden Anteil von Gleitsichtgläsern.
PFAS: Die Zeit drängt
Carsten Leutloff vom Industrieverband Spectaris erläuterte die geplante EU-weite Beschränkung von PFAS-Stoffen und deren Auswirkungen auf die Brillenglasindustrie. Die Regulierung ist sehr weit gefasst und betrifft Herstellung, Inverkehrbringen und Verwendung dieser Stoffe in nahezu allen Anwendungsbereichen. „Dieses Verbot stellt daher eine erhebliche Herausforderung für unsere Branche dar“, betonte Leutloff.
Besonders die augenoptische Industrie sei stark betroffen, gleichzeitig dränge die Zeit, um mögliche Ausnahmeregelungen zu erreichen. Zur Vertretung der Brancheninteressen wurde ein umfassender Bericht erarbeitet und bei der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) eingereicht.
Ein Thema, das auch in der anschließenden Mittagspause intensiv unter den Teilnehmern diskutiert wurde.
Kosmetische Inspektion mit modularem Ansatz
Dr. François Van Lishout von Automation & Robotics sprach über automatisierte Inspektionssysteme in Brillenglaslaboren. Entscheidend sei ein modularer Ansatz, der auf die individuellen Anforderungen jedes Labors abgestimmt ist – nicht die bloße Installation einer Maschine als Ersatz für den Menschen.
Eine wichtige Rolle spielen Daten, um Abläufe und Qualitätsstandards besser zu verstehen und die Systeme zu optimieren. Gleichzeitig warnte Van Lishout vor direkten Vergleichen zwischen Laboren, da Rahmenbedingungen stark variieren können. Ziel sei es, die Systeme im jeweiligen Umfeld zu trainieren. „Beide können voneinander lernen: der Mitarbeiter von der Maschine und die Maschine vom Mitarbeiter“, sagt er.
Es muss nicht immer KI sein
Einen weiteren Vortrag zum Thema Lens Management Systeme hielt Dan Baker von Ocuco. Im Fokus standen die Rolle von KI und der Umgang mit Daten in modernen LMS-Lösungen. Zwar sei das Interesse an KI groß, aktuell setze Ocuco diese jedoch weder in der Software noch bei deren Entwicklung ein.
Entscheidend für einen effizienten Laborbetrieb seien vielmehr strukturierte Daten, zuverlässige Automatisierung und klar definierte Prozesse. Moderne LMS entwickeln sich dabei von reinen Datenspeichern zu aktiven Steuerungssystemen, die Produktionsabläufe koordinieren, Durchlaufzeiten optimieren und die steigende Komplexität der Fertigung besser beherrschbar machen.
Brillenglasbearbeitung der nächsten Generation
Sebastian Schneider von Schneider stellte Entwicklungen im Bereich der automatisierten Brillenglasbearbeitung (Edging) vor. Behandelt wurden Technologien und Konzepte, die eine effiziente und zukunftssichere Fertigung ermöglichen sollen – etwa durch optimierte Arbeitsabläufe, Mehrstationen-Systeme und angepasste Glasdesigns.
Auch typische Herausforderungen wie Verrutschen der Gläser oder Verunreinigungen wurden adressiert. Lösungen wie eine gezielte Maschinenkonditionierung sollen hier für stabilere Prozesse sorgen. Nachhaltigkeit spielt ebenfalls eine wichtige Rolle, etwa durch geringeren Energieverbrauch, verbessertes Abfallmanagement und den Einsatz von Low-Ionizern für sauberere Maschinen und Gläser. Zudem sei eine kontinuierliche Qualitätskontrolle entscheidend, um Fehler frühzeitig zu erkennen und Ausschuss zu vermeiden.
Labore effizienter machen
Simone Mangili von MEI stellte neue Ansätze zur Transformation der Brillenglasfertigung vor, darunter blocklose und trockene Bearbeitungstechnologien. Durch den Wegfall klassischer Prozessschritte wie Blocking, Kühlung und Transport lassen sich Produktionszeit, Kosten sowie Energie- und Wasserverbrauch deutlich reduzieren.
