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Stabiler Markt, weniger Dynamik

Bild: friends_stock/Envato.

Die Augenoptik 2025/26: Wirtschaft, Struktur und Vertrieb im Überblick

Der neue Branchenbericht des Zentralverbands der Augenoptiker und Optometristen für 2025/2026 zeichnet ein differenziertes Bild der deutschen Augenoptik. Während sich die Branche insgesamt stabil zeigt, lassen Dynamik und Wachstum nach. Neben wirtschaftlichen Kennzahlen rücken strukturelle Veränderungen, Digitalisierung und der anhaltende Bedeutungswandel im stationären Handel stärker in den Fokus.

Ein insgesamt konstantes wirtschaftliches Umfeld, das jedoch weniger Wachstumstempo als in früheren Jahren aufweist, beschreibt der aktuelle Branchenbericht des ZVA. Grundlage der Analyse sind umfassende Marktdaten für das Jahr 2025 sowie ergänzende Erhebungen des Verbands.

Die wirtschaftliche Entwicklung zeigt: Die deutsche Augenoptik bleibt robust, aber die Spielräume werden enger. Mit einem Umsatzzuwachs von 0,6% liegt das Wachstum unterhalb der Inflationsrate. Gleichzeitig ging der Absatz kompletter Brillen um rund 2% auf knapp zwölf Millionen Stück zurück. Insgesamt erwirtschaftete die augenoptische Branche dennoch einen Umsatz von mehr als 7 Milliarden €.

Preise steigen, Stückzahlen sinken – Wertschöpfung verschiebt sich

Ein Blick auf die Umsatzstruktur verdeutlicht die Entwicklung im Detail: Der Branchenumsatz stieg von 6,975 Milliarden € im Jahr 2024 auf 7,025 Milliarden € im Jahr 2025. Parallel dazu sank der Absatz bei Brillen und Brillengläsern kontinuierlich. Während 2022 noch rund 12,52 Millionen komplette Brillen verkauft wurden, lag der Wert 2025 nur noch bei 11,77 Millionen. Ähnlich entwickelte sich der Absatz von Brillengläsern, der von 38,73 Millionen Stück in 2022 auf 36,56 Millionen im Jahr 2025 zurückging. Diese Zahlen machen deutlich, dass höhere Umsätze zunehmend über Preis- und Wertsteigerung statt über Mengenwachstum erzielt werden.

„Die aktuellen Zahlen zeigen erneut, dass die Augenoptikbranche auch in wirtschaftlich anspruchsvolleren Zeiten stabil bleibt. Gleichzeitig sehen wir deutlich, dass sich die Rahmenbedingungen verändern und Wachstum heute differenzierter bewertet werden muss als noch in den Vorjahren“, sagt ZVA-Präsident Kai Jaeger.

Strukturwandel setzt sich fort

Neben den wirtschaftlichen Kennzahlen zeigt der Bericht vor allem strukturelle Veränderungen innerhalb der Branche. Die Zahl der Betriebe ist erneut gesunken und liegt nun bei rund 10.700 augenoptischen Fachgeschäften. Und damit setzt sich ein Trend fort, der bereits seit mehreren Jahren zu beobachten ist.

Während 2020 noch rund 11.370 Standorte gezählt wurden, sank die Zahl kontinuierlich über 11.280 (2021), 11.100 (2022) und 11.000 (2023) auf schließlich 10.700 im Jahr 2025. Parallel dazu wächst die Marktbedeutung großer Anbieter. Die zehn umsatzstärksten Unternehmen konnten ihre Präsenz weiter ausbauen und vereinen inzwischen mit 55% mehr als die Hälfte des Gesamtumsatzes auf sich. Im Jahr 2021 war der Marktanteil noch exakt gleich verteilt, als große Anbieter und übrige Marktteilnehmer mit jeweils 50% auf denselben Teil des Kuchens kamen.

