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dm: Interview zum neuen Augenscreening

Blick auf das Angebot eines Augenscreenings in einer dm-Filiale
In einer Düsseldorfer Filiale von dm können Kunden seit Anfang August ein Augenscreening per Netzhautfotografie durchführen lassen. Foto: Ilona Kotzur

Das sagt die Drogeriekette

Die Drogeriemarktkette dm erweitert ihr Dienstleistungsangebot und bietet seit Anfang August in einer Düsseldorfer Filiale ein Augenscreening mittels Netzhautfotografie an. Mit diesem Schritt positioniert sich das Unternehmen deutlich im Umfeld augenoptischer und augenärztlicher Leistungen – und das zu einem vergleichsweise niedrigen Preis sowie ohne medizinische Vorabprüfung.

Die Reaktionen aus der Branche ließen nicht lange auf sich warten: Augenoptiker sowie Vertreter der Ophthalmologie äußerten teils scharfe Kritik. Der Vorwurf: dm greife in professionelle Tätigkeitsfelder ein und unterlaufe etablierte Qualitätsstandards. FOCUS sprach darüber mit Sebastian Bayer, dm-Geschäftsführer für das Ressort Marketing + Beschaffung.

FOCUS: Wie stellt dm sicher, dass angebotene Gesundheitsdienstleistungen – insbesondere Screenings, die üblicherweise fachliche Zusatzqualifikationen erfordern – denselben Qualitäts- und Sicherheitsstandards entsprechen wie vergleichbare Leistungen bei Augenoptikern bzw. und Ärzten?

Bayer: Die in unseren dm-Märkten durchgeführten Augenscreenings werden zum einen mithilfe einer KI auf Auffälligkeiten geprüft und zudem werden alle Netzhautaufnahmen einzeln von Fachärztinnen bzw. Fachärzten für Augenheilkunde überprüft. Diese ärztliche Prüfung garantiert eine qualitätsgesicherte Auswertung und gewährleistet die Einhaltung höchster fachlicher Standards. Dies dient der Absicherung, dass die von der KI erkannten Auffälligkeiten korrekt eingeordnet werden.

Zudem erweitert die ärztliche Überprüfung der Netzhautaufnahmen das Spektrum erkennbarer Veränderungen: Es können auch weitere sichtbare Veränderungen am Auge identifiziert werden, die über die häufigen Krankheitsbilder hinausgehen. In bisherigen Skleo-Screenings wurden neben AMD, Glaukom und diabetischer Retinopathie Hinweise auf über 100 weitere Erkrankungsentitäten festgestellt.

Erst nach dieser Prüfung erhält die Kundin bzw. der Kunde eine Handlungsempfehlung durch den Kooperationspartner Skleo Health. So wird sichergestellt, dass nur medizinisch relevante Fälle weitergeleitet werden und die Kundinnen und Kunden eine fundierte Rückmeldung erhalten.

FOCUS: Ist eine Ausweitung des Augenscreenings auf weitere Filialen oder bundesweit geplant? Falls ja, in welchem Zeitrahmen und nach welchen Kriterien?

Bayer: Neben dem ersten Pilotmarkt in Düsseldorf haben wir zwei weitere Pilotmärkte in Köln und Aachen. Zwei weitere in Bad Münstereifel und nahe Karlsruhe folgen noch.

FOCUS: Gilt das perspektivisch auch für weitere Services (z.B. Hautscreening/Hautarzt-Services, Blutanalysen)?

Bayer: In der Pilotierungsphase bieten wir drei Gesundheitsdienstleistungen in jeweils fünf unterschiedlichen dm-Märkten in Deutschland an. Diese werden seit dem Start der Pilotphase im August nach und nach implementiert. Unter dm.de können Kundinnen und Kunden prüfen, in welchen dm-Märkten die Gesundheitsdienstleistungen verfügbar sind.

FOCUS: Wie adressiert dm das Risiko falsch positiver bzw. falsch negativer Ergebnisse?

