|

Forschung: Wenn Schlanksein einmal kein Vorteil ist

Bild: Stevano Vicigor/Envato

Studien zeigen: Zusätzliche Pfunde schützen vor Grünem Star

Wer einige Pfunde zu viel mit sich herumträgt, für den halten die Nachrichten aus Wissenschaft und Forschung selten etwas Gutes bereit. Über eine bemerkenswerte Ausnahme von dieser Regel berichten nun gleich zwei Studien, die Forschende aus Australien und den USA veröffentlichten. Wie sie zeigen, ist ein leicht erhöhter Body-Mass-Index (BMI) offenbar mit einem geringeren Risiko verbunden, an einem Glaukom zu erkranken. Auch das Voranschreiten eines bereits diagnostizierten Glaukoms ging weniger schnell vonstatten, wenn der BMI etwas über Normalgewicht lag. Die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft e.V. (DOG) nimmt die im American sowie im British Journal of Ophthalmology veröffentlichten Studien zum Anlass, über das Glaukom und bekannte Risikofaktoren aufzuklären.

Die australische und die US-amerikanische Studie deuten nun übereinstimmend darauf hin, dass auch besonders schlanke Menschen häufiger von einem Glaukom betroffen sind. Beide Studien befassten sich mit der häufigsten Glaukomform, dem so genannten primären Offenwinkelglaukom. Dieses wurde umso häufiger diagnostiziert, je niedriger der Body-Mass-Index der Teilnehmerinnen und Teilnehmer lag. Auch das Voranschreiten des Sehfeldverlustes ging bei untergewichtigen Personen schneller vonstatten als bei Menschen mit Normal- oder geringem Übergewicht. „Zu einem möglichen Zusammenhang zwischen dem Körpergewicht und dem Glaukomrisiko gab es bisher widersprüchliche Studienergebnisse“, sagt Professor Dr. med. Alexander Schuster von der Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde an der Universitätsmedizin Mainz. In die erst kürzlich aktualisierte Leitlinie zur Bewertung von Risikofaktoren für das Offenwinkelglaukom wurde das Körpergewicht daher nicht mit einer konkreten Empfehlung aufgenommen. „Die aktuellen Studien verschieben die Bilanz in Richtung einer möglichen Schutzwirkung, die von normalen bis gering erhöhten BMI-Werten ausgehen könnte“, so der Mainzer Ophthalmologe. Die Forschung vermutet, dass Untergewicht insgesamt anfälliger für Krankheiten macht.

Ob der Gewichtseffekt in der Screening-Entscheidung auf Glaukom berücksichtigt werden sollte, bleibt abzuwarten. „Sicherlich ist das Körpergewicht nicht der ausschlaggebende Risikofaktor für oder gegen eine Vorsorgeuntersuchung“, betont Schuster. Der DOG-Experte plädiert dafür, im Zweifel eher einmal zu viel oder zu früh zu untersuchen als zu spät: „Sehnervenfasern, die einmal zugrunde gegangen sind, sind unwiederbringlich verloren. Wird das Glaukom jedoch rechtzeitig erkannt, lässt sich der Gesichtsfeldverlust meist mit Augentropfen oder Laserverfahren einfach und sicher aufhalten.“

Quellen: Marshall, H. et al.: Association Between Body Mass Index and Primary Open Angle Glaucoma in Three Cohorts, American Journal of Ophthalmology, DOI: https://doi.org/10.1016/j.ajo.2022.08.006. Youssif, A. et al.: Social history and glaucoma progression: the effect of body mass index, tobacco and alcohol consumption on the rates of structural change in patients with glaucoma, British Journal of Ophthalmology, DOI: 10.1136/bjo-2023-323186

Ähnliche Beiträge

  • DBSV: Keine Abschaffung der Nebenkostenregelung für Blindenhunde!

    Blindenführhunde werden als anerkanntes Hilfsmittel für blinde und hochgradig sehbehinderte Menschen durch die Krankenkassen finanziert. Der GKV-Spitzenverband plant nun, einen Pauschalbetrag für die Abrechnung der Nebenkostenregelung für die Führhundhaltung zu streichen. Davor warnt der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV).

  • KGS: Auszeichnung für Seh-Check-Initiative

    Das Kuratorium Gutes Sehen (KGS) wurde in Köln mit dem „mediaV-Award 2023“ in der Kategorie „Beste Imagekampagne“ ausgezeichnet. Mit dem Preis würdigt das Fachmagazin „Verbändereport“ herausragende Leistungen in der Medien- und Kommunikationsbranche.

  • Mirantus: Screening-Plattform plant DACH-Ausbau

    Das Berliner Unternehmen Mirantus will seine Softwarelösung für Screenings in Augenoptikergeschäften deutlich ausbauen. Die Plattform wird derzeit an über 200 Standorten in Deutschland genutzt, bis 2027 sollen mehr als 1.000 weitere in Deutschland, Österreich und der Schweiz dazukommen. Investoren stellen dafür 5,5 Mio. € bereit.

  • Visionix: Bundesweite meisterliche Verstärkung

    Das Visionix-Team wächst weiter, mit geballter augenoptischer Expertise: Sowohl die neue Servicetechnikerin Selma Zimmer als auch ihre beiden männlichen neuen Kollegen Daniel Röding und Andreas Kaiser treten ihre neuen Herausforderungen in der Augenoptik an. 

  • Studie: Fundusaufnahmen mit hohem Prognosepotenzial

    Fundusaufnahmen können laut einer Studie der Charité Hinweise auf zahlreiche spätere Erkrankungen liefern. Besonders auch außerhalb der Augenheilkunde zeigen sich Prognosegewinne – ein Hinweis auf das gesundheitliche Potenzial der Netzhautdiagnostik.