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Sehen am Bildschirm

Eine junge Frau, die in einer dunklen Umgebung auf ihr Tablet schaut. Bild: Evgeniy Alyoshin / unsplash.com
Sehen am Bildschirm. Bild: Evgeniy Alyoshin / unsplash.com

Was Sie dazu wissen sollten

Rund 63% aller Arbeitsplätze verfügen heute über einen Bildschirm. Da verwundert es nicht, dass sich die Anzahl an Menschen häuft, die über Probleme mit der Augenoberfläche klagen. Trockene Augen, Reizungen oder Sehprobleme wie Kopfschmerzen oder verschwommenes Sehen sind die Folgen. Der Augenoptiker/Optometrist ist hier oftmals der erste Ansprechpartner – und kann seine Kompetenz unter Beweis stellen.

Fluch und Segen zugleich ist die Digitalisierung. Besonders unsere Augen müssen einiges mitmachen und leiden allzu häufig unter der Mehrbelastung durch die zahlreichen Bildschirme, die uns mittlerweile nonstop im Alltag und Beruf begleiten. Doch nicht nur das visuelle System ist betroffen, auch Muskel- und Skeletterkrankungen plagen die Gesellschaft.

Digitale Endgeräte so weit das Auge reicht

Acht Stunden Bildschirmzeit in vielen Berufen beinhalten nicht die Zeiten, die wir darüber hinaus mit TV und Smartphone verbringen! Hinzu kommt, dass sich nicht nur die Zeit selbst am Bildschirm verändert hat, sondern auch die Auflösung durch andere Anzeigegeräte. Icons werden heute oft kleiner, d.h. unser visuelles System muss schwierigere Infos verarbeiten. Das Lesen auf digitalen Endgeräten verlangt den Augen zudem mehr ab als das Lesen von analogen Druckerzeugnissen wie Büchern. Sowohl Kontrast, Helligkeit und Blickwinkel als auch der Leseabstand unterscheiden sich. Insgesamt gilt: Wir blicken heute immer länger pro Tag auf eine zunehmende Anzahl von Displays mit ganz verschiedenen Informationen. Besonders herausfordernd sind Berufe, bei denen fast pausenlos mehrere Bildschirme gleichzeitig betrachtet bzw. überwacht werden, wie es zum Beispiel in den Stellwerken der Deutschen Bahn der Fall ist. Doch auch die Augen des Ladendetektivs, der die Überwachungskamera nicht aus den Augen lässt, werden stärker beansprucht.

Office-Eye-Syndrom

Sehr oft resultieren degenerative Erkrankungen der Wirbelsäule, der Gelenke und der muskulären Strukturen aus dem vielen Starren auf den Bildschirm. Der sogenannte Mausarm oder Schildkrötenhals sind Folgen, die vermehrt beobachtet werden. Eine direkte Auswirkung der digitalen Augenbelastung auf das visuelle System ist aber das Office-Eye-Syndrom, das anders als die Fachbegriffe Computer-Vision-Syndrom oder Digital Eye Strain auch die immer häufiger in Beruf und Freizeit genutzten Endgeräte Smartphone und Tablet mit einschließt. Müde, brennende, juckende und gerötete Augen sind Symptome. Auch ein Fremdkörpergefühl in den Augen.

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Eine häufige Auswirkung ist auch die Dry Eye Disease bzw. das Trockene Auge. Seit 2017 wird die „Volkskrankheit“ durch den Tear Film & Ocular Surface Society Dry Eye Workshop II (TFOS DEWS II) klassifiziert als „multifaktorielle Erkrankung der Augenoberfläche, die durch einen Verlust der Homöostase des Tränenfilms gekennzeichnet ist und mit okulären Symptomen einhergeht, wobei Tränenfilminstabilität und Hyperosmolarität, Entzündungen und Schädigungen der Augenoberfläche sowie neurosensorische Anomalien ätiologische Rollen spielen“. Konservierungsmittelfreie Tränenersatzmittel, die mehrfach am Tag eingenommen werden, können hier Abhilfe schaffen.

20/20/20-Regel sorgt für Entlastung

Der Mensch blinzelt üblicherweise rund 15-mal pro Minute, was sich beim ständigen Starren auf die Bildschirme um die Hälfte oder sogar weniger verringert. Allgemeine Maßnahmen wie Augen entspannen oder mehr trinken sollten selbstverständlich sein, sind es aber oftmals nicht. Außerdem wird in dem Zusammenhang immer wieder die 20/20/20-Regel empfohlen. Zuletzt haben noch Forschende der britischen Aston University eine Studie zur digitalen Augenbelastung durchgeführt. Sie fanden heraus, dass sich ein deutlicher Rückgang der Symptome wie Trockenheit, Empfindlichkeit und Unbehagen bei Menschen zeigte, die alle 20 Minuten für 20 Sekunden aus dem Fenster schauten und dabei in eine Entfernung von circa 20 Fuß blickten. Fuß, weil die Regel aus den USA stammt. 

Zu weiteren präventiven Maßnahmen am Arbeitsplatz zählen höhenverstellbare Schreibtische, die für Rücken und Augen eine willkommen Abwechslung bedeuten. Zusätzliche technisch-organisatorische Maßnahmen beinhalten auch Mikropausen im Alltag, Ergonomie-Schulungen oder Ausgleichssport wie Yoga. Zudem lässt sich auch das Raumklima durch Grünpflanzen verbessern, was sich positiv auf die Augen auswirkt. Und nutzen Sie unbedingt den Zoomfaktor Ihres Textverarbeitungsprogramms – Ansicht auf 170% stellen ist angenehm für das visuelle System. Auch für E-Mail-Programme gibt es Vergrößerungsmöglichkeiten. 

Die passende Korrektion

Ein visueller Apparat, der nicht auf das lange statische Blicken auf kleine Objekte ausgerichtet ist, benötigt Unterstützung. Hier sind Sie gefragt. Oft treten die ersten Korrektionen durch Sehhilfen im Presbyopiealter auf, wenn eine Brille zur Nahunterstützung benötigt wird. Die Einstärkenbrille für Jungpresbyope wäre dann eine endliche Lösung. Hier sieht der Betroffene Monitor und Tastatur scharf, nicht aber in der Ferne. Auch Bifokalgläser, bei denen der Fernteil des Glases auf die Bildschirmentfernung angepasst ist, sind eine Möglichkeit. Ebenfalls kommen spezielle Gleitsichtgläser und Office-Gläser/Bildschirmarbeitsbrillen infrage. Wichtig bei der Wahl des Brillenglases ist jedoch, dass wir uns vom Gedanken lösen, dass wir den ganzen Tag etliche Stunden am Tag nur vor dem einen Bildschirm sitzen. Viele Berufstätige sind eher ständig am Bildschirm, aber an verschiedenen Geräten. Eine individuelle Entscheidung je nach persönlichem Bedarf des Kunden ist also gefragt. 

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