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Bayer: Für die Blutanalysen in Kooperation mit Aware greifen strenge Qualitätsstandards, von der Probenentnahme durch geschultes Fachpersonal bis zur Auswertung im Partnerlabor nach den Qualitätsrichtlinien der Bundesärztekammer (RiliBÄK-Richtlinien). Die Proben werden noch am selben Tag über spezialisierte Dienstleister zum Partnerlabor transportiert, um die Integrität zu sichern. Wenn ein Blutwert auf möglichen Handlungsbedarf hinweist, informiert das Labor unseren Partner Aware. Die betroffene Person wird von Aware direkt kontaktiert und zu einem Kontrolltest, idealerweise beim Hausarzt oder bei der Hausärztin, hingewiesen. Unabhängig vom Ergebnis steht allen Nutzerinnen und Nutzern eine ärztliche Auswertung über den Aware-Partner TeleClinic offen. 

Beim Augenscreening durch Skleo Health handelt es sich um ein KI-gestütztes Verfahren, das zusätzlich von Fachärztinnen und -ärzten validiert wird. Kundinnen und Kunden werden transparent darüber informiert, dass es sich um ein Screening handelt, das keine augenärztliche Untersuchung ersetzt. Durch die ärztliche Bewertung lassen sich falsch-negative und falsch-positive Ergebnisse deutlich reduzieren. Auffällige Befunde werden gezielt weiter abgeklärt, auf Wunsch über ein Netzwerk von mehr als 500 Partnerpraxen, unter Wahrung der freien Arztwahl. 

Auch die Online-Behandlungen von dermanostic werden von speziell geschulten Hautärztinnen und -ärzten durchgeführt. Kann eine Diagnose nicht eindeutig gestellt werden, beispielsweise bei einem auffälligen Muttermal oder durch die Notwendigkeit einer Blut- oder Gewebeentnahme, ist eine persönliche Untersuchung durch eine Hausärztin oder einen Hautarzt vor Ort erforderlich. Der Patient oder die Patientin wird je nach Schwere des Falls in einem Arztbrief oder direkt persönlich informiert. Unterstützend steht ein medizinisches Expertengremium zur Verfügung.

FOCUS: Welche Prozesse greifen konkret, wenn die KI/Telebefundung „auffällig“ meldet?

Bayer: Alle Gesundheitsdienstleistungen werden in Zusammenarbeit mit unseren Partnern durchgeführt. Die Ergebnisse werden von Ärztinnen und Ärzten unserer Partner und qualifizierten medizinischen Fachkräften ausgewertet bzw. beraten. Sie geben Kundinnen und Kunden eine Empfehlung und verweisen bei Bedarf auf die Vorstellung bei dem/der Haus- oder Facharzt/ -ärztin. Die genauen Vorgehensweisen haben wir bereits beschreiben.

FOCUS: Versteht dm diese Services als ergänzendes Angebot oder als strategischen Ausbau eines eigenen Gesundheitssegments? Wie grenzen Sie sich gegenüber etablierten Gesundheitsanbietern ab?

Bayer: Gemeinsam mit unseren Partnern wollen wir einen niederschwelligen Zugang zu Gesundheitschecks ermöglichen. Ärztinnen und Ärzte sowie qualifizierte medizinische Fachkräfte werten die Ergebnisse aus, geben Empfehlungen und verweisen bei Bedarf an Haus- oder Fachärztinnen und -ärzte. 

Unser Ziel ist nicht, Arztpraxen Konkurrenz zu machen, sondern Menschen zu unterstützen, ihre Gesundheit frühzeitig zu überwachen und bei Bedarf Maßnahmen zu ergreifen. Dies fördert präventive Maßnahmen, verbessert die Versorgungseffektivität und entlastet das Gesundheitssystem, ohne die notwendige ärztliche Betreuung für bereits Erkrankte zu beeinträchtigen.

FOCUS: Vielen Dank für das Gespräch.

Lesen Sie dazu auch den Artikel im kommenden FOCUS 9/2025, der am 15. September erscheint.

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