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Bestzeiten für Sportoptik

Bild: Daniel/stock.adobe.com

Olympische Spiele 2024 aus Augenoptiksicht

Die Olympischen Spiele 2024 in Paris vom 26. Juli bis 11. August sind neben der Fußball-Europameisterschaft das Sportereignis des Jahres. Mitten in Europa messen sich die besten Sportler aus der ganzen Welt. Durch Fernsehübertragungen oder Social Media sind Millionen von Konsumenten mit dabei, wenn es um höher, schneller, weiter geht. Sportoptiker oder Sportoptometristen haben in den kommenden Monaten die Chance, ebenfalls vom Sport-Hype der europäischen Großveranstaltung zu profitieren.

Die Anforderungen an das Sehen bei Spitzenathleten einer Sportart sind im Vergleich zum normalen Sportler hoch. „Wie für jeden anderen Amateursportler ist gutes Sehen elementar bei der Ausübung des Sports“, erklärt Florian Riedel, Sportsmarketing Manager beim Brillenhersteller Julbo. „Im Gegensatz zum Amateur kann eine Beeinträchtigung auf diesem Feld allerdings entscheidend für den Sieg oder die Niederlage sein bzw. die gute Sicht die entscheidende Hundertstelsekunde sein, die ihn im Wettkampf besser abschneiden lässt.“ 

Aus diesem Grund werden Athleten von verschiedenen ­Unternehmen und Marken mit Sehhilfen ausgestattet. Vom Anbieter Marcolin ist beispielsweise zu erfahren, dass alle von der Marke Adidas gesponserten olympischen Teams und alle Adidas-Athleten weltweit während der Olympischen Spiele Zugang zu Adidas Sport Eyewear haben. Mehr als 200 Athleten würden so die Brille „Dunamis“ erhalten, berichtet Julie Roué, Junior Marketing Specialist bei Marcolin. Das Unternehmen bietet mit der Marke Adidas Brillen für alle Athleten an, von Amateuren bis hin zu Profis. „Unsere Wettkampflinie ist speziell auf die Bedürfnisse von Profisportlern zugeschnitten und erfüllt ihre besonderen Anforderungen. Die Wettkampfbrillen bieten Komfort, Anpassungsfähigkeit, eine perfekte Passform, einen tadellosen Augenschutz und ein weites Sichtfeld.“ 

Ein anderer großer Player im Sportoptikmarkt ist Oakley. Die Marke, die sich im Portfolio von EssilorLuxottica befindet, wird diesen Sommer insgesamt mehr als 2.000 Athleten ausstatten. Oakley ist offizieller Partner der nationalen Verbände aus den USA sowie aus China und Korea mit einer Vielfalt an vertretenden Sportarten: Leichtathletik, Wassersportarten (Rudern, Segeln, Rennkanu, etc.), Rennrad, (Beach)Volleyball, Surfing, Mountainbike (MTB), Golf, Basketball, Fußball, Skateboarding. Ein Beispiel aus dem deutschsprachigen Raum: Deutschland-Achter (Rudern).

Auch Julbo ist Ausstatter der Olympischen Spiele in Paris und hat eine Reihe offizieller Lizenzprodukte für die Olympischen Spiele 2024 und die Paralympics 2024 entworfen. Allerdings seien diese nur für den französischen Markt relevant und in Deutschland nicht im Handel erhältlich.

Nicht alle Sportler werden von den großen Unternehmen und offiziellen Olympia-Sponsoren ausgestattet. Es wird auch Teilnehmende geben, die ganz legal von anderen Firmen unterstützt werden, was nur eben nicht im Rahmen eines offiziellen Olympia-Marketings von den Firmen genannt werden kann. So stattet Silhouette mehr als 200 Athleten aus sämtlichen Sportarten weltweit mit Sportbrillen aus. Darunter aus dem DACH-Raum Sportler in den Sportarten Marathon, Triathlon, Segeln, Beachvolleyball, MTB, E-MTB, Trailrunning und den einen oder anderen Alpinisten. 

