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Mitreiten? Beobachten? Abwarten? 

Manchmal rollen Wellen lange, beinahe lautlos auf uns zu, ziehen sich wieder zurück – und schlagen erst später mit voller Kraft auf. Betrachtet man, was sich derzeit in der Augenoptik bewegt, wirkt es so, als stünde die Branche genau auf einer solchen Welle. Rund 20 Jahre nach der Freiformrevolution erleben wir zwar keine einzelne große Zäsur, aber dafür einen Umbruch auf vielen Ebenen gleichzeitig. Eine Phase, in der Altbekanntes für manch einen überraschend zurückkehrt, Technologien neue Relevanz gewinnen und Themen, die lange am Rand verliefen, plötzlich ins Zentrum rücken.

Ein Beispiel dafür ist die additive Fertigung von Brillengläsern. Schon 2017 wurde dafür der erste 3D‑Drucker vorgestellt, wenig später verschwand die Technologie jedoch wieder von der Bildfläche. Man hörte, dass im Hintergrund weitergearbeitet würde, aber öffentlich blieb es still. Nun kehrt der 3D‑Druck für Brillengläser in die Augenoptik zurück – nicht als theoretisches Konzept, sondern mit einer Fertigungsgeschwindigkeit, die erstmals industriell konkurrenzfähig erscheint. Wie weit die Technik heute ist, lesen Sie hier im Beitrag und im Kontext der MAFO‑Konferenz hier.

Dann wäre da noch die Autofokusbrille. Im Gespräch mit dem finnischen Start‑up IXI zeigt sich, dass diese Entwicklung nun eine konkrete Richtung erhält. Eine elektronisch gesteuerte Brille, die Nah‑, Zwischen‑ und Fernbereiche dynamisch zuschaltet und dies ohne sichtbare Mechanik – das könnte den Markt langfristig verändern. Das gemeinsame Pilotprojekt mit der französischen Optikergruppe Atol les Opticiens zeigt, dass die Technologie demnächst schon in realen Versorgungsszenarien getestet wird.

Auch der Blick auf die Mido 2026 verdeutlicht, wie international vernetzt die Innovationswelle inzwischen verläuft. Ob Smart Glasses, neue Plattformen für Künstliche Intelligenz oder Ansätze in der nachhaltigen Fertigung – weltweit scheint die Branche an einem Punkt, an dem viele Strömungen zusammenlaufen. Auch hier sei erneut der Verweis zur MAFO‑Konferenz gezogen, der jährlichen Fachtagung, die dem Manufacturers Forum entspringt und nächstes Jahr bereits zum 25. Mal internationale Köpfe der Brillenglasindustrie am Vortag der Mido zusammenbringt. Denn auch dieses Mal lieferte das Event dazu das passende Fachfundament: Von digitalen Fertigungsprozessen über blocklose Schleifsysteme bis hin zu KI‑gestützten Entwicklungsmodellen zeigte sich, wie stark sich Herstellungslogiken verändern.

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Mailand oder München, Hauptsache … Augenoptik! Ja, auch hierzulande glänzt die Branche überall dort, wo gute Sicht gefeiert wird. So waren auf der Opti 2026 wieder zahlreiche Brillenglashersteller präsent (Seite 28), die komplett neu gedachte Portfolios, verstärkte Individualisierung oder KI‑basierte Berechnungsansätze präsentierten.

Und schließlich lohnt noch der Blick auf die Kontaktlinsenwelt von München, so, wie sie uns Mitte Januar dargeboten wurde, als zahlreiche Kontaktlinsenanbieter auch neue Materialien, optimierte Tages‑ und Wochenlinsen sowie digitale Anpasswerkzeuge vorstellten.

Was lernen wir daraus? Viele der „Wellen“, die nun sichtbar werden, rollten bereits seit Jahren im Hintergrund. Manche werden sich durchsetzen, andere vermutlich wieder im Sand verlaufen. Doch genau jetzt ist die Phase, in der die Branche entscheiden muss: Mitreiten? Beobachten? Abwarten? Es ist eine Zeit, in der strategische Weichen gestellt werden – im Labor, im Laden, im Gespräch mit Herstellern und in der eigenen Haltung zu technologischen Veränderungen.

Ob additive Fertigung, Autofokus, smarte Systeme, neue Fertigungslogiken oder Künstliche Intelligenz: Jede dieser Entwicklungen trägt das Potenzial in sich, die Augenoptik weiterzuformen. Und es liegt an uns allen, sie nicht nur zu beobachten, sondern aktiv zu begleiten.

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