Auch die Anzahl der Filialen der großen Unternehmen steigt: von 2.322 Standorten im Jahr 2020 auf 2.723 im Jahr 2025. Diese gegenläufige Entwicklung – sinkende Gesamtzahl der Betriebe bei wachsender Filialstruktur großer Anbieter – ist ein zentrales Kennzeichen der aktuellen Marktsituation.

„Gerade die Entwicklung bei den Betriebsstätten zeigt, wie groß der Veränderungsdruck in Teilen der Branche ist. Wo Nachfolgefragen ungelöst bleiben, gehen oft gewachsene Strukturen verloren. Das ist nicht nur eine wirtschaftliche, sondern auch eine versorgungspolitische Frage“, so Kai Jaeger.

Stationärer Handel bleibt dominierend

Trotz zunehmender Digitalisierung bleibt der stationäre Vertrieb der wichtigste Absatzkanal der Branche. Der Online-Anteil am Umsatz lag 2025 bei lediglich 5%. Zwar wurden 6% der Käufe online initiiert, doch ein signifikanter Wachstumstrend ist laut Bericht nicht erkennbar.

Die Zahlen bestätigen damit die besondere Stellung der ­Augenoptik im Einzelhandel: Individuelle Beratung, präzise Anpassung und fachliche Kompetenz sind weiterhin entscheidende Faktoren für die Kaufentscheidung.

ZVA-Vizepräsident Armin Ameloh ordnet die Entwicklung entsprechend ein: „Die Zahlen machen deutlich, dass die Augenoptik eben kein typischer Online-Markt ist. Gute Versorgung, individuelle Anpassung und persönliche Beratung bleiben für die Kundinnen und Kunden entscheidend. Damit verknüpfte digitale Angebote können gegebenenfalls sinnvoll ergänzen, sie ersetzen aber nicht die fachliche Kompetenz vor Ort.“

Digitale Anwendungen gewinnen dennoch an Bedeutung – insbesondere bei Serviceleistungen wie der Online-­Terminvergabe oder der Kundenkommunikation. Sie fungieren zunehmend als Ergänzung zum stationären Geschäft und tragen zur Effizienzsteigerung bei.

Herausforderungen für kleinere Betriebe

Ein wesentlicher Bestandteil des Branchenberichts ist zudem eine Online-Umfrage unter 928 kleinen und mittleren Betrieben. Die Ergebnisse liefern einen praxisnahen Einblick in die wirtschaftliche Lage dieser Unternehmen.

Deutlich wird: Neben steigenden Kosten und wachsendem Wettbewerbsdruck stellen vor allem personelle Engpässe und ungelöste Nachfolgeregelungen zentrale Herausforderungen dar. Hinzu kommen bürokratische Anforderungen, insbesondere im Zusammenhang mit der Abrechnung mit der gesetzlichen Krankenversicherung, die den Arbeitsaufwand erhöhen und betriebliche Prozesse belasten.

Gleichzeitig erweitern viele Betriebe ihr Leistungsspektrum, etwa durch zusätzliche Angebote in der Hörakustik oder durch verstärkte Serviceorientierung. Diese Diversifizierung wird zunehmend als strategischer Ansatz gesehen, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben.

Stabilität mit Anpassungsdruck

Der Branchenbericht Augenoptik 2025/26 zeichnet insgesamt das Bild einer stabilen, wirtschaftlich tragfähigen Branche, die sich gleichzeitig in einem spürbaren Transformationsprozess befindet. Wachstum ist weiterhin möglich, jedoch differenzierter und stärker von strukturellen Entwicklungen abhängig als in der Vergangenheit.

Die Kombination aus leicht wachsendem Umsatz, rückläufigen Stückzahlen, zunehmender Marktkonzentration und stabiler Bedeutung des stationären Handels zeigt es deutlich: Die Branche steht nicht vor einem Umbruch, aber vor einer Phase intensiver Anpassung.

Der vollständige Branchenbericht ist abrufbar unter: 

www.zva.de/branchendaten

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