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Sportbrillen: Klare Sicht, klare Regeln

Bild: Efthimiadis (AI)

Normgerechte Sportbrillen ermöglichen sichere Teilhabe am Schulsport

Dass der Kennzeichnung „Schule+Sport“ (DIN 58184) auf der Brillenfassung mehr Beachtung geschenkt werden sollte, erklärt uns Florian Ambros, Vorstandsmitglied der Vereinigung Deutscher Contactlinsen-Spezialisten und Optometristen. Seit mehreren Jahren unterstützt die VDCO eine Kampagne der Ruhr-Universität ­Bochum zu dem Thema, um wissenschaftlich fundiertes Wissen in die Praxis zu tragen.

Florian Ambros. Bild: VDCO

FOCUS: Welche Rolle sehen Sie für Augenoptiker und Optometristen bei der Aufklärung über schulsporttaugliche Brillen nach DIN 58184 – und wo bestehen aus Ihrer Sicht aktuell noch Wissenslücken bei Eltern, Schulen oder auch im Fachhandel selbst?

Ambros: Die DIN 58184 definiert technische Anforderungen für sichere Sportbrillen. Die Umsetzung in der Praxis kann nur durch entsprechende Aufklärung stattfinden. Augen­optiker und Optometristen sollten dabei eine zentrale Rolle übernehmen, indem eine relativ komplexe Norm in eine für den Endverbraucher verständliche Sprache übersetzt und dadurch eine passende Versorgung gewährleistet wird. Zugleich agieren sie als Bindeglied zwischen verschiedenen Fachbereichen und als Qualitätsfilter am Markt. 

Wissenslücken bestehen noch immer bei Eltern, Schulen und auch im Fachhandel hinsichtlich Risiken, Normkenntnis und geeigneter Produkte. Diese Defizite führen dazu, dass Kinder teilweise unwissentlich ohne geeignete Sehhilfe am Sport teilnehmen oder in Zukunft gegebenenfalls davon ausgeschlossen werden. Das zentrale Problem ist aktuell ein ungleichmäßiger Kenntnisstand, sowohl bei Eltern, Schule und im Fachhandel. Daher sind Aufklärung und systematische Beratung entscheidend für die erfolgreiche Umsetzung der Norm.

FOCUS: Welche typischen Missverständnisse begegnen ­Ihnen in der Praxis, und woran können Augenoptiker klar erkennen, ob eine Brille den normativen Anforderungen für den Schulsport tatsächlich entspricht?

Ambros: Die Vermischung von Alltags-, Sport- und Schutzbrillen kann zu Fehleinschätzungen führen, da ein sportliches Aussehen nicht automatisch eine normgerechte Sicherheit bedeutet. Annahmen, dass beispielsweise Kunststoffgläser oder ein fester Sitz einen ausreichenden Schutz bieten können, sind nicht korrekt. Entscheidend ist das geprüfte Zusammenspiel aus Brillenglas, Fassung und Passform. Auch Industrieschutzbrillen oder subjektive Erfahrungen („Es ist nie etwas passiert.“) ersetzen keine normgerechte Prüfung. Eine echte Schulsportbrille erkennt man an der klaren DIN-58184-Kennzeichnung, der geprüften Kombination aus Glas und Fassung und einer vollständigen Herstellerdokumentation. Zudem bedarf es einer strukturierten Beratung im Fachhandel, da eine fehlende Aufklärung schnell zu einer ungeeigneten Versorgung führen kann.

FOCUS: Welche konkreten Vorteile bringt die konsequente Orientierung an der Norm aus Ihrer Sicht für die tägliche Arbeit im augenoptischen Fachbetrieb – sowohl im Hinblick auf Sicherheit, Haftung als auch auf die Qualität der Kinder und Jugendversorgung insgesamt?

Ambros: Die Orientierung an der DIN 58184 bietet im Alltag einen klaren Handlungsrahmen und verbessert insbesondere Sicherheit, Haftung und Versorgungsqualität. Dadurch können subjektive (Fehl-)Einschätzungen durch geprüfte Standards ersetzt und so das Verletzungsrisiko sowie Unsicherheiten in der weiteren Versorgung reduziert werden. Gleichzeitig sorgt der Normbezug für eine bessere rechtliche Absicherung, da Empfehlungen nachvollziehbar dokumentiert und auf den aktuellen Stand der Technik und Wissenschaft ausgerichtet sind. 