Weitere Vorteile sind eine integrierte Qualitätskontrolle, ein geringerer Platzbedarf und stabilere Prozesse mit hoher Wiederholgenauigkeit. Blocklose Systeme ermöglichen zudem schnellere Durchlaufzeiten, die Verarbeitung dünnerer Glasrohlinge und effizientere Arbeitsabläufe. Laut Mangili tragen diese Entwicklungen dazu bei, die Nachhaltigkeit zu verbessern und Labore auf zukünftige Anforderungen vorzubereiten.
Was smarte Brillen mit Myopie-Management zu tun haben
Ein zentrales Zukunftsthema griff Balthazar Masurel von EssilorLuxottica auf: das Myopie-Management – erstmals in Verbindung mit smarten Brillen. Für EssilorLuxottica habe dieses Thema höchste Priorität. „Wenn wir auf die aktuelle Entwicklung blicken, werden allein zwischen 2020 und 2030 weltweit mehr als 100 Millionen zusätzliche Kinder myop“, so Masurel. Angestrebt wird, Myopie-Management als festen Versorgungsstandard für alle kurzsichtigen und prämyopen Kinder zu etablieren.
Entscheidend dafür sei die Zusammenarbeit aller Beteiligten in einem offenen Netzwerk – von der Industrie über Augenärzte und Augenoptiker bis hin zu Eltern und Lehrern, die Sehprobleme oft zuerst bemerken. Parallel dazu wächst das wissenschaftliche Verständnis, unter anderem durch Forschung im Bereich der Neurowissenschaften.
Die neu vorgestellten Essilor Stellest Smart Glasses sollen diesen Ansatz unterstützen, indem sie Daten zur tatsächlichen Tragedauer und zu Tragemustern erfassen. Diese Informationen können helfen, die Versorgung weiter zu optimieren und die Wirksamkeit von Myopie-Management-Lösungen besser zu verstehen.
Additiv gefertigte Brillengläser in drei Minuten
Den letzten und mit Spannung erwarteten Vortrag hielten Dr. Daniel Crespo und Dr. José Alonso von IOT. Sie präsentierten eine neue Technologie, mit der Brillengläser im additiven Fertigungsverfahren in nur drei Minuten hergestellt werden können. Einen ausführlichen Bericht dazu finden Sie auf Seite 32.
Wie groß das Interesse an diesem Ansatz ist, zeigte sich auch im Anschluss an den Vortrag: Zahlreiche Fragen aus dem Publikum unterstrichen die Relevanz des Themas für die zukünftige Brillenglasfertigung.
MAFO – The Conference
ist eine internationale Fachkonferenz für Brillenglas-Experten, organisiert von der Fachzeitschrift MAFO (Manufacturers Forum) aus dem Eyepress Fachmedien Verlag. Die Veranstaltung feiert 2027 ihre 25. Ausgabe. Sie fand ursprünglich im Umfeld der Silmo in Paris statt und wird seit fast zwei Jahrzehnten traditionell in Mailand ausgerichtet – unmittelbar vor der Mido.
Organisiert wird die Konferenz von Hanna Diewald, unterstützt durch die Redaktionsteams der anderen Eyepress-Zeitschiften. Als langjähriger Chairman moderiert Prof. Dr. Peter Baumbach die Veranstaltung. Baumbach war Professor für Augenoptik/Optometrie an der Hochschule Aalen und zählt zu den anerkannten Experten für visuelle Optik und Brillenglasdesign.
And the winner is …
Zum Abschluss des Tages folgte eine echte Konferenzpremiere: die Verleihung des ersten „MAFO – The Conference Audience Award“ für eine herausragende Präsentation. Das Publikum war aufgerufen, aus den zwölf Vorträgen denjenigen auszuwählen, der in besonderem Maße durch Inspiration, Relevanz, fachliche Tiefe und Präsentationsqualität überzeugte. Gewonnen haben Dr. Daniel Crespo und Dr. José Alonso von IOT.
Ein besonderer Dank des MAFO-Teams geht zudem an alle weiteren Konferenzredner und den langjährigen Chairman Prof. Dr. Peter Baumbach!
Im kommenden Jahr, am 5. Februar 2027, feiert MAFO mit der 25. Ausgabe von MAFO – The Conference ein Jubiläum. Wie immer am Freitag vor der Mido.


















