KGS: So lassen sich Augen bei der Sonnenfinsternis schützen
Partielle Finsternis am 12. August stellt besondere Anforderungen an die Beobachtung
Wenn sich am 12. August der Mond teilweise vor die Sonne schiebt, ist das Naturereignis auch in Deutschland sichtbar. Trotz einer Bedeckung von rund 85 bis 90% bleibt der direkte Blick auf die Sonne gefährlich. Das Kuratorium Gutes Sehen (KGS) weist deshalb darauf hin, dass herkömmliche Sonnenbrillen keinen ausreichenden Schutz für die Augen bieten.
Die partielle Sonnenfinsternis beginnt am Mittwoch in Deutschland je nach Standort zwischen etwa 19.10 und 19.20 Uhr. Der Höhepunkt wird kurz nach 20 Uhr erreicht. Vollständig verdeckt wird die Sonne nicht. Während der gesamten Beobachtungsdauer sollte daher ausschließlich eine geeignete Sonnenfinsternisbrille verwendet werden.
„Je schmaler die sichtbare Sonnensichel wird, desto harmloser erscheint sie. Doch auch der verbleibende Teil der Sonne ist so intensiv, dass eine normale Sonnenbrille nicht genügt. Wer das Ereignis sicher erleben möchte, sollte den Augenschutz vorher prüfen und nicht erst am Abend der Finsternis improvisieren“, erklärt Privatdozent Dr. Wolfgang Wesemann, wissenschaftlicher Berater des Kuratoriums Gutes Sehen.
Warum selbst eine kleine Sonnensichel gefährlich bleibt
Auch wenn die Sonne während der Finsternis deutlich weniger grell erscheint, kann der direkte Blick die Netzhaut schädigen. Die Augenlinse bündelt das Licht auf der Netzhaut ähnlich wie ein Brennglas. Dadurch können lichtempfindliche Zellen dauerhaft geschädigt werden.
Besonders problematisch ist, dass Netzhautschäden keine unmittelbaren Schmerzen verursachen. Betroffene bemerken mögliche Verletzungen daher häufig erst später. Das Sehvermögen kann dauerhaft beeinträchtigt bleiben.
Das Bundesamt für Strahlenschutz warnt: „Vermeiden Sie unbedingt den direkten Blick in die Sonne mit ungeschützten Augen. Die Netzhaut kann in kürzester Zeit stark geschädigt werden.“
Worauf bei Sonnenfinsternisbrillen zu achten ist
Nach Angaben des KGS sind normale Sonnenbrillen für die Beobachtung ungeeignet. Sie reduzieren zwar die Blendung, sind jedoch nicht für den direkten Blick in die Sonne ausgelegt. Stattdessen sollten ausschließlich spezielle Sonnenfinsternisbrillen verwendet werden. Diese sind unter anderem in Augenoptikbetrieben, bei Astronomie- und Optikfachhändlern sowie im Onlinehandel erhältlich.
Geeignete Sonnenfinsternisbrillen sollten:
- der Norm DIN EN ISO 12312-2:2015 entsprechen,
- eindeutige Herstellerangaben sowie Gebrauchs- und Warnhinweise tragen,
- frei von Kratzern, Löchern oder Rissen sein,
- gut sitzen und möglichst wenig seitliches Licht durchlassen.
Wer die Sonne direkt betrachten möchte, sollte die Schutzbrille bereits vor dem Blick zur Sonne aufsetzen und erst nach dem Wegdrehen wieder abnehmen. Kinder sollten die Sonnenfinsternis nur unter Aufsicht beobachten.
Besondere Vorsicht bei Ferngläsern und Teleskopen
Noch größer wird die Gefahr bei der Nutzung optischer Geräte wie Ferngläsern, Kameras oder Teleskopen. Sie bündeln die Sonnenstrahlung zusätzlich. Eine Sonnenfinsternisbrille allein bietet hierbei keinen ausreichenden Schutz.
Für solche Beobachtungen sind spezielle Sonnenfilter erforderlich, die fachgerecht vor dem Objektiv angebracht werden. Von improvisierten Lösungen etwa mit CDs, geschwärztem Glas oder Filmstreifen wird ausdrücklich abgeraten.
Sonnenfinsternis auch ohne direkten Blick erleben
Wer keine geeignete Schutzbrille besitzt, kann die Finsternis indirekt beobachten. Eine Möglichkeit ist die Lochkamera. Dabei wird nicht direkt in Richtung Sonne geschaut. Stattdessen projiziert ein kleines Loch das Bild der Sonnensichel auf eine helle Fläche.
Bei Unsicherheiten zur Auswahl, Kennzeichnung, Passform oder zum Zustand einer Sonnenfinsternisbrille empfiehlt das KGS eine Beratung im augenoptischen Fachbetrieb.