Ähnlich sieht es auch bei Rudy Project aus. Das Unternehmen wird internationale Teilnehmende bei Beachvolleyball, Leichtathletik, Triathlon, Radfahren oder Trailrunning unterstützen. 

Infos über Social Media

Apropos Unterstützung: Von einigen bekannten Firmen wird es diese vor allem auf Social Media geben. Bei Marcolin sind Kits für die sozialen Medien auf MyMarcolin verfügbar. „­Ansonsten empfehlen wir unseren Kunden, Adidas in den sozialen Medien zu folgen, ebenso wie Marcolin, wo während der Olympischen Spiele einige spezielle Adidas-Inhalte veröffentlicht werden“, so Julie Roué.

Auch bei Julbo wird es auf Social Media sportlich zugehen. „Natürlich begleitet Julbo auf seinen Social-Media-Kanälen die Aktivitäten der Spitzensportler sowohl vor als auch nach den Olympischen Spielen und umgekehrt posten die Sportler ihre Erfolge auf ihren Kanälen. Während der Spiele sind die Aktivitäten durch das Rechtereglement des IOC limitiert. In den sozialen Medien sind dann die Produkte von Julbo gut sichtbar, genauso wie bei TV-Übertragungen. Von diesem Imagetransfer profitiert die Marke, aber auch der Händler, da genau das die Begehrlichkeit der Marke und der Produkte steigert“, erklärt Florian Riedel. 

Ebenfalls ein umfangreiches Paket unterstützender Marketing-Maßnahmen/-Aktivierungen für den Fachhandel geschnürt hat Oakley, darunter auch im besagten Bereich Social Media.

Produkte – von der Arena in die Geschäfte

In der Regel sind Produkte, die die Sportler selbst tragen, solche, die man als Kunde beim Augenoptik-Geschäft bekommen kann. „Alle Produkte, die unsere Athleten tragen, können auch im Fachhandel erworben werden. Im Gegensatz zu anderen Sportarten bzw. Sportgeräten sind die Sonnenbrillen der Sportler identisch mit den im Handel erhältlichen Produkten von Julbo“, bestätigt beispielsweise Florian Riedel. „Allerdings fließt das Know-how und die Erfahrung der Sportler in die Entwicklung unserer Produkte wesentlich mit ein. In all unseren Produkten stecken die Erfahrung aus über 135 Jahren Firmengeschichte und die individuellen Erkenntnisse unserer Athleten, mit denen wir über die Jahre zusammengearbeitet haben. In Paris werden keine bisher nicht erprobten Neuheiten eingesetzt, da dies ein viel zu großes Risiko wäre, sondern relativ neue Top-Produkte wie z.B. die Density, eine extrem leichte Multisportsonnenbrille, die es seit dem vergangenen Jahr gibt und die von den Athleten bereits ausreichend getestet werden konnte für den Einsatz bei einem Sportgroßereignis wie den Olympischen Spielen.“

Seit jeher arbeitet auch Oakley eng mit Top-Athleten zusammen. Die Marke feiert nächstes Jahr ihren 50. Geburtstag und hält aktuell ca. 800 Patente auf Technologien und Designs; Technologien wie z.B. die Prizm-Brillengläser wurden in-house entwickelt. In Paris setzt man auch auf Neuentwicklungen, beispielsweise die beiden kürzlich vorgestellten Sport-Performance-Modelle Sphaera und Bi-Sphaera.

Auch bei Adidas holt man das Feedback seiner ausgestatteten Sportler ein. Die Brillen würden so mehr und mehr an deren Bedürfnisse angepasst. „Als Sponsor des Deutschen Skiverband (DSV) zum Beispiel treffen wir uns mit den ­Athleten, um ihre Meinung zu den Brillen einzuholen und unsere Designs zu verbessern, damit sie ihren Bedürfnissen gerecht werden“, berichtet Julie Roué. „In diesem Jahr haben wir eine besondere Sonnenbrille namens Dunamis entwickelt: Wir haben eine einzigartige Form für das Schutzglas patentiert, die sich durch eine Base-7-Kurve und markante Spoiler auszeichnet. Außerdem haben wir einen neuen Gummigriff an den Bügelenden, neue verstellbare Nasenpads für eine bessere Passform und Stabilität sowie ein neues Belüftungssystem zur Verbesserung der Aerodynamik entwickelt.“ 

Die Ausrichtung der Produktentwicklung in Richtung Spitzensport findet man auch bei Silhouette. Mit über 25 Jahren ­Erfahrung im Sportbrillenbereich seien Evil Eye-Sportbrillen vollständig durchdacht, ausgeklügelt und für den Spitzensport optimiert. Das beträfe nicht nur die Fassung, sondern auch die Filter, die mit einer eigens patentierten Technologie – Light Stabilisation Technology (kurz: LST) – ausgestattet sind. Diese Technologie ermögliche es, dass das Licht draußen im Gelände genauso gefiltert werde, dass Sportler ideale Sicht haben, um beispielsweise Unebenheiten wie Bodenwellen zu erkennen. Auch Schatten werde ausgeglichen, um das Umfeld noch besser und schneller wahrnehmen zu können. 

Fehlanzeige bei Sehbetreuung der Athleten

Eine spezielle Betreuung der Athleten in Sachen Sehen und Wahrnehmung während Olympia, z.B. durch Sportoptometristen? Eher ungewöhnlich. Allerdings ist u.a. Oakley mit einem Team an Mitarbeitern vor Ort, um eine optimale ­Betreuung bzw. Versorgung der Athleten mit den Produkten zu gewährleisten.

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„Das richtige Sehen ist in der Regel etwas, das man nicht erst im Wettkampf feststellt. Etwaige Sehschwächen oder Probleme sollten daher bereits vor den Olympischen Spielen im Training festgestellt und im Idealfall behoben werden“, so Florian Riedel. „Wir haben einige Athleten, die Brillenträger sind und deshalb eine auf ihre Sehstärke individuell angepasste Sonnenbrille angefertigt bekommen haben. Auch das geschieht lange vor den Wettbewerben. Diese Verglasung wird in unserem hauseigenen RX-Labor gemacht und kann aber auch von jedem anderen Amateursportler in Anspruch genommen werden.“

Vorsicht bei der Nutzung olympischer Symbole und Begriffe

Olympische Bezeichnungen und Symbole dürfen ausschließlich der DOSB (Deutscher Olympischer Sportbund) und das IOC (Internationales Olympisches Komitee) verwenden. 

Geregelt wird dies durch das „Gesetz zum Schutz des olympischen Emblems und der olympischen Bezeichnungen“ (OlympSchG). Untersagt ist z.B. die Kennzeichnung von Waren oder Dienstleistungen, wenn es in der Werbung oder im Unternehmen genutzt wird. Jede kommerzielle Nutzung der Begriffe „Olympiade“, „Olympia“, „olympisch“ oder „Olympische Spiele“ sowie deren Symbole (Olympische Ringe) ist ebenso untersagt. Dieser Schutz gilt auch, wenn Verwechslungsgefahr besteht, weil mit ähnlichen Symbolen gearbeitet wird. 

Des Weiteren sind Gewinnspiele mit olympischem Bezug allein den offiziellen Partnern des IOC/DOSB vorbehalten. Eintrittskarten zu Olympischen Spielen gibt es nur über den offiziellen Reisepartner des DOSB und von DOSB, IOC und dem Organisationskomitee gemeinsam autorisierten Ticketagenten für Deutschland (Dertour). 

Nach den Verboten: Was ist erlaubt bei Werbung mit dem Sportevent?

Der Schutz beschränkt sich auf eine markenmäßige und geschäftliche Nutzung. Zur Kommunikation, so vor allem in einer Berichterstattung, können die Begriffe rein beschreibend genutzt werden.

Ebenso ist der „Olympia-Rabatt“ erlaubt. Dies hat der BGH im Wettbewerbsrecht entschieden. Dieser Rabatt stelle lediglich einen zeitlichen Bezug zur Olympiade her. Es werde keine bestimmte Güter- oder Qualitätsvorstellung auf die beworbenen Produkte übertragen. Dies gelte auch für „Olympische Preise“. Hier werde kein unlauterer Imagetransfer erreicht und es gebe keine produktbezogene Qualitätsaussage. 

Social-Media-Guidelines 

In Sachen Social Media hat sich auch einiges getan. Augenoptiker können durchaus ihre Kunden auf die Social-Media-Kanäle jener Sportler lenken, die aktiv an den Wettkämpfen beteiligt sind und dabei auf eine Sportbrille nicht verzichten. 

Wie der DOSB mitteilt, erhalten die Athleten bei den Olympischen Spielen in Paris 2024 deutlich mehr Möglichkeiten, ihre olympischen Erfahrungen mit ihren Fans auf ihren persönlichen Kanälen in den sozialen Netzwerken zu teilen. Das geht aus den neuen Richtlinien des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) für Soziale und Digitale Medien hervor.

Die Richtlinien ermöglichen den Athleten Postings in sozialen Netzwerken, während sie gleichzeitig die Rechte der MRHs (Media Rights Holders) schützen. Das bedeutet für die teilnehmenden Athleten: Sie können nun auf ihren persönlichen Kanälen in den sozialen Medien Audio- und Videoaufnahmen von bis zu zwei Minuten Länge pro Beitrag veröffentlichen (z.B. Eröffnungs- und Abschlusszeremonie, aus dem Olympischen Dorf, von den Wettkampfstätten bis zu einer Stunde vor Beginn des Wettkampfs und nach Verlassen der Mixed Zone/Dopingkontrollstation, von ihren Trainingsstätten und Übungsplätzen).

Die Richtlinien gelten für alle akkreditierten Athleten der Olympischen Spiele Paris 2024. Sie treten mit der Eröffnung des Olympischen Dorfes am 18. Juli in Kraft und gelten bis zu dessen Schließung am 13. August.

Weitere Infos zu werblichen Regelungen im olympischen Umfeld gibt es über den Deutschen Olympischen Sportbund (www.dosb.de/leistungssport/olympische-spiele). 

Gute Vorbereitung bringt Erfolg

Trotz einiger markenrechtlicher Restriktionen durch den Veranstalter ist die Sportveranstaltung in Paris für spezialisierte Augenoptiker ein dankbarer Aufhänger, um auf die eigenen Kompetenzen beim Thema Sportoptik aufmerksam zu machen. Die Vielzahl der Sportarten und mediale Präsenz bietet ja allein schon eine große Bandbreite, Sport im Allgemeinen im Geschäft für die eigenen Zielgruppen aufzubereiten.

Es lohnt sich auf jeden Fall jetzt schon, einen detaillierten Mediaplan für das eigene Marketing und Social-Media-Posts zu erstellen, um die Nachfrage beim Verbraucher nach speziellen Sportbrillen zu erreichen. Wie bei den Sportlern ist eine gute Vorbereitung für erfolgversprechende Aktivitäten unbedingt erforderlich.

Zum Redaktionsschluss fanden noch diverse Qualifikationswettbewerbe für die Olympischen Spiele 2024 statt, sodass noch nicht alle Teilnehmenden zu 100% feststanden. Die endgültige Liste der Sportler können Augenoptiker aber sicherlich in den kommenden Wochen von ihren Lieferanten erfahren

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