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Per QR-Code zur Produktinformation

Eine Brillenfassung von Lightbird mit integriertem QR-Code. Bild: Frank Sonnenberg.
Brillenfassung von Lightbird. Bild: Frank Sonnenberg

Digitaler Produktpass wird in den kommenden Jahren Normalität

Der unscheinbare QR-Code an der Innenseite der Bügelenden an den Fassungen eines italienischen Brillenherstellers ist die direkte Verbindung zum Anbieter. Auf diesem Weg lässt sich die Brille registrieren, eine Garantie aktivieren oder die Produktinformation abrufen. Dies ähnelt dem Prinzip, das in den kommenden Jahren beim zukünftigen Digitalen Produktpass (DPP) für unzählige Produkte zu finden sein wird.

Als Bestandteil der umweltpolitischen Digitalagenda der Bundesregierung und der EU („Sustainable Product Initiative“) soll ein digitaler Waschzettel Informationen eines Produktes entlang des gesamten Lebenszyklus beinhalten, also von der Rohstoffgewinnung bis zum Recyclingvorgang. Die Idee dahinter: Den Zugang zu zuverlässigen und vergleichbaren Informationen über die Nachhaltigkeit von Produkten für Unternehmen, Verbrauchern und politischen Entscheidungsträgern verbessern. Ansatzweise findet man diese Idee bei der italienischen Fassungsfirma Lightbird schon umgesetzt. Im Vordergrund des Businessmodells, das hier Unternehmen, Augenoptiker und Konsumenten verbindet, stehen aber momentan Kundenbindung und Community-Aufbau. Alles vereint im sogenannten Light-Nest.

Der einfache Zugang des Brillenträgers über den QR-Code (LighTAG) auf seiner neuen Brille ist dabei sicherlich sehr förderlich. Abscannen und schon betritt man die Lightbird-Welt. Über den Code wird die Seriennummer der Brillenfassung eingelesen. In Verknüpfung mit einer Kunden-Mail-Adresse zur Registrierung wird der ganze Vorgang zudem individualisiert. Die firmeneigene Internetplattform des Unternehmens, mit Sitz in den Dolomiten in der Provinz Belluno, versteht sich als Bindeglied zwischen dem Endkunden und Augenoptikern. Hierüber laufen beispielsweise Newsletter oder Aktionen. 

Denkt man diesen Prozess hinsichtlich des Digitalen Produktpasses weiter, lassen sich zusätzliche Informationen mit der Seriennummer des Produkts transparent verknüpfen, wie eingesetzte Materialen, deren Zusammensetzung, Produktions- oder Recycling-Infos. Alles gesetzliche Anforderungen, die langfristig wohl auch für die optische Industrie umgesetzt werden müssen. Gestartet wird aber mit anderen Wirtschaftsbereichen wie der Batterieproduktion und Herstellung von Elektronikprodukten.

Vorteile eines DPP

Laut Politik soll die Einführung eines Digitalen Produktpasses (DPP) folgende Vorteile bringen: 

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  • Informationen können mithilfe eines DPP vereinheitlicht werden
  • Zugang zu zuverlässigen und vergleichbaren Informationen zur Produktnachhaltigkeit für Unternehmen und politische Entscheidungsträger sowie zu Informationen zur Bewältigung von Produkthaftungsproblemen im weiteren Sinne 
  • dies würde Unternehmen dabei unterstützen, einen effektiven Übergang zu einer dekarbonisierten Industrie zu gewährleisten
  • Zugang für Verbraucher zu Informationen, um fundiertere und nachhaltigere Entscheidungen zu treffen 
  • erhöhte Transparenz, Rückverfolgbarkeit und Konsistenz für jeden Akteur in jedem Teil der Wertschöpfungskette
  • kann als digitales Tool die Unternehmen bei der Berichterstattung über Nachhaltigkeitsindikatoren und -aussagen unterstützen
  • der DPP ist Instrument, das innovatives Denken über Kreislaufwirtschaft und neue Praktiken erleichtern kann
  • kann ein potenzieller Wegbereiter für die Entwicklung völlig neuer Geschäftsmodelle sein
  • liefert neue Datenquellen, die nachhaltige Investitionsentscheidungen ermöglichen können
  • ein DPP kann Ressourcenoptimierung und Energieeffizienz-Strategien ermöglichen
  • wenn Daten sowieso zusammengetragen werden müssen, können Unternehmen dies für die eigenen Nachhaltigkeitsberichte nutzen

Noch ist unklar, welche Produktdaten Unternehmen mit dem Produktpass offenlegen müssen. Eines ist jedoch klar: Der Digitale Produktpass wird Auswirkungen auf den gesamten Produktkreislauf haben. Durch den DPP entsteht eine bisher nicht gekannte Transparenz. Hier findet man zukünftig Informationen und Daten, die Aussagen über die Herstellung des Produkts treffen lassen. Damit verbunden die Herkunft der einzelnen Inhaltsstoffe, Materialen, Lieferanten oder den ökologischen wie sozialen Arbeitsbedingungen, unter denen enthaltene Rohstoffe gewonnen wurden und wo sie herkommen, unter anderem Seltene Erden für das Smartphone. Ein weiteres Beispiel: Reparaturbetriebe oder Repair-Cafés könnten über den DPP unkompliziert Informationen zu Ersatzteilen abfragen. Wenn ein Produkt gut reparierbar ist, bekommt es zudem einen besseren Bewertungsscore als ein Produkt, das nicht gut repariert werden kann.

Fazit

Von einem DPP können laut BMUV alle relevanten am Produkt beteiligen Gruppen profitieren: Hersteller, die wissen möchten, wo Rohstoffe ursprünglich herkommen oder unter welchen ökologischen Bedingungen sie abgebaut wurden. Reparaturbetriebe, die Informationen zu Ersatzteilen benötigen oder Recyclingunternehmen, die dadurch Informationen für die Zusammensetzung des Produktes zum Recycling bekommen. Nicht zuletzt Verbraucher, die auf diese Weise nachhaltige Kaufargumente bekommen und die Chance haben, mit dem Produktpass umweltbewusst zu handeln.

Auch wenn die Einführung eines DPP mit seiner komplexen Datenverarbeitung für die meisten Produkte durch Übergangsfristen und anfängliche Ausnahmeregelungen vom Gesetzgeber noch dauern wird, sollten Unternehmen trotzdem schon jetzt beginnen, sich auf die neue Transparenz vorzubereiten und Daten zu sammeln und zu speichern, ähnlich dem LSG, um später die Vorschriften des Digitalen Produktpasses zu erfüllen. Ein Unternehmen wie Lightbird ist da sicherlich ganz vorne dabei. Vor allem, wenn man die Nachhaltigkeitsoffensive der italienischen Optikindustrie in den vergangenen Monaten betrachtet.  

Mit all den Angaben, die den ökologischen Fußabdruck darstellen, wird zudem ein neuer Wettbewerb um die nachhaltigsten Angaben entstehen

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