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Aufbruchstimmung 

Bild: Efstathios Efthimiadis

Kaum ein Thema erweckt zurzeit in der optischen ­Industrie so viel „Buzz“ wie das Thema Augengesundheit. Das hat schon die Opti dieses Jahr gezeigt, als der sogenannte Augen-Checkup von Fielmann die Halle 4 in panische Verzückung versetzte, ob der vielen Möglichkeiten, die der Markteintritt des Branchenriesen mit sich bringen könnte. Oder sagen wir ruhig: Er wird es definitiv.

Nun haben die Hamburger bislang noch gar nicht die Werbefanfaren im großen Stil erklingen lassen. Das ist also erst der Anfang. Warten wir nur mal den Herbst ab.

Die Entwicklungen in dem Bereich beleuchtet der FOCUS seit rund dreieinhalb Jahren in einer festen Rubrik – bei uns heißt das dann Eyecare. Dieses Mal sind es zwei konkrete Beispiele aus der Industrie. Einmal durch den Anbieter Ocumeda, der mit seiner „niederschwelligen Augenvorsorge“ u.a. auch ­Fielmann versorgt – mit einem Komplett-Angebot, das den Kunden 49 € kostet. 

Dann wäre da noch Visionix, die in dem Bereich viele neue Wege der Vernetzung im Sinne von Augenoptiker/Kunde/Augenarzt/Patient sehen. Und ihrerseits auch Angebote ­dafür in petto haben. Wir konnten uns live vor Ort in Ratingen davon überzeugen.

Rechtlich gesehen ist das auch ok, denn hierzulande dürfen Augenoptikermeister und Optometristen ein Screening des vorderen und hinteren Augenabschnitts durchführen. Ist alles in Ordnung, dann prima. Ansonsten, bei Anzeichen einer Erkrankung des Auges, wird an dem Augenarzt verwiesen. Dieser stellt die Diagnose und leitet die weitere Behandlung ein.

Was jetzt, brandaktuell noch das Zünglein an der Waage sein könnte in Sachen Akzeptanz dieser optometrischen Dienstleistung beim Augenoptiker um die Ecke, fernab von Ketten, die natürlich andere finanzielle Möglichkeiten einer Implementierung solcher Leistungen haben: Die KI-Welle ist nicht mehr aufzuhalten!!!

Wie schon ZVA-Präsident Christian Müller zuletzt meinte, ist die Künstliche Intelligenz ein großes Thema in der Augenheilkunde. Sie hilft bei der Auswertung von Befunden, ­gerade bei den Netzhauthauterkrankungen sind es Unmengen an OCT-Bildern, die anfallen. Im gleichen Atemzug sprach er auch davon, dass es ausgebildete Experten in der Augenoptik erfordere, die hier ran an den Kunden müssen. So hat die ZVA denn auch auf der letzten Mitgliederversammlung beschlossen, die Ausbildung auf diese zunehmende Entwicklung hin anzupassen. 

Wie gut die KI bei der ersten Beurteilung von Augenproblemen ist, hat jüngst eine Studie der University of Cambridge gezeigt, wonach Allgemeinärzte – gelinde gesagt – schon abgehängt wurden.

Das „große Sprachmodell“ GPT-4 wurde mit Ärzten in verschiedenen Stadien ihrer beruflichen Laufbahn getestet, ­darunter nicht spezialisierte Assistenzärzte sowie Augenärzte in der Ausbildung und Experten. Jedem von ihnen wurde eine Reihe von 87 Patientenszenarien mit einem spezifischen ­Augenproblem vorgelegt, und sie wurden gebeten, eine ­Diagnose zu stellen oder eine Behandlung zu empfehlen, ­indem sie aus vier Optionen auswählten.

GPT-4 schnitt in dem Test deutlich besser ab als nicht spezialisierte Ärzte in der Ausbildung, die in Bezug auf ihr augenmedizinisches Fachwissen mit Allgemeinärzten vergleichbar sind. Das KI-Modell erzielte ähnliche Ergebnisse wie Augenärzte in der Ausbildung und Fachärzte, wobei die leistungsstärksten Ärzte besser abschnitten. Der Test umfasste Fragen zu einer Vielzahl von Augenproblemen, darunter extreme Lichtempfindlichkeit, verminderte Sehkraft, Läsionen, ­juckende und schmerzende Augen, die einem Lehrbuch entnommen waren, das für die Prüfung angehender Augenärzte verwendet wird.

Was uns der Hauptautor der Studie noch mit auf den Weg gibt, ist, dass KI-Modelle wahrscheinlich nicht das Fachpersonal vor Ort ersetzen werden, aber das Potenzial haben, die Gesundheitsversorgung als Teil des Arbeitsablaufs grundlegend zu verbessern. 

Und spätestens hier gehe ich vollends mit. 

Oder hätten Sie wirklich Lust, vorausgesetzt Sie bieten eine Screening-Dienstleistung im Geschäft an, sich die unzähligen Aufnahmen selbst anzuschauen? Ich wüsste Besseres mit meiner Zeit oder der meiner Mitarbeiter anzufangen.

Nun gab es KI-gestützte Screening-Lösungen für Augenoptiker schon seit Längerem, doch durch die jüngsten technischen Weiterentwicklungen und Forschungsergebnisse scheint da nun echt was dran zu sein – oder man kann sich nun allerspätestens dem Thema nicht mehr entziehen. Oder sollte es als fortschrittlich denkender Unternehmer zumindest einmal auf dem Schirm haben und sich damit auseinandersetzen. 

Was noch helfen könnte, wäre, wenn auch die Politik hier ­interveniert und aufgrund des offenkundigen Ärztemangels und langen Wartezeiten auf Termine proaktiv an die Sache rangeht. Das würde auch den größten Skeptikern den Wind aus den Segeln nehmen und die Zeichen weiter auf Fortschritt im gesamtgesellschaftlichen Kontext setzen.

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