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Für Kinder bedeutet die konsequente Anwendung eine bessere visuelle Teilnahme am Sport und zugleich Sicherheit.
Als Nebeneffekt kann die Norm zu einer strukturierteren und qualitativ einheitlichen Beratung im Fachbetrieb führen. Insgesamt stärkt sie dadurch auch die Positionierung der ­Augenoptik und Optometrie als kompetenter Ansprech­partner für die Augengesundheit.

FOCUS: Warum sieht sich die VDCO als fachwissenschaftlicher Verband besonders in der Verantwortung, aktiv über das Thema zu informieren – und was unterscheidet diese Rolle aus Ihrer Sicht von der einzelner Marktteilnehmer oder Hersteller?

Ambros: Die besondere Rolle der VDCO liegt darin, neue fachwissenschaftliche Erkenntnisse, wie die DIN 58184, einzuordnen und unseren Mitgliedern die Anwendung in der täglichen Praxis zu ermöglichen. Als unabhängige Instanz ohne Verkaufsinteressen kann der Verband objektiv über geeignete Lösungen informieren und den Fokus auf eine hochwertige und wissenschaftlich fundierte Versorgungsqualität legen. Durch die interdisziplinäre Ausrichtung werden Optometrie und andere wissenschaftliche Bereiche verknüpft. Zudem fungiert die VDCO als Multiplikator: Wir verbreiten in dem Fall Wissen zur Norm, standardisieren die Beratung bei Sportbrillen für Kinder und sorgen für eine qualitativ einheitliche Beratung im Fachbetrieb.

Insgesamt besteht unsere zentrale Aufgabe darin, Bewusstsein zu schaffen und einen klaren Rahmen zu definieren, damit die Norm tatsächlich in der täglichen Versorgung ankommt.

FOCUS: Welche langfristigen Konsequenzen sehen Sie, wenn dieses Thema nicht ausreichend kommuniziert wird?

Ambros: Die Aufklärung über Augensicherheit im Schulsport ist ein zentraler Bestandteil der Prävention, die dazu beiträgt, vermeidbare Verletzungsrisiken frühzeitig zu reduzieren. Geeignete Sehhilfen, dazu zählen entsprechende Brillen oder Kontaktlinsen, können sowohl körperliche Schäden als auch Unsicherheiten durch fehlende Sicht minimieren. Gleichzeitig schützt Aufklärung Kinder vor struktureller Benachteiligung, sozialer Ausgrenzung und negativen Auswirkungen auf ihr Selbstvertrauen und ihre allgemeine Entwicklung. Sie trägt langfristig zur Gesundheitsförderung bei, indem sichere Bewegung, bessere Koordination und mehr sportliche Teilhabe ermöglicht wird. Ohne ausreichende Informationen können hingegen dauerhafte Versorgungslücken mit gesundheitlichen und sozialen Folgen entstehen.

FOCUS: Warum hält die VDCO es für wichtig, das Thema unabhängig von Saison oder Sportunterrichts-Schwerpunkten ganzjährig in die Öffentlichkeit zu tragen – und welchen Mehrwert hat diese kontinuierliche Sensibilisierung für Augenoptiker, Schulen und Familien?Ambros: Die ganzjährige Kommunikation zur Augensicherheit im Schulsport folgt der Logik der Prävention, da Risiken dauerhaft bestehen und nicht saisonal abhängig sind. Einmalige Informationsimpulse reichen nicht aus, weil nachhaltige Verhaltensänderungen nur durch kontinuierliche und wiederholte Aufklärung entstehen. Zudem verändert sich die Zielgruppe ständig, da Kinder wachsen, ihre Sehstärke und ihr Sportverhalten sich entwickeln. Somit ist auch deren Versorgung regelmäßig anzupassen. Für Augenoptiker und Optometristen, Schulen und Familien schafft eine dauerhafte Kommunikation mehr Struktur, Handlungssicherheit und eine dementsprechende fundierte Entscheidungsgrundlage. Gleichzeitig verschiebt sich die Versorgung damit von einer reaktiven hin zu einer präventiven Herangehensweise, also im besten Falle bereits bevor Probleme entstehen. 

FOCUS: Vielen Dank für das Gespräch.

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