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ZVA: Das Ende einer Ära – und ein Neubeginn 

Zeit für Neues. Ehrenpräsident Thomas Truckenbrod und der neu gewählte ZVA-Präsident Christian Müller.
Zeit für Neues. Ehrenpräsident Thomas Truckenbrod und der neu gewählte ZVA-Präsident Christian Müller. Alle Fotos: ZVA/Peter Magner

ZVA-Mitgliederversammlung 2023

Bei strahlendem Sonnenschein trafen sich die Delegierten der Landesinnungsverbände am 11. und 12. März 2023 im Dorint Hotel in der Weimarer Innenstadt zur diesjährigen ZVA-Mitgliederversammlung. Und passend zu dieser bedeutenden, historischen Kulisse schrieb auch der ZVA an diesem Wochenende ein kleines bisschen Geschichte. Von Sarah Schmidt

Am Samstagmorgen des 11. März begrüßte der zu diesem Zeitpunkt noch amtierende ZVA-Präsident ­Thomas Truckenbrod die anwesenden Delegierten, die Gäste und den ZVA-Vorstand zur Mitgliederversammlung 2023. Als erste Handlung des Tages wurde Detlef Micheli, der vom Jahr 2000 bis 2020 als Vorstandsmitglied der Augenoptiker- und Optometristen Innung Thüringen tätig war, mit der goldenen Ehrennadel des ZVA ausgezeichnet. Die letzte goldene Ehrennadel seiner fast 13-jährigen Amtszeit verlieh Thomas Truckenbrod an Michael Odo Hauck. Hauck war nicht nur 45 Jahre im Ehrenamt für den Verband tätig, sondern gab auch dem Léon-Hauck-Preis, welcher von seinem Vater gestiftet wurde, ein Gesicht. Seine Verdienste für den Berufsstand und die anschließende, sehr persönliche Rede zur Augenoptik im Wandel der Zeiten wurde von den Anwesenden mit Standing Ovations gefeiert.

Die letzte Amtshandlung

Im Anschluss an diese besonders berührenden Ehrungen stellte Thomas Truckenbrod seinen 27. und damit letzten Bericht zur aktuellen Situation vor. Gewohnt locker und amüsant vermittelte er die Inhalte und bewies damit einmal mehr, warum er als Präsident so gemocht und geschätzt wurde. Der Bericht umfasste neben den aktuellen Zahlen aus dem Geschäftsjahr 2022 auch die aktuelle Verbandsarbeit und einen Rückblick auf die vergangene Opti im Januar dieses Jahres. Alles in allem war dieser Bericht so engagiert und allumfassend ausgearbeitet, dass die einzelnen Ausschüsse in ihrer Redezeit teilweise nur noch Ergänzungen machen mussten. 

Neuigkeiten aus den Ausschüssen

Im Anschluss daran wurden die Neuigkeiten aus den jeweiligen Ausschüssen vorgestellt. Im Berufsbildungsausschuss musste man sich die Frage stellen, wie man den fehlenden Nachwuchs generieren kann, ohne das Ausbildungsniveau und die Anforderungen an die Auszubildenden weiter abzusenken. 

Der Betriebswirtschaftliche Ausschuss ging noch einmal detailliert auf die Branchenzahlen ein. Dabei fiel vor allem auf, dass in einer Zeit, in der die Inflation bei etwa 10% liegt, in der Augenoptik eine Preissteigerung von gerade einmal 2% zu beobachten war. Was wieder einmal beweist, dass die ­Inhaber viel zu oft an sich selbst sparen und vielleicht eine Spur zu kundenfreundlich sind. 

Der Fachwissenschaftliche Ausschuss informierte über das Ziel, neue Leitlinien für Kinder-, Sport- und Funktionaloptometrie zu schaffen und der Presseausschuss gab eine Auswertung der aktuellen Werbekampagne des ZVA bekannt und dazu einen Ausblick auf das Werbejahr 2023.

Nach einer kurzen Kaffeepause wurde die aktuelle Marketingkampagne „Ihre Innungsoptiker“ noch einmal intensiv mit der Werbeagentur durchgesprochen und die Pläne für 2023 vorgestellt. 

Ist die Ausbildung noch zeitgemäß?

Im Anschluss referierte Dr. Caroline Lohse von der TU ­Berlin über die Berufsbildung im Wandel. Da sie selbst gelernte Augenoptikerin ist, richtete sie dabei den Blick gezielt auf den Beruf des Augenoptikers und gab viele Impulse, wie die Ausbildung der Zukunft aussehen könnte. Ihrer Einschätzung nach werden heutzutage leider noch zu viele Kenntnisse vermittelt, die mit der modernen Augenoptik nicht mehr in Einklang zu bringen seien. Erschreckend war dabei vor allem die Aussage junger Gesellen, die sich selbst nach bestandener Gesellenprüfung im Berufsalltag als unzureichend ausgebildet empfinden. Auch die Durchlässigkeit zwischen der handwerklichen und akademischen Laufbahn wurde kritisiert und sorgte im Anschluss an den Vortrag für spannende Diskussionen bei allen Anwesenden. 

Unter sich…

Der Samstagnachmittag gehörte den Delegierten allein, die unter Ausschluss der Öffentlichkeit die weiteren Punkte der Tagesordnung abhandelten und die Wahlen des Vorstandes, der Ausschüsse und des neuen ZVA-Präsidenten abhielten. So offen, so modern und so zukunftsgewandt sich der Verband positioniert, so schade ist es, dass gerade die Vorstandswahlen unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden müssen. Erstmals fiel dieser fade Beigeschmack, „der an nordkoreanische Verhältnisse erinnert“, auch den Verantwortlichen selbst auf und so soll dieses Prozedere das letzte Mal in dieser Art vonstattengegangen sein. 

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Berührende Worte zum Ende dieser Ära

Wenigstens die berührende Abschlussrede von Thomas ­Truckenbrod durfte von der Öffentlichkeit mit angehört werden, bevor er – natürlich wieder unter Ausschluss der Öffentlichkeit – zum Ehrenpräsident des ZVA ernannt und zudem mit der Ehrennadel in Gold geehrt wurde. 

In seiner Abschiedsrede beschrieb Thomas Truckenbrod seine Anfänge im Verband und erzählte, wie aus jemandem, der in jungen Jahren kein Verbandsmitglied war und Vertretern gegenüber offen Kritik äußerte, der am längsten amtierende ZVA-Präsident wurde. Wie er vorbehaltlos und unbedarft im Amt des Präsidenten ankam und welch ungebrochenes Vertrauen, Rückhalt und Kollegialität ihm entgegengebracht wurden. Natürlich bedankte er sich auch bei seiner Familie, die ihm mit Verständnis und Vertrauen begegnete und dadurch seine Arbeit als ZVA-Präsident überhaupt erst möglich machte. Darüber hinaus wurde hier auch die ein oder andere lustige Geschichte geteilt, die die Anwesenden zum Schmunzeln brachte. 

Neue Studie vorgestellt

Der Sonntag war von Fachthemen geprägt, die neue Impulse setzen konnten. Den Start markierte Dr. Stephan Bandlitz, der als neuer Schulleiter der HFAK an der ZVA-Mitgliederversammlung teilnahm und zudem seine aktuelle Studie zur Orthokeratologie im Straßenverkehr vorstellte. Im Anschluss klärte Thomas Heimbach in seinem Vortrag „Online, offline oder was?“ über die verschiedenen Vertriebsmöglichkeiten in der Augenoptik auf. 

Digitalisierung wohin man schaut

Der darauf folgende Vortrag von Matthias Müller handelte von der Möglichkeit einer elektronischen Gesellenprüfung  – und war so anschaulich und fundiert, dass es zum einen für große Begeisterung, zum anderen aber auch gleichfalls für immensen Diskussionsbedarf sorgte. Denn obwohl das System alle Anwesenden begeisterte, müssen essenzielle Fragen zur Umsetzung und natürlich zur Finanzierung ausreichend geklärt sein, bevor eine flächendeckende Einführung möglich ist. 

Meisterliche Kompetenzen neu gedacht

Der letzte Vortrag kam aus dem Berufsbildungsausschuss und thematisierte die Novellierung der Meisterprüfungsverordnung. Welche Fähigkeiten werden einem Augenoptikermeister zugeschrieben und wie werden diese im Prüfungsablauf abgefragt? Wie werden die einzelnen Prüfungsteile in der Wertung gewichtet und würde das Einführen einer Situationsaufgabe, ähnlich wie im Hörakustikerhandwerk, den heutigen Standards besser gerecht werden?

Zu guter Letzt hielt der neu gewählte ZVA-Präsident Christian­ Müller eine Schlussrede, fasste die Erkenntnisse des Wochenendes zusammen und verabschiedete alle Anwesenden. 

Fazit 

Kritik an Berufsverbänden wie dem ZVA zu äußern, ist schnell getan, doch es lohnt sich ein Blick hinter die Kulissen. Während man sich oft wundert, warum viele Prozesse gefühlte Ewigkeiten dauern, sieht man oft nur die Spitze des Eisberges. Der ZVA ist nicht irgendein „Alte-Herren-Gremium“, welches vor allem sich selbst und die Errungenschaften der Vergangenheit feiert, sondern vielmehr eine Organisation von Menschen, die ihr Leben der Augenoptik verschrieben haben. Manch einer setzt sich bereits seit Jahrzehnten für die Belange und Interessen des Berufsstandes ein und sorgt dafür, dass wir als Augenoptiker gesehen werden.

Von der Bundesregierung, von Krankenkassen und am Ende auch von der Gesellschaft. Dass manche Neuerungen nicht von heute auf morgen zu erreichen sind, liegt viel zu oft an der Politik, der Bürokratie oder dem jeweiligen Gegenspieler. An dieser Stelle sind starke Nerven, eiserner Wille und noch mehr Durchhaltevermögen gefragt – Ressourcen, an denen ein Einzelner vermutlich scheitern würde. 

Also anstatt immer nur zu meckern, was gerade alles nicht funktioniert oder viel zu lange dauert, könnte man auch selbst aktiv werden und sich engagieren – vielleicht kann man damit auch wirklich was verändern